WR516 Fuck yeah, Capitalism!

 

wrint_realitaetsabgleich_2014_200Diesmal: Ein Hotel in München – Ultraschall – Smart Fourfour – Tobys neues altes Auto – Tempomat – Innenstadt-Raser – Barfußschuhe – Apokalyptische Perspektiven – Das Ende der EU – Perspective Daily
 
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80 Gedanken zu „WR516 Fuck yeah, Capitalism!

  1. David

    Hmm, endlich mal ein wenig ansteckender Optimismus zur aktuellen politischen Lage. Vielleicht ist es auch so, dass wir aus der Präsens-Betrachtung schnell aus dem Fokus verlieren, dass Politik sich im geschichtlichen Verlauf in Wellenbewegungen ändert und es nicht immer weiter in die Richtung gehen muss, auf die “wir” aktuell schockiert starren und uns ängstigen. Vielleicht müssen einige erzkonservative wie der Österreichische Aussenminister jetzt erstmal frei drehen, damit wir erstmal wieder merken – vielleicht besser: fühlen – was für ein geiles Projekt dieses Europa eigentlich ist, weil das in den letzten Jahren immer nur sehr abstrakt behandelt wurde. Vielleicht müssen einmal kurz die Lieferketten der großen Zulieferfabriken ins Stottern geraten, damit wir spüren dass es vielleicht doch eine ganz gute Idee war offene Grenzen zu haben. Ich bin auch verhalten optimistisch, dass bis zur Bundestagswahl noch genug weitere Säue durch den Blätterwald getrieben werden, dass die AfD plötzlich nackt darsteht und mit blankem “der Ausländer ist schuld” nicht mehr durchkommen. Wie schnell sich Parteien selbst zerlegen und in der Bedeutungslosigkeit verschwinden können, wenn sich der Blick in der Tagesschau auf andere Themen wendet, haben die Piraten ja vortrefflich gezeigt. Also vielleicht läuft nicht alles in die Apokalypse, sondern es muss erstmal ein wenig weh tun damit wir uns wieder zusammenraufen können. Was nichts daran ändert, dass es jetzt scheisse ist und Menschen an den Aussengrenzen dafür geopfert werden. Irgendwie auch sehr zynisch…
    Dass “die Exekutive” übrigens ganz klar dazu in der Lage ist, die Bevölkerung auf dem emotionalen Niveau eines 12 jährigen abzuholen, zeigt doch Seehofer in Perfektion. Was anderes ist dieser ganze Populismus als sich an ganz naiven Mechanismen zu bedienen? Komisch dass mir emotional der Gedanke im ersten Moment befremdlich vorkam, dass man die gleichen Mechanismen eben auch positiv anwenden kann. Einfache, emotionale Botschaften: “Wir schaffen das, denn wir sind stark.” Und dann symbolisch den Hartz4 Satz 50 Euro erhöhen, um auch mal was “für das Volk” zu tun. Stattdessen wird ja aktuell schon dagegen polemisiert, wenn jemand die ungerechte Ressourcenverteilung im Land anspricht, wie der Paritätische Wohlfahrtsverband die Tage. “Wasser auf die Mühlen der AfD!!”
    Panikmodus. Und damit zurück ins Internet… (komisches Ende, jaja)

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  2. T.Jay

    Nazikrise trifft es ziemlich gut. Das wurde mir spätestens im November bewusst, als die “Besorgten Bürger” in meiner Heimatstadt auch angefangen haben Deutschlandfahne schwenkend “Lügenpresse” zu skandieren.
    Mittlerweile treffen sich in dem Ort die Shooting Stars der bundesdeutschen Patriotenszene…

    Ich versuche das aber auch gelassener zu sehen, vorwiegend aber um mich emotional zu schonen, denn eine wirkliche Trendwende ist nicht in Sicht.
    Zur Aufheiterung: http://www.bullshit-quiz.de/

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    1. Bernhard K.

      Wenn es wirklich wieder so schlimm wird mit den Nazis wie früher, wird in der Retrospektive die “Flüchtlingskrise” zu einem Kampfbegriff wie weiland die “Dolchstoßlegende”.

  3. Philipp

    Die gleiche Argumentation gab es auch vor den Weltkriegen – dass wir international so verzahnt sind, dass uns das irgendwie schützen wird. Was dabei außer Acht gelassen wird ist das der irrationale Hass von Rechts sich vor allem durch eins auszeichnet: Irrationalität und Hass. Was auch immer passiert – ich habe eine Vermutung wer dann Schuld sein wird.

    Abgesehen davon gibt es keinen Anlass zu der Vermutung, dass mit rechten Regierungen die Grenzen für Güterverkehr geschlossen werden sollten. Ich sehe Niemanden der das fordert. Holgi sagt: “Du kannst nen freien Warenverkehr nicht von einem freien Personenverkehr trennen, jedenfalls nicht dauerhaft.”
    Das kann man nicht nur, dass wird überall auf der Welt so gehandhabt. Die EU ist mit Schengen die eine große Ausnahme. Erstbestes Beispiel – USA treibt Handel mit China im großen Stil. Trotzdem brauchen Bürger Visa, Green cards etc. um das andere Land zu besuchen. Es gibt einfach keinen zwangsläufigen Zusammenhang zwischen Personen- und Warenverkehr.

    Wenn ich Euch zuhöre kann ich nur denken Ihr habt das Problem nicht verstanden. In Eurer Wahrnehmung sind diese Menschen dumm und man müsste Ihnen nur die Angst nehmen und Ihnen zeigen wie gut es Ihnen eigentlich geht. “Es liegt kein Monster unterm Bett”. Wir sind so reich, dass wir uns Burger für 8 Euro kaufen können. Die Leute sind irrationale Besitzsstandswahrer. Stichwort Wohlstandsverwahrlosung, etc. pp. Aber ihr hängt euch viel zu sehr an der Ausländerfeindlichkeit und der Gegenrationalisierung auf. Denn das ist nur das Ventil das zu erst nachgibt. Ein Ventil für Probleme die real sind. Selbstverständlich gibt es begründete Ängste und Wut.

    Schaut Euch die Politik und die gesellschaftliche Entwicklung der letzten 30-40 Jahre an. Wohlstands- und Einkommensverteilung, Armutsrisiko, gesellschaftliche Mobilität, etc. Überall wird es schlechter und unsicherer für die Mehrheit der Menschen. Welche politischen Initiativen der letzten Jahrzehnte hat irgendwas für die Mehrheit der Bevölkerung verbessert? Wird nicht immer und überall nur gekürzt und die Axt an die Sicherungssysteme gelegt? In der Generation meiner Eltern konnte sich der normale Arbeiter in der Mitte der Gesellschaft als Alleinverdiener ein Haus und Familie leisten und musste keine Angst vor Altersarmut haben. Ich weiß nicht wie das in Eurem Umfeld ist aber meine private Erfahrung sagt das wir davon heute weit weg sind. Wenn Du nicht einen, am besten zwei, sehr gute Jobs hast ist das extrem hart.

    Ich stimme Tobi zu. Wir müssten was tun. Aber nicht gegen die Nazis, sondern für die Mehrheit. Und das Einzige was man meiner Meinung nach sinnvolles tun kann ist Engagement in der Politik oder Aktivismus. Denn von Alleine wird sich nichts ändern und wir werden den Deckel irgendwann nicht mehr auf dem Topf halten können.

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  4. Bigmcintosh

    Das mit den Burgerläden ist mir auch schon aufgefallen. Ich geh wenn Congress ist auch immer einmal in den Laden da im Bahnhof Dammtor, die find ich ziemlich gut und haben Pulled Pork und Süsskartoffelfritten, toll
    Und das in ner Bahnhofsbude 😀

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  5. Wilhelm

    Die erwachsenen Kinder im Sandkasten, denen man die Förmchen weg nehmen will …
    Früher, als ich Kind war, hat unsere Nachbarin durch den Hof gebrüllt, wenn wir Flausen anstellten. Im schlimmsten Fall kam sie bei meinen Eltern vorbei. Das ist soziale Kontrolle, die bei den Pegiden nicht funktioniert, weil der Nachbar entweder nichtsahnend ist, oder die Flausen nicht als solche anerkennt.

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  6. Bigdaddyjohn

    Mich, der sich eher im konservativen Spektrum einordnen würde, hat Holgi mit seiner Argumentation nicht überzeugt. Vor allem das Bild, den Bürger als Kind im Spielkasten anzusehen, empfinde ich als eher herabsetzend und befremdlich. Der Staat hat auch gar kein Recht, in die Belange der Bürger einzugreifen, solange kein Straftatbestand vorliegt.

    Des Weiteren: Natürlich haben wir auch ein Problem mit Flüchtlingen. Ich kann das aus dem Bekanntenkreis gut nachvollziehen, wo eine Freundin von mir ins Schwimmbad gegangen sind und von den Flüchtlingen begafft wurden. Auf einmal standen dann 4 Flüchtlinge in der Frauendusche und haben sie belästigt. Bei der Anzeige wurde ihr von der Polizei mitgeteilt, dass solche Fälle sich häufen würden.

    Man darf die kritischen Punkte nicht unterschlagen, denn sie gibt es. Wer dies ignoriert treibt die Bürger nur weiter zu Pegida und AfD. Selbstverständlich darf man die große Menge an friedlich lebenden Asylanten für solche Verfehlungen nicht in Sippenhaft nehmen.

    Richtig ist, dass es sowohl große Probleme mit rechter Gewalt als auch Kriminalität seitens der Flüchtlinge gibt.

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    1. Bigdaddyjohn

      Wollte noch hinzufügen: Es ist schon amüsant, dass jetzt ausgerechnet bei der Flüchtlingskrise der Kapitalismus und die Polizei die Kohlen aus dem Feuer holen sollen.

    2. holgi Artikelautor

      Die Kriminalität hat aber nichts damit zu tun, dass es Flüchtlinge sind, was allerdings immer der Subtext der Rechten ist.

      Und warum sollte man bei Leuten, die sich benehmen wie Kinder, nicht auch Kommunikations-Strategien wie bei Kindern anwenden?

    3. Bigdaddyjohn

      Natürlich hat es nichts mit ihrem Status als Flüchtling zutun, allenfalls mit den Kulturkreisen, aus denen sie migrieren.

      Ob und inwiefern hier ein Zusammenhang besteht, mag ich nicht beurteilen. Eine Korrelation von vornherein auszuschließen ist aber genauso vorurteilsbehaftet wie von dieser sofort auszugehen. Wenn mir aber die Polizei kommuniziert, dass gewisse Delikte seitdem häufiger auftreten, dann kann besteht jedenfalls der Verdacht, dass hier ein Problem liegt.

      Es ist zu debattieren, ob das Problem wirklich von den Flüchtlingen ausgeht, oder schlichtweg mit den Flüchtlingen aus infrastrukturellen Problemen einhergehen. So oder so , es besteht ein Problem im Zusammenhang mit der jetzigen Flüchtlingssituation.

      Zu sagen, es gebe kein Flüchtlingsproblem, halte ich aus diesen Gründen für naiv. Ein solches Fazit entbindet uns ja trotzdem nicht von unserer Pflicht zu helfen.

      Zum zweiten Thema: Weil ein solches Denken zu einem – im wahrsten Sinne des Wortes- paternalistischen Staat führt. Ich halte aber nicht nur das Menschenbild für falsch, sondern sehe auch praktisch keinen Punkt zum Ansetzen. Die Sorgen der Leute kann ohnehin nur durch Ergebnisse genommen werden.

    4. Truhe

      “Natürlich hat es nichts mit ihrem Status als Flüchtling zutun, allenfalls mit den Kulturkreisen, aus denen sie migrieren.”

      Erstquelle durch Verwandtschaft, Kaufland in Berlin nahe eines Flüchtlingheimes: Derart stark gestiegene Quote von Diebstählen, dass die Polizei darum gebeten hat, sie nicht mehr zu rufen, da sie eh nichts dagegen machen kann.

      Ergebnis: Hohe Diebstahlrate, Polizei wird nicht gerufen, Diebstähle tauchen nicht in der Polizeistatistik auf und verhindern einen objektiven Blick auf die Realität.

      Ich sage ja immer, die “Flüchtlingskrise” ist eine Infrastrukturkrise. Was in den letzten Jahrenzehnten kaputtgespart wurde rächt sich jetzt. Auch eine unterbesetzte Polizei und unterbesetzte Gerichte sind Teil dieses Problems. Problematisch wird es, wenn die Infrastruktur so kaputt ist, dass sie aus Selbstschutz nicht nur langsam arbeitet, sondern die Arbeit verweigert. Das sieht man oben an dem Kaufland-Beispiel gut (und die Probleme sind ja nicht neu, die “Nichtverfolgung” gibt es z.B. bei illegalen Zigarettenhändler seit Jahren).

      Nur ist es nicht möglich, objektiv über Flüchtlinge, Chancen, Probleme und Aufgaben zu sprechen, wenn schon die Datenbasis fehlerhaft ist, auf deren Grundlage alles andere fußen würde.

  7. Andreas

    Holgi macht übrigens einen typischen Fehler, den viele Betrachter der aktuellen Situation aus westdeutscher Perspektive machen.
    Die Leute die in Dresden bei PEGIDA auf der Straße sind, hatten 1960 nicht Kapitalismus, sondern “real existierenden Sozialismus” o.ä. Die Generation meiner Eltern (Baujahr um 1960) hat dort länger gelebt als in der sozialen Marktwirtschaft (und findet beide Systeme Mist).

    Dies entwertet selbstverständlich nicht die vorgebrachten Argumente, aber die aktuelle Betrachtung der Menschen auf der Straße geschieht aus einer BRD-zentrierten, “Wir haben den Ossis die Freiheit gebracht jetzt sollen sie mal still sein und Bananen kaufen” Sichtweise. Das wird als Bevormundung von oben empfunden, gegen die 89/90 eben auf die Straße gegangen wurde.

    DDR findet in den Medien auch nur am Rande statt, eher wie wenn über ungeliebte Verwandte gesprochen wird, daher auch die entsprechenden Vorwürfe.
    Meine Vermutung ist, dass es die Medienschaffenden einfach nicht besser wissen (Wissenslücke/Desinteresse), vom gelernten DDR-Bürger der zentral gesteuerte Staatspropaganda kennt und vermutet, wird es aber als gelenkte Berichterstattung wahrgenommen.

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    1. holgi Artikelautor

      Alle meine Bekannten, die in der DDR sozialisiert wurden, sind nicht derart vernagelt.

    2. Greg

      Meine Bekannten auch nicht, und ich habe viele Bekannte und Familie im Osten.
      Aber trotzdem könnte da was dran sein, zumindest in dem Punkt Mißtrauen gegenüber den Medien.

      Ich schreibe das ohne Vorwurf und sehe das, sollte es überhaupt einen solchen Zusammenhang geben, erst recht nicht als Rechtfertigung ins rechte Lager abzudriften.

    3. Martin

      Wie viele davon sind keine Berliner/Städter, Holgi?

      Da meine Familie im Osten sehr groß ist, kann ich sehr gut den Unterschied zwischen den Berlinern, den Städtern und den auf den land lebenden Ostdeutschen sehen?
      Und der unterschied in der Sozialisierung ist enorm.

    4. Tarifkenner

      An Andreas
      Andreas schreibt: “Die Generation meiner Eltern (Baujahr um 1960) hat dort [sc. im „real existierenden Sozialismus“ ] länger gelebt als in der sozialen Marktwirtschaft (und findet beide Systeme Mist).”

      Aber da fängt es doch schon an. Man kann viel am System der sozialen Marktwirtschaft kritisieren. Aber mir fehlt jedes Verständnis für Menschen, die das bundesdeutsche Modell der sozialen Marktwirtschaft mit dem realexistierenden Sozialismus, einem Wirtschaftssystem, das faktisch eine Diktatur voraussetzt, in eine gemeinsame Kategorie stecken, die sie dann mit “Mist” betiteln. Wie kann man bloß zu einer so verzerrten Wahrnehmung kommen?

      Und ja: Ich finde in der Tat, dass die Bewohner des Beitrittsgebiets ein bisschen Dankbarkeit gegenüber den Bürgern der alten Bundesrepublik zeigen könnten, die mit einem Billionentransfer maßgeblich dazu beigetragen haben, dass der Osten wieder auf die Beine gekommen ist. Diese Dankbarkeit müsste sich nicht in kritiklosen Konsum zeigen, sondern darin, dass man vor der Teilnahme an ausländerfeindlichen Aktionen mal überlegt, wie es einem selbst ginge, wenn die Bundesbürger 1990 auch nur an ihre Besitzstände gedacht hätten.

    5. Martin

      “Und ja: Ich finde in der Tat, dass die Bewohner des Beitrittsgebiets ein bisschen Dankbarkeit gegenüber den Bürgern der alten Bundesrepublik zeigen könnten, die mit einem Billionentransfer maßgeblich dazu beigetragen haben, dass der Osten wieder auf die Beine gekommen ist. Diese Dankbarkeit müsste sich nicht in kritiklosen Konsum zeigen, sondern darin, dass man vor der Teilnahme an ausländerfeindlichen Aktionen mal überlegt, wie es einem selbst ginge, wenn die Bundesbürger 1990 auch nur an ihre Besitzstände gedacht hätten.”

      Dieser Rassismus ist keine Frage von “Ost-Mentalität” sondern eine Folge davon, das der Osten eben nicht auf die Beine gekommen ist. Seid dem Mauerfall ist es vielen Landstrichen gerade in Sachsen Anhalt sehr schlecht gegangen. Was auch immer mit den Gelder passiert ist, die Wirtschaft des Ostens wurde auf Grund der fehlenden Erfahrung mit der freien Marktwirtschaft zerstört. Viele Betriebe, Zeitungen, usw. wurden von Westfirmen billig aufgekauft. Es gibt zwar auch bessere Gebiete im Osten, dort findest du aber auch kaum diese Fremdenfeindlichkeit.

      Im Prinzip gab es nie eine Wiedervereinigung. Der Osten wurde “Aufgenommen” und musste sich komplett den Regeln der BRD unterwerfen. Dadurch wurden viele Errungenschaften der DDR (nein, die DDR war nicht NUR schlecht!) weggeworfen und den Menschen vor Ort vor den Kopf gestoßen.

      Hinzu kommt der “Braindrain”. Junge Ostdeutsche fliehen wie ich vor der katastrophalen Wirtschaft in den Westen. Ich bin zum frühst möglichen Zeitpunkt in den Westen gezogen. Und jedesmal wenn ich meine alte Heimat besuche und mit Freunden und Familie dort spreche sehe ich, das es die richtige Entscheidung war.

      Mit der Wiedervereinigung wurden auch unliebsame und nutzlose Beamte in den Osten verlegt, was dort zu einer sehr ineffizienten, verknöcherten und steifen Bürokratie führte. Diese sorgt ebenfalls dafür, das die älteren Menschen mit der BRD immer unzufriedener geworden sind.

      Also: Miese wirtschaftliche Lage + Abwanderung der Jugend + Hohe Arbeitslosigkeit + Geringere Löhne + … = “besorgte Bürger”!

      Und solange der deutsche Staat nicht mal wirklich Anfängt den Soli (welchen jeder Ost und Westdeutsche zahlt) komplett zum Wiederaufbau zu verwenden wird sich daran nichts ändern und auch keine Dankbarkeit entstehen.

    6. Tarifkenner

      @ Martin
      Die ostdeutsche Wirtschaft wurde nicht „auf Grund der fehlenden Erfahrung mit der freien Marktwirtschaft zerstört“, sie war in großen Teilen schon 1989 so weit von Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit entfernt, dass sie nur durch ein zwangswirtschaftliches System künstlich am Leben gehalten wurde. Da gab es 1990 ff. nichts mehr zu zerstören.

      „Und solange der deutsche Staat nicht mal wirklich Anfängt den Soli (welchen jeder Ost und Westdeutsche zahlt) komplett zum Wiederaufbau zu verwenden wird sich daran nichts ändern und auch keine Dankbarkeit entstehen.“

      Es gibt sehr viel mehr Mechanismen, die Geld von Westen nach Osten umverteilen, als den Solidaritätszuschlag. Wie übrigens wohl die Pegidasten reagieren würden, verkündete ein Flüchtling: „Solange die deutsche Gesellschaft pro Jahr zehntausend Euro für mich aufwendet, bin ich nicht dankbar. Ich bin erst dankbar, wenn es pro Jahr hunderttausend sind.“?

    7. Martin

      @ Martin
      Die ostdeutsche Wirtschaft wurde nicht „auf Grund der fehlenden Erfahrung mit der freien Marktwirtschaft zerstört“, sie war in großen Teilen schon 1989 so weit von Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit entfernt, dass sie nur durch ein zwangswirtschaftliches System künstlich am Leben gehalten wurde. Da gab es 1990 ff. nichts mehr zu zerstören.

      „Und solange der deutsche Staat nicht mal wirklich Anfängt den Soli (welchen jeder Ost und Westdeutsche zahlt) komplett zum Wiederaufbau zu verwenden wird sich daran nichts ändern und auch keine Dankbarkeit entstehen.“

      Es gibt sehr viel mehr Mechanismen, die Geld von Westen nach Osten umverteilen, als den Solidaritätszuschlag. Wie übrigens wohl die Pegidasten reagieren würden, verkündete ein Flüchtling: „Solange die deutsche Gesellschaft pro Jahr zehntausend Euro für mich aufwendet, bin ich nicht dankbar. Ich bin erst dankbar, wenn es pro Jahr hunderttausend sind.“?

      @Tarifkenner
      Das war keine Verteidigung oder Entschuldigung. Der Mensch funktioniert nicht so.
      Diesen Menschen, diesen Regionen geht es nicht gut. Und jetzt sehen sie aus ihrer sehr verzerrten sicht, das für die Flüchtlinge Millionen da sind und Ihnen niemand hilft. Natürlich ist diese Sichtweise falsch.
      Das Ändert aber nichts. Diese Menschen werden nicht “Dankbar” nur weil irgendwo mal Milliarden geflossen sind. Diese Menschen möchten auch nur ein besseres Leben und fühlen Sich benachteiligt.+

      Das zu erkennen ist ein wichtiger Schritt um die “besorgten Bürger” von dem extremen Pack zu trennen. Ansonsten wird das Problem nur größer.

      Dein erster Absatz sagt das selbe aus wie mein Absatz dazu. Es ist schlicht und ergreifend eine andere Sichtweise. Die DDR besaß zentral kontrollierte Betriebe deren Fokus nicht die Wirtschaftlichkeit war. Und von ein Moment auf den anderen waren die Regeln andere. Die BRD wusste wie es im Osten aussieht und trotzdem hat man die Landstriche veröden lassen.
      Die BRD war nach Ende des Weltkrieges auch am Boden. Es sieht hier doch nur so aus, wie es aussieht, weil unter anderem die USA sehr viel Geld in die deutsche Wirtschaft gesteckt haben während die Russen sich die Reparationen aus der Wirtschaft geholt hat. Dazu gab es dieses nicht wirtschaftlich funktionale System.

      Versteh mich nicht falsch. Die Wiedervereinigung war die einzig richtige Entscheidung. Trotzdem hat die Regierung es verpasst eine echte Wiedervereinigung durchzuführen. Das hätte auch bedeutet sich selbst kritisch zu betrachten und zu schauen ob die DDR nicht auch gute Seiten hatte.

    8. holgi Artikelautor

      Gregor Gysi sagte mal, das Problem an der Vereinigung sei, dass die Westdeutschen dabei nicht auch eine Verlusterfahrung gemacht hätten.

  8. Greg

    Hallo zusammen,

    ich teile Holgis Sichtweise in Zusammeng mit den besorgten Bürgern gar nicht. Klar, es ist wünschenswert wenn jeder reflektiert seine eigene Stellung in der Gesellschaft korrekt einschätzen kann, aber das deckt sich nicht mit der Realität. Staatliche Erziehungsmaßnahmen halte ich für aussichtslos, weil es keinen Ansatzpunkt gibt. Mal angenommen es gäbe eine Möglichkeit, selbst dann wäre eine staatlich oder einfach eine externe Beeinflussung nicht wünschenswert, weil es die Meinungsfreiheit untergraben würde.

    Ich halte die zunehmenden gesellschaftlichen Spannungen für ein Zeichen der Zeit und ich prophezeihe eine Zunahme. Was nicht vergessen werden darf, ist die Tatsache, dass die Grundlage der Spannungen auf Verteilungskämpfe basieren. Das hängt ganz unmittelbar mit der auseinderdriftenden Vermögensverteilung zusammen. Im Großen wie im Kleinen.

    In den goldenen 60ern und 70ern, als der Wohlstand gut verteilt und hioch war, wurden die Freibäder gebaut, die heute geschlossen werden.

    Die Frage ist, ob wir es hinkriegen die notwendigen Schritte zu gehen, um die Spannungen zu entspannen. Ob das staatlich (also im Sinne von staatlichen Organe) oder durch die aktive Beteiligung durch die Bürger gestaltet wird, hängt im Wesentlichen von der Bereitschaft der Einzelnen ab, sich zu engagieren. Pegida & Co. verstehen es die Bürger zu mobilisieren.

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  9. Christian

    Hallo Holgi;
    Hallo Tobi;

    Ihr missachtet beide einen entscheidenden Punkt wenn ihr die Situation – vor allem in Sachsen – zu einem Naziproblem erklärt. Nämlich die reale Lebenswirklichkeit der Menschen dort! Ich selber wohne im Rheinland zwischen Bonn und Koblenz und bin auch hier geboren und aufgewachesen. Allerdings habe ich auch sehr viel Verwandtschaft im Erzgebirge, die teilweise auch Clausnitz im Namen trägt.

    Dort gibt es Orte die haben 20, 30, teilweise 40 Prozent Leerstand bei den Wohnungen und Arbeitslosenquoten in ebenso großem Ausmaß. Das führt dann dazu dass die Feuerwehren mit vor sich hinrostenden, 40 Jahre alten Barkas zum Einsatz fahren und die Gemeinden teilweise Kredite aufnehmen müssen um ihren Grundpflichten nachzukommen, z. B. um Streusalz zu kaufen. Dass dann an allen anderen Ecken und Enden der sozialen Infrastruktur (Schulen, Spielplätze, Sporthallen, usw.) gespart werden muss und alles nur so dahin marodiert, werde ich sicherlich nicht weiter ausführen müssen.

    Dort im Erzgebirge gibt es Rentner die mit ALG II aufstocken müssen, seit 30 Jahren in der selben Wohnung mit den selben Möbeln wohnen, ihr Essen von der Tafel und ihre Kleider von der DRK Kleiderbörse bekommen. Diese Situation besteht dort seit zig Jahren und nicht erst seit gestern. Ohne dass sich etwas bessert. Die Strukturschwachen Regionen bluten immer weiter aus. Da hilft auch nicht dass es in Dresden, Leipzig und Halle vereinzelt “blühende Landschaften” gibt.

    Dementsprechend brodelt es dort schon ewig. Und in diesen fast 15 Jaren haben rechte Kräfte wie die NPD Strukturen aufgebaut, sind in die Gemeinderäte, die Kreistage und die Länderparlamente eingezogen. Sie sind weiter gewachen und haben sich in der Gesellschaft etabliert. Das kann einem gefallen oder nicht.

    Und jetzt versetzt euch bitte einmal in die Lebenswirklichkeit dieser Menschen: Da kommen auf einmal abertausende Flüchtlinge und die bis dahin schwächsten der Gesellschaft sind nicht mehr die Schwachen. Nein, sie haben eine Gruppe unter ihnen. Und wie wir wissen, wird meistens nach unten getreten.

    Diese Leute, die selber kaum über die Runden kommen, sehen aber täglich dass Gemeinden Wohnungen für die Flüchtlinge anmieten, von denen sie selber nur träumen können, dass Bekleidung, Möbel, etc. gespendet oder gestellt werden. Dass den Kommunen rechtlich und faktisch nichts anderes übrig bleibt, wird ausgeblendet!

    Aber das schlimmste für die dort heimischen Menschen ist dass die, die es selber besser haben als sie (vor allem die politische Elite), sie seit Jahren “übergehen” und nun den Flüchtlingen helfen.

    Was wir haben ist ein Sozialstaatsproblem, kein Naziproblem.

    Antworten
    1. holgi Artikelautor

      Genau das ist der Punkt, in dem ich kindisches Verhalten sehe. Diese Leute weigern sich, zu kapieren, dass es ihnen trotzdem um Längen besser geht, als den Flüchtlingen. Stattdessen bilden sie sich ein, dass ihnen irgendwie “mehr” zusteht – und weil sie es nicht bekommen, versuchen sie, den anderen Kindern die Schippe mit Gewalt wegzunehmen.

    2. Greg

      Hallo Holgi,

      das ist aber genau der Punkt den ich heute Mittag (12:27Uhr) meinte.
      Es gelingt nicht jedem seine gesellschaftliche Position korrekt einzuschätzen.
      Du hast vollkommen recht, dass es selbst den Schwachen bei uns noch um Läöngen besser geht als den Flüchtenden. Die Flüchtenden fliehen vor Krieg, Tod und Terror.

      Wenn man es aber einfach nicht hinbekommt, sich selbst nicht als Opfer zu sehen, dann liegt das an mannigfaltigen Ursachen. Fehlende Bildung, kein Interesse, Einflüsse aus dem direkten Umfeld.

      Klar, letztendlich ist jeder selbst für seine eigene Entwicklung zuständig. Aber auch dazu gehört ein Grad an Abstraktionsvermögen. Ist dieser nicht vorhanden, was soll man machen.
      Ein weiteres Problem ist es, überhaupt aus eigener Kraft aufzusteigen, bzw. nicht abzusteigen. Diese dauerhafte Kraftanstrengung kann in Frust ausarten. Dann kommt es darauf an, in welchem Soziotop dieser Frust aufkeimt, blüht und letztendlich Früchte trägt.

      Da steckt eine Menge Arbeit hinter, solche Prozesse zu begleiten und positiv zu beeinflussen.

      Ein ganz brisantes Thema.

      @ Holgi: Wären solche gesellschaftlichen Themen nicht auch eine Podcastrehe wert? Dir gelingt es einfach immer die korrekten Fragen zu stellen und die Gespräche zu führen. Ich glaube auch, dass dich selbst das Thema sehr stark interessiert. Ich fände eine Wrint-Reihe hierzu richtig klasse.

      Ganz allgemein: Mach weiter so! Deine Gespräche gefallen mir sehr. Vielen Dank!

  10. Romconstruct

    Zum Großteil würde ich Holgi durchaus Recht geben.

    Problematisch sehe ich aber die immer gebrachte Formulierung wie “Schnullernazis” und solche “Sandkastenvergleiche”. Das macht auf mich immer den Eindruck das Problem wird runtergespielt. Ja ich weiß Holgi möchte damit die AfD und Konsorten lächerlich etc. Keine Ahnung wann es genau los ging, aber schon zu Zeiten von Lucke war ja hier immer das Argument so grob “Ach ja der und seine Schnullernazis. Die werden jetzt mal kurz laut sein, vielleicht auch mal über die 5% kommen, sich selbst zerfleischen und wieder verschwinden.”

    Ja selbst zerfleischt haben sie sich zum Teil, aber dummerweise sind aus den 5% schnell 10% und je nach Bundesland auch mal über 15% geworden. Und in unseren Nachbarländern sieht es ja teils noch schlimmer aus.

    So wir haben nun mal ein ausgewachsenes Problem und viel zu viele Menschen, deren Menge sich auch immer mehr vergrößert, nehmen diese rechts-konservativen Parteien eben ernst oder lassen sich durch ihre Ängste einlullen.

    Antworten
  11. Patrick Breitenbach

    Wie bitte? DU bist neidisch, Holgi!?

    Wenn einer neidisch auf all die vielen und vor allem vielfältigen Audioproduktionen von dir ist, dann bin das ja wohl eher ich.

    Danke für die unfassbar vielen unterhaltsamen und erhellenden Stunden mit dir und deinen Gästen.

    Antworten
  12. Peter

    Hallo Holig und Toby,

    vielen Dank für die unterhaltsame Sendung. Ich bin auch eher konservativ. Eine Frage an euch beide:
    Findet Ihr, dass wir gar keine Beschränkung der aktuellen Zuwanderung brauchen? Und falls ja, wie soll diese Erfolgen? Und falls nein, wie soll die Gesellschaft das auf Dauer aushalten? Ich fand eure Überlegungen interessant, jedoch realpolitisch sehr unkonkret.

    Antworten
    1. holgi Artikelautor

      Ich finde es albern, ausgerechnet diesen Punkt ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt mit ausgerechnet diesen Lösungsvorschlägen diskutieren zu wollen. Die paar Nasen, die hier gerade ankommen, wären überhaupt kein Problem, wenn wir, statt uns für jeden Furz in die Hose zu machen, alle mit anpacken würden. Und wenn dann alle angepackt haben, können wir gerne über Begrenzung reden. Und zwar, indem wir aufhören, die Heimaten der Leute in Grund und Boden zu bomben oder dabei zu helfen oder davon zu profitieren. Aber ganz sicher nicht, indem wir Grenzen schließen- was auf Dauer sowieso nicht funktioniert.

      Die Gesellschaft hält das locker aus, wenn sie begreift, dass “deutsch” nicht “weiß, pseudochristlich und in dritter Generation hier geboren” bedeuten muss, denn dann wäre jeder, der hier ist, Teil der Gesellschaft und könnte an deren Gestaltung mitwirken.

    2. Greg

      Hallo Holgi,

      alsio zu diesem Beitrag gebe ich dir jetzt wieder uneingeschränkt recht. Hier wird auch, glaube ich zumindest, deutlicher, was du unter dem Begriff “staatlich” meinst. Wenn wir uns alle als Staat verstehen und mit anpacken würden, dann sollte es kein Problem sein, die Flüchtenden würdig aufzunehmen und korrekt zu begleiten. Das ist absolut korrekt.
      Das passiert auch schon zu einem großen Teil, aber leider schaffen es immer nur die Negativmeldungen, die Aufmerksamkeit zu bekommen, die sie bekommen.

      Hier überlagern und beeinflussen sich mehrere Prozesse gleichzeitig. Da ist es schon sehr schwierig die Henne vom Ei zu unterscheiden.

      Vielleicht wäre es eine Lösung, durch lautes Hinausposaunen von Positivmeldungen, die Scheißnachrichten zu übertönen. Damit ließen sich vielleicht Ängste abbauen.

    3. Mithrandir

      @Greg:
      Ich glaube nicht, dass positive Meldungen auf Teufel komm raus was bringen
      Es gibt ja nicht nur Positives. Es gibt auch nicht nur Negatives.
      Die meisten News zum Thema sind nix besonderes. Aber negative Meldungen machen Schlagzeilen. Positive sind nicht so interessant. Daran kann man sich nicht reiben.
      Und negative Meldungen zu unterdrücken oder zu versuchen sie zu übertönen mit künstlich gehypten positiven Meldungen verstärken das schon vorhandene Misstrauen.

    4. Greg

      @Mithrandir:
      Wahrscheinlich hast du recht…

      Was kann man denn nur tun? Immer nur die “besorgten Bürger” als idiotische Kinder hinzustellen, verstärkt den Trend. Denn ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.

      Das soll´s dann auch nicht sein.

      Im angemessenen Umfang die Sorgen wahrnehmen, als solche ernst nehmen und versuchen abzubauen.

      Aber wie?

    5. Mithrandir

      Ich hatte neulich eine Diskussion mit wirklich guten Freunden. Nett, nicht dumm, keine Akademiker, Arbeiterfamilie, aber wohlhabende Mittelschicht.
      Es ging um das Thema, dass eine Flüchtlingsfamilie im Ort von jemandem ein Kaffeeservice gespedet bekommen hat und man hat das dann angeblich ein paar Tage später in der Mülltonne gefunden. “Stellt euch das mal vor…” Und dann haben die sich tatsächlich erdreistet das Angebot eines kompletten Kinderzimmers auszuschlagen. “Geht’s noch”.
      Ich sagte “Müssen die alles nehmen, auch wenn es ihnen nicht gefällt? Wenn sie es wirklich nötig hätten, hätten sie es genommen”
      Gegenüber: “Na dann geht es denen doch besser als es immer gesagt wird… Die bekommen es doch von allen Seiten reingestopft. Die gehen jeden Tag zum Aldi einkaufen und die Einkaufswägen sind voll. Und Handys haben die”
      Das geht so fort und fort und dann kommen andere und erzählen weitere Storys, ob wahr oder unwahr weiß ich nicht. Da kommt dann auch die alte Story mit dem Lagerfeuer im Zimmer aus Möbeln, weil die ja nicht wissen was Zentralheizung ist.
      Keiner der Umstehenden kam pflichtete mir bei. Die tumbe Masse ,macht es sich so einfach.
      Und meine Freunde will man auch nicht vor den Kopf stoßen, nach dem Motto “Ihr kapiert das nicht…”

  13. Mithrandir

    Aber Holgi, du regst dich doch schon furchtbar auf, wenn neben dir in der U-Bahn einer Döner istt und danach riecht.
    Andere regen sich darüber auf, dass da Menschen in Unterhosen ins Schwimmbad kommen, Frauen anstarren.
    Die kommen hierher, bekommen eine Unterkunft und Geld und dürfen nicht mal arbeiten. Unsere Arbeitslosen bekommen Ärger, wenn sie nicht arbeiten wollen.
    Ich weiß natürlich, dass das alles nicht so einfach ist. Aber die meisten Menschen wollen und können sich wahrscheinlich gar nicht mit den komplexen Zusammenhängen auseinandersetzen.
    Zwei Stunden Podcast hören um seine Realität abzugleichen ist wirklich hilfreich. Wenn ich aber dem Großteil meiner Bekannten davon erzähle, halten die mich für bekloppt.
    Die Leute wollen einfache Wahrheiten. Die bekommen sie von der AFD, Bild und den meisten anderen Medien auch. Natürlich auch von Herrn Seehofer. „Wir schaffen das“ hört sich zwar einfach an, klingt aber auch nach Anstrengung.
    Ich denke einerseits haben wir wirklich ein logistisches Problem die Flüchtlinge so zu versorgen, dass es ihnen so gut geht, dass das Konfliktpotential bei ihnen unter einer kritischen Schwelle bleibt.
    Andererseits glaube ich, dass es ein nicht minder großes Problem ist die Bevölkerung, also uns (und ich schließe mich hier bewusst ein) intellektuell so weit zu bringen, dass verstanden wird, dass die Flüchtlinge unseren Wohlstand nicht kaputt machen.
    Vergleiche sind immer schwierig, aber stellen wir uns vor eine Welle läuft auf eine Menschenmasse zu. Experten haben berechnet, dass die Wucht der welle kein Problem ist. Man sagt den Leuten, dass es am besten ist, einfach stehen zu bleiben. Ja, es gibt ein paar blaue Flecken vielleicht einige gebrochene Arme und womöglich sogar einen Toten, aber trotzdem ist es die beste Art der Welle zu begegnen. Dann schreien zwei oder drei Honks „Wir werden alle sterben, lauft!!!“
    Man kann sich ausmalen was passiert.
    Und hinterher war dann das Wasser schuld oder die Experten.
    Ich selbst bin ratlos, was man tun könnte, tendiere auch dazu, die Menge an Menschen zu reglementieren, weiß aber auch nicht wie.

    Antworten
    1. Toby

      Beim Döner geht es nicht um dessen Herkunft oder die Herkunft des Essenden (der meist nicht türkisch ist), sondern um den Gestank, der genau so auch von einem Leberwurstbrot oder sonstwas kommen kann.

    2. Mithrandir

      Hallo Toby mir ist schon klar, dass es um den Gestank geht.
      Aber im Prinzip ist es doch beim Großteil der Bevölkerung ähnlich. Da sind plötzlich Menschen, die Dinge tun, die nicht in unser Bild passen und uns ere Toleranzgrenze überschreiten:
      Frauen mit kurzen röcken agaffen, Im schwimmbad mit Unterhose auftauchen, Picknick auf dem Grünstreifen neben der Straße, usw.
      Das sind Dinge, die ich zum Teil schon selbst erlebt habe. dazu kommen Storys von Einzelfällen, dei dann noch gehypt oder absichtlich oder unabsichtlich schlimmer wiedergegeben werden :
      Diebstahl im Supermarkt, sexuelle Belästigungen, höhere Zuwendungen als bei deutschen Bedürfftigen.
      Und zu guter Letzt kommen dann die Vernünftigen und sagen: “Das stimmt doch alles nicht, das ist gar nicht so schlimm wie es aussieht.”
      Für die Angesprochenen hört sich das aber oft an wie: “Das bildest du dir ein, stell dich nicht so an”.
      Und jetzt schließen wir den Kreis. Stell dir vor jemand würde zu Holgi sagen “Ach komm, Gestank, das ist der Duft des orients, sei mal nicht so ein Spießer. Du kannst doch nur den Typen nicht leiden, der den Döner isst”.
      Ja, ist alles überspitzt dargestellt, aber so machen es aktuell die Medien und ganz besonders die echten Nazis.
      Immer wenn von “besorgten” Bürgern in Anführungszeichen die Rede ist, kommen sich genau diese Leute verarscht vor. Die machen sich wirklich Sorgen, weil sie es teilweise nicht besser wissen. Aber keiner versucht ihnen die Sorgen zu nehemn oder vielleicht die Ursache der sorgen anzugehen.
      Wenn, wie geschehen, jemand den Flüchtlingen einen flyer in die Hand gibt, in dem steht, wie es in deutschland üblich ist, sich zu verhalten (Badehose im Schwimmbad, Frauen nicht dauernd auf den Hintern oder die Brüste schauen usw.) dann ist das auch gleich wieder ein intoleranter, unsensibler Arsch.
      Aber nur so erreichen wir vielleicht etwas, weil auch die “angepassten” Flüchtlingen ihren “Kollegen” dann sagen, um was es geht. Und wenn so eine Aktion nicht gleich niedergebrüllt wird, haben auch die besorgten Bürger das Gefühl, dass man sie ernst nimmt.

    3. Donngal

      Ich finde aber auch die Schlussfolgerung falsch: Wenn mich bei jemand was stört, dann überlege ich ob er rücksichtslos handelt oder ob ich überempfindlich bin. Komme ich zu dem Schluss, dass Rücksichtslosigkeit vorliegt denke ich mir “Arschloch, das müsste mal jemand verbieten oder ein vorhandenes Verbot durchsetzen”.

      Was ich nicht denke ist “Das macht der wegen seiner Herkunft/Religion/Weltanschauung, Leute wie der sollten hier nicht leben dürfen”. Das halte ich für einen gravierenden Unterschied. Wir müssen nicht jedes Verhalten dulden, bei niemandem. Daraus aber falsche Schlüsse ziehen halte ich weiterhin für unmenschlich und dumm.

  14. Martin

    Es gibt eine Menge Dinge die man gegen die aktuelle Situation tun könnte. Und das auch ohne die Menschen wie Kinder zu behandeln. Und Deutschland könnte auch ohne weiteres jedes Jahr 1 Million Flüchtlinge verkraften ohne Probleme verkraften. Und das alles spielt aus zwei Gründen keine Rolle:

    Dies alles wäre nur Symptombekämpfung. Warum? Weil wir als Deutschland und wir als “Der Westen” diese Flüchtlinge produzieren. Sowohl die Kriegs als auch die Wirtschaftsflüchtlinge.

    Unsere Unternehmen beuten Mensch und die Erde aus. Unsere Regierungen führt Kriege für unsere Unternehmen und schauen weg, wenn diese Ihre Gelder steuerfrei in Sicherheit bringen. Unsere Konsumenten kaufen die Produkte ohne Interesse an den Opfern dieser Billigprodukte. Und unsere Medien festigen diesen Status-Quo anstatt ihn zu hinterfragen.

    Und all dies wird weitergehen, bis die Lage so katastrophal ist, das selbst der westliche Mensch nicht mehr so weitermachen kann. Leider oder glücklicherweise werde ich dies wohl nicht mehr erleben,

    Meine einzige Hoffnung sind Menschen Ihr. Die “neuen Medien”. Vielleicht kann das Internet und die Möglichkeit jederzeit seinen eigenen Sender aufzumachen die nächste Generation soweit aufklären, das sich die Mentalität nach dem Tod der aktuell herrschenden Generation ändert.
    Allerdings ist dies eine ehr unbegründete Hoffnung.

    Antworten
    1. Mithrandir

      Wie sähe deine Lösung aus? Nichts mehr kaufen, das unter Bedingungen produziert wird, die schlechter sind als unsere?
      Nur noch in Deutschland produziertes kaufen?
      Alles Spenden, was man nicht braucht? An wen?

    2. Martin

      Das ist leider eine schwere Frage auf welche ich keine richtige Antwort habe. Das Problem beißt sich hier in den Schwanz und der Kreis muss unterbrochen werden.

      Fakt ist: Wir der Westen sind Schuld.
      Fakt ist: Diese Menschen kommen.
      Fakt ist: Die Kriminelle Schlepper Industrie wird mit jede unserer nationalistischen Aktionen wachsen.
      Fakt ist: Sie werden auch dann noch kommen, wenn wir Anfangen auf sie zu schießen. Die Mauern die wir bauen, werden Sie verlangsamen, viele von Ihnen töten, aber auch diese können Sie nicht aufhalten.

      Ich habe keine allumfassende Lösung für die Problem der Welt, aber sollte das für niemanden eine Begründung sein damit er keine suchen muss. Die richtige Lösung werden wir jedoch nur gemeinsam finden. Bis dahin gibt es jedoch genug Dinge die jeder von uns machen kann und helfen.

      Aber Nein. Spenden kann nur in Einzelfällen helfen und ist keine Lösung. Meine persönliche Abneigung richtet sich gegen Menschen welche Millionen-spenden machen, aber Milliarden hinterziehen und durch Ausbeutung erlangen.
      Spenden erzeugen zu dem ein Problem: Es gibt die Kontrolle über die Hilfen an die Menschen die das Geld haben. Nein. Spenden außerhalb von Einzelfällen ist keine Lösung.

      Ja. Verzicht ist ein Ansatz, aber nicht der einzige. Jedoch bezweifle ich, das es möglich ist genug Menschen dazu zu bewegen. “Abstimmung mit den Füßen” ist im Normalfall trotzdem der Protest der Einzelnen.

      Am einfachsten wäre es, wenn wir eine Regierung hätten, welche im Interesse der Bürger handelt. Da wir in einer Demokratie leben ist dies zuminst in der Theorie eine Möglichkeit. In der Praxis …

      Diese Regierung müsste den Verkauf von Waffen nicht-europäische Länder(oder zuminst an Bündnispartner) verbieten. Den Finanzhandel und damit die Spekulation mit Ressourcen besteuern. Außerdem müssen Steuerflüchtlinge wie Amazon, Apple, Google, und co. konsequent verfolgt werden.

      Durch die Mehreinnahmen dieser Aktionen kann die Regierung dann die soziale Absicherung im eigenen Land ausbauen und Geld in die Stabilisierung der Krisenländer stecken. Hierbei muss darauf geachtet werden, das dieses Geld nicht einfach nur wie bisher den Konzernen zu gute kommt, sondern das damit den Menschen vor Ort ein menschenwürdiges Leben ermöglicht wird.

      Außerdem muss des Lohndumping endgültig gestoppt werden mit welchem unsere Unternehmen unsere eigene Bevölkerung ausbeuten und die europäische Wirtschaft (wie in Griechenland) zerstört.
      Daten: https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61766/lohnentwicklung (die blaue linie)

      Wie man die Länder stabilisiert, welche durch Waffen und Krieg destabilisiert worden sind weiß ich leider nicht. Ja in Syrien und co. war es nie harmonisch. Aber erst das Eingreifen der westlichen Mächte, allem voran die Weltpolizei USA, haben dieses Chaos erst ausgelöst und Organisationen wie Al-Qaida und ISIS erschaffen.

      All dies ist jedoch Aufgabe der Regierung und nicht unsere. Unsere Aufgabe ist es bei Demokratie mitzuwirken. Mit den Meschen um uns herum zu reden. Herauszufinden wovor sie wirklich Angst haben.

      Ich bezweifle das all diese Menschen in Dresden wirklich Angst vor Überfremdung haben, Den ganzen Menschen wären die Flüchtlinge doch egal, wenn Sie ganz normal weiterleben leben könnten. Stattdessen haben die Menschen (zurecht) angst das wiedermal bei Ihnen gespart wird. Und das ist selbst in der Mittelschicht ein Problem, da die Mittelschicht sehr dünn ist.

    3. Emalaith

      Martin, ich gebe dir vollkommen Recht. Was du schreibst, deckt sich fast vollständig mit meiner Wahrnehmung der Situation in Deutschland.
      Das sind aber alles linke Positionen, die schon seit Jahren von der Linken im Bundestag gefordert werden. Diese Forderungen sind jedoch aus mir unerfindlichen Gründen in Deutschland nicht mehrheitsfähig, sonst würden mehr Menschen die Linken wählen. Wir (in Deutschland) wollen es also so haben, wie es jetzt ist, sonst würden wir nicht die Parteien wählen, die an der Macht sind. Ich kann nur hoffen, dass bei immer mehr Menschen in Deutschland ein Umdenken stattfindet.

      P.S. Bist du der Wrintheits-Fragensteller-Martin?

    4. Martin

      Nein, das bin ich nicht.

      Ich höre die Wrintheit zur Unterhaltung, aber finde es nicht sinnvoll dort eine Frage zu stellen. Das liegt zum einen an der langen Zeit, bis diese Beantwortet werden. Aber viel mehr daran dass das für mich mehr ein “Dr. Wrintheit Team” ist :-).

      Wenn ich mal eine philosophische Frage habe, werde ich sie bestimmt stellen.

    5. Martin

      Den Teil habe ich ganz vergessen:

      Es gibt sehr viele Gründe für die aktuelle Situation. Ohne die Gründe zu gewichten:

      – Der durchschnittliche Mensch ist ein Gewohnheitstier und wählt gerne das was er kennt
      – Der durchschnittliche Mensch mag Ordnung und Sicherheit, und hat Angst vor Veränderungen
      – Die SPD hat als linke Arbeiterpartei viele Wähler enttäuscht und damit Politikverdrossenheit/Parteienverdrossenheit erzeugt
      – Die Medien haben kein Interesse an einer linken Regierung und wann immer irgendwo eine gewählt wird, wird diese nieder geschrieben. (Siehe Thüringen: wurde behauptet, das ein Wessi die DDR wieder einführen möchte)
      – Die Linke hat einen schlechten Ruf auf Grund ihrer Vergangenheit. Wähler haben die Angst, das Sie die DDR oder ähnliches wieder einführen
      – Das Gerede der Linken über Steuererhöhungen und Organisationen wie der Bund der Steuerzahler erzeugen beim Bürger die Angst, das er diese Steuern bezahlen muss
      – Die Vorschläge der Linken wirken unrealistisch

    6. David

      Solange das Durchschnittsalter der Parteien bei ~60 Jahren ist, bzw. über 50% über 50 Jahre alt sind (da nehmen sich alle Parteien außer die Grünen nichts), kann ich leider nicht mit gutem Gewissen “Die Linke” wählen. Das braucht dann noch 15-20 Jahre…
      In den Nachwendejahren hat man einige Wendehälse mitbekommen, die gleich wieder “ihren Platz” gefunden haben, und sich nicht geändert haben. Solche Leute kann ich nicht für voll nehmen, sowas brauch ich nicht.

      Und ich bin auch eher der Meinung, daß es gut tun würde, daß manche Partei einfach mal komplett kaputt gehen sollte, und sich etwas von Grund auf neu bildet – ohne die Altlasten immer mitzuschleppen, weil keiner einen Affront will. Jaja, die Erfahrung der Alten *dashabenwirdochschonimmersogemacht* 70Jährigen…. Maximaldauer, 4 Legislaturperioden oder so etwas, für alle.
      Da wir keine Regierung haben, sondern nur eine schlechte Verwaltung, bin ich bereit, lieber auch mal völlig anderen Konzepten einen Raum zu bieten. Sozialismus hat so nicht funktioniert, Kapitalismus funktioniert SO auch nicht, also probieren wir doch mal was ganz anderes. Was haben wir zu verlieren? Wie gesagt, die Verwaltung funktioniert ja so halbwegs, also würde auch ein “belgisches Modell” mal funktionieren. Es geht ja nur um neue Gesetzgebung… die alten sind ja nicht weg.
      Wenn es nicht funktioniert hat (wer hat noch nie einen Fehler gemacht?), dann probieren wir nochmal… 😉

    7. Martin

      Ich hatte, wenn auch aus anderen Gründen, immer Bauchschmerzen mit “Die Linke”. Hauptsächlich weil ich einige Ansichten halt nicht teilen kann.
      Allerdings ist es derzeit das kleinste aller Übel, nachdem die SPD jetzt eine CDU light geworden ist und ich werde diese Partei mit meiner Stimme dabei untersützten.

      Ich finde auch das unser Wahl und Parteiensystem überarbeitet gehört. Aber warum sollten die Menschen, die das System bevorzugt, dieses ändern?

  15. Clemens

    Gibt es in München eigentlich noch die echten »Dr. Martens«, quasi die »Doktor Klaus Märtens«, deren Luftsohle ja eine bayerische Erfindung ist. Gab es mal in einem kleinen Schuhladen beim Viktualienmarkt.

    Antworten
  16. Tim

    Lieber Tobi, lieber Holgi,

    interessante Folge. Gerade eure Einordnung von aktuellen Politvorkommnissen höre ich gerne, weil sie nicht den Anspruch haben die Wahrheit ™ zu verkünden, sondern eure subjektiven Reflektionen darstellen, was ich in solchen Gesprächen immer hoch schätze.
    Abgesehen davon ist mir unangenehm aufgefallen, dass ihr euch häufig nicht ausreden lasst, was besonders spannend ist, da ihr über hysterische Medien redet und selbst aber den Eindruck der Atemlosigkeit macht, wenn ihr euch ins Wort fallt.
    Gerade du Tobi könntest, finde ich, ein wenig darauf achten Holgi aussprechen zu lassen. Möglicherweise lag das an der emotionalen Aufgeladenheit des Themas, trotzdem stört es in meinen Augen das an sich spannende Gespräch.
    Deshalb: Lasst euch bitte ausreden. 🙂

    Viele Grüße,
    Tim

    Antworten
    1. Greg

      Zitat:
      Gerade du Tobi könntest, finde ich, ein wenig darauf achten Holgi aussprechen zu lassen. Möglicherweise lag das an der emotionalen Aufgeladenheit des Themas, trotzdem stört es in meinen Augen das an sich spannende Gespräch.
      Zitat.

      Stört das nicht eher in den Ohren?

      Entschuldigung.

      Schöne Woche noch.

  17. Jan

    Barfuss laufen:
    Man kann auch mit einem Metronom laufen auf 180 bpm.
    Da läuft man automatisch auf dem Vorderfuss mit regulären Schuhen.

    Antworten
  18. Marcus Vitel

    Lieber Tobi und lieber Holgi,

    danke für diese sehr gute Folge. Ich möchte kurz meine Perspektive zu Holgis Prognose bezüglich der offenen Grenzen und dem Druck der Wirtschaft hinsichtlich der logistischen Abläufe schildern. Das Argument, dass Die Wirtschaft ™ sich wegen JiT-optimierter Prozesse nicht auf geschlossene Grenzen einlassen und der Konsument sich dann über höhere Preise beschweren wird, ist sicher valide. Dennoch ist ein solches Szenario nicht unmöglich und auch logistisch relativ einfach machbar, was auch schon in der Sendung angesprochen wurde. Ich kann aus eigener beruflicher Erfahrung berichten, dass dies im nordamerikanischen Handel täglich praktiziert wird. Die USA haben mit eine stark abgeriegelte Grenze und mit Kanada und Mexiko ein Freihandelsabkommen. In den Firmen in denen ich gearbeitet habe, werden die Kontrollen und Verzögerungen einkalkuliert und stellen im täglichen Wirtschaftsverkehr allenfalls eine kleine Unannehmlichkeit da. Niemand bei GM in Detroit hat ein Problem damit Teile bei mir in Kanada zu bestellen, wenn der Preis stimmt.

    Liebe Grüsse aus dem Echten Norden

    Marcus

    Antworten
  19. Alex

    Hallo Toby und Holgie,

    grüße aus Sachsen! Ich hatte neulich ein Erlebnis, wo ein Arzt sich sein Herz bei mir ausgeschüttet hat (sehr seltsame Situation). Seine Sorgen kurz gefasst (Gebiet ist ein Brennpunkt):
    – Patienten kommen nicht mehr im Dunkeln
    – Reinigungskräfte vom Gebäudekomplex wurden vergewaltigt
    – Polizei hilflos, unterbesetzt, hat selbst Angst, hoher Krankenstand

    Man merkte die Verzweiflung an. Jetzt mal in die Position dieser Person hinein versetzt: Wie fühlt man sich, wenn man hört „Es gibt kein Flüchtlingskrise“?

    (Ich hab den Kommentar vorhin aus versehen unter der falschen Folge gepostet)

    Grüße

    Antworten
    1. holgi Artikelautor

      Das mit den Vergewaltigungen halte ich für eins der üblichen Gerüchte – da hätte ich als erstes mal gefragt, woher er diese Information hat. Wenn jemand schiss hat, im Dunkeln rauszugehen, ist das vor allem das Problem desjenigen und dass wir unsere Polizeien kaputtgespart haben, ist ja nun kein Geheimnis. Warum das aber alles irgendwie Schuld der Flüchtlinge sein soll, erschließt sich mir nicht.

    2. Mithrandir

      Hallo Holgi,
      bei den Vergewaltigungsvorwürfen gebe ich dir Recht. Aber man muss das öffentlich diskutieren. Sprich die Menschen, die das behaupten öffentlich um diese Info bitten und wenn möglich Gegenbeispiele bringen.
      Den Leuten zu sagen “Ihr übertreibt” ist Öl ins Feuer gegossen, da sie sich nicht ernst genommen fühlen.
      Wenn an jeder Ecke in den Medien von “Vorfällen” mit ausländisch aussehenden Menschen die Rede ist, ist es kein Wunder, dass die Leute überall Gespenster sehen.
      Dass diese Vorfälle auch früher schon da waren, auch von deutsch aussehenden (was immer das bedeutet) verursacht werden, wird nicht sichtbar, weil plötzlich der Spot auf alles gerichtet wird, was ins Schema passt. Wenn du anfängst dich für ein bestimmtes Auto zu interessieren, ist plötzlich die Welt voll davon.
      So, jetzt bekommt die breite Masse, die keine Lust, keine Zeit und vielleicht auch die fehlende Bildung hat zu reflektieren immer nur liest “Kriminalfälle, Dunkelhäutige, Vergewaltigung, Diebstahl, Banden usw.), dann fangen die an sich Sorgen zu machen und haben Schiss auf die Straße zu gehen. Ich glaube nicht, dass das besser wäre, wenn mehr Polizei da wäre.
      Nur ein Beispiel zum Thema reflektieren:
      Ein Verwandter hat neulich bei einer Geburtstagsfeier erzählt, die Asylanten bekämen Unmengen Geld. er hätte einen Bescheid gesehen, in dem einer 7 köpfigen Familie DREITAUSENDFÜNFHUNDERT Euro im Monat zugestanden wird. Unglaublich das.
      Ich bat ihn mir den Bescheid zu schicken. Für mich hörte sich das an, als wäre das ganze in seiner nächsten Umgebung passiert.
      tatsächlich bekam ich den Bescheid und es stimmte. Ich forschte nach und fand nirgends einen Hinweis, wie so eine Summe zustande kommt. Ich kam immer nur auf knapp die Hälfte.
      Der Bescheid war aber nicht komplett eingescannt, da fehlten teile, obwohl Klarnamen zu sehen waren, was ich schon mal sehr gefährlich fand.
      Ich bat meinen Verwandten mir den kompletten Bescheid zu schicken und die Klarnamen zu schwärzen.
      In der Zwischenzeit suchte ich weiter und fand den Bescheid hier:
      http://www.mimikama.at/allgemein/update-zum-ludwigshafener-bescheid-leistungen-nach-dem-asylbewerberleistungsgesetz/
      Und so läuft das. ein Gerücht wird in die Welt gesetzt und weitererzählt. Der eine sagt zum anderen “Ja davon habe ich auch schon gehört..” Nur wenige merken, dass da immer das gleiche Beispiel wiederholt wird.
      Ich habe die Info meinem Verwandten zugeschickt. Ich glaube nicht, dass er allen erzählt hat “Leute hört auf so einen Mist zu erzählen” Wer weiß, ob er nicht selbst glaubt dass hier wieder “Lügenpresse” am Werk ist.
      zum Thema reflektieren: Die Leute machen sich nicht einmal ansatzweise Gedanken, dass da ein Bescheid mit kompletten Klarnamen gepostet wird, was unter Datenschutzgründen schon extrem grenzwertig ist
      Ich weiß nicht, ob wir die Masse der Menschen mit rationalen Argumenten abholen können, die werden komplett mit Halbwahrheiten und Sensationsmeldungen bombardiert. Das ist so einach sich da ein Bild zu machen ohne nachzuhaken. Und dann kommt einer und will dieses Bild kaputt machen in dem er dich bittet dich zu bemühen und nachzudenken. Das klappt nicht.
      Das Thema ist einfach nicht so einfach wie oft getan wird. Auf beiden Seiten.

    3. holgi Artikelautor

      Darum sag ich ja: Kommunikationsstrategien entwickeln, als würde man es Kindern erklären müssen 🙂

    4. Mithrandir

      Kinder dürfen nicht wählen. Erwachsene die wie Kinder behandelt werden oder sich wie Kinder behandelt fühlen, wählen die, die Ihnen sagen, dass sie sich nicht gefallen lassen müssen wie Kinder behandelt zu werden.

  20. Mario

    Hallo,

    ich bin – wie auch der Martin – der Meinung, das die Auswüchse unseres Wirtschaftssystems zum wesentlichen Teil schuld an der aktuellen Situation sind. Das ist ein Kapitalismus, der langsam immer extremere Formen annimmt.

    Hätten wir weniger im Sinne von “nur die Dinge, die wir wirklich benötigen” und würden wir mehr mit Verstand handeln, wären wir zufriedener und würden uns wahrscheinlich gelassener begegnen.

    Wie kann man nun etwas an der aktuellen Situatio ändern?
    Meine Meinung:
    Erstmal die Ursache wahrhaben wollen.
    Dann Politik und Wirtschaft trennen.
    Die extremen Auswüchse der Wirtschaft eindämmen.
    Und dann müssen wir uns alle ändern.
    Und weil die Menschen Gewohnheitstiere sind und sich nichts ändern wird, muss hier der Staat reglementieren. Auch wenn ich Zwang ablehne. Zumal solche Änderungen nur funktionieren, wenn sie aus einer inneren Einstellung der Menschen kommen.
    Aber das kann man mit Aufklärung/”Werbung”/Kampangen erreichen.
    Die Änderungen/Reglementierungen fangen beim Umweltschutz (das wird die nächste Krise sein!) an.
    Wenn nicht gar die Gesundheit der Gesellschaft das nächste große Problem wird.

    Motorisierten Verkehr einschränken.
    Mehr auf muskelkraftbasierende Fortbewegung setzen.
    Damit wird auch die Gesunderhaltung der Gesellschaft gefördert.
    Zudem hat Bewegung auch positive Auswirkungen auf die Hirnleistung und auf das allgemeine Wohlbefinden (gute Laune lässt den Menschen auch viele Dinge entspannter sehen).
    Einfuhr von Waren aus Billiglohnproduktion verbieten.
    Massentierhaltung verbieten.
    Energiebedarf/Rohstoffbedarf stark reduzieren.
    Und vieles anderes.

    Ziel muss meiner Meinung nach sein, dass man den ständigen Druck (Zeitdruck, Konkurrenzdruck) senkt.
    Wahrscheinlich kommt man nicht daran vorbei, die Höhe der Entlohnung nicht mehr als Wertschätzung für die Arbeit zu sehen.
    Denn wenn man die Wirtschaft einschränkt, werden erst einmal viele Menschen arbeitslos sein. Und trotzdem haben alle Menschen in etwa die selben Grundbedürfnisse. (strategisches Langziel: alle Menschen müssen Arbeit haben, alle Menschen müssen ihre Grundbedürfnisse erfülen können)
    Denken wir als Beispiel doch nur an die Fahrzeugindustrie.
    Oder an all das, was nur zum Zeitvertreib Daten mit immenser Geschwindigkeit quer über den Globus überträgt und ausgedacht, produzeirt und gewartet – und natürlich entsorgt- werden will…
    (Wollen wir das wirklich? Brauchen wir das wirklich?)
    Vermutlich geht es den Menschen aber besser, wenn sie nur halbtags arbeiten müssen.
    Sie haben sich für die Gesellschaft nützlich gemacht und haben dann immernoch Freizeit.
    Zumal das Leben langsamer gehen wird, weil die Fortbewegung mehr Zeit beanspruchen wird.

    Ich habe zudem den Eindruck, dass der Mensch – so er ein Teil einer Gesellschaft ist – arbeiten gehen muss. Nur deswegen, damit er gezwungen ist, sich eine gewisse Zeit am Tag mit realen Problemen zu befassen. Macht er das nicht, verliert er den Bezug zur Realität.
    Noch eine These: Ist für einen kritischen Teil der Menschen einer Gesellschaft keine Arbeitsmöglichkeit vorhanden, ist entweder etwas am Wirtschaftssysdem falsch organisiert oder es besteht eine Überbevölkerung.
    Wobei ich mit Gesellschaft einen sprachlich und kulturell begrenzten Raum meine, in dem ein Mensch “mal eben” den Wohnort wechsen kann. Das wird in der Realität innerhalb der Grenzen eines Landes sein.

    Anmerkung zum Schluss:
    Das alles betrifft nicht nur Deutschland oder die EU, das betrifft alle Industrienationen.
    Zudem ist das alles nur angerissene Gedenken – und damit unvollständig.
    Und zuletzt ist das wohl alles utopisch. Und gar nicht gewollt.

    Nun denn, gute Nacht.

    Antworten
  21. Kilian

    Um hier auch mal die Themen der ersten 20 Minuten des Podcasts zu würdigen: Tempomatsysteme die die erlaubte Geschwindigkeit einhalten gibt es. Allerdings erst in den teueren Wagenklassen wie die E-Klasse. Da funktioniert die Erkennung der Höchstgeschwindigkeit auf der konkreten Straße allerdings mit Kameras und nicht mit dem Navi, bzw. einer Mischung aus mehreren Systemen.

    Ah und das Getriebe im neuen Smart kommt nicht von Renault sondern von Getrag. Der Renault Twingo und der Smart fourfour sind allerdings in der neusten Generation baugleich, sprich die kleben am Ende entweder ein Smart Aufkleber oder Twingo Aufkleber auf das Auto.

    Antworten
  22. sebastian

    Die Betrachtung der aktuellen Situation als Nazikriese fand ich genial danke dafür! Allein das gibt dem ganzen einen anderen Spin. Danke Toby!

    Antworten
  23. Christian

    Was mich an der Flüchtlingssituation viel mehr nervt ist:

    1.) Gesamtsituation
    Vor Begin der Flüchtlingswelle war kaum Geld da um:
    – neue Kindergarten/-hort Plätze zu schaffen (Infrastruktur + Personal)
    – neuer Lehrer einzustellen um kleinere Lerngruppen in Schulen zu ermöglichen
    – generell Schulen besser auszustatten
    – bezahlbarer Wohnraum in Großstätten
    – Modelle um Alleinerziehenden Familien zu unterstützen

    Plötzlich zwei Jahre in der “Krise” hat man Millarden für
    – Flüchtlingsunterkünfte
    – Sprechkurse
    – Ausbildung von Flüchlingen
    – Psychologische Betreuung
    und das _angeblich_ ohne das wir Einschränkungen erleben.

    2.) Persöhnliche Probleme
    Klare Botschaften der Politik wie man das Thema angehen möchte. Ein “wir schaffen das” ist da zu wenig.
    Weiterhin verstehe ich nicht warum Flüchtlinge und Einwanderungswillige immer vermengt werden.

    – Flüchtlinge sind Menschen die Schutz suchen/brauchen und hier solange sind wie diese Tatsache anhält.

    – Einwanderungswillige sind sowas wie du Max (nur umgekehrt)
    Bei der zweiten Gruppe kann und darf die Bundes Republikanische Gesellschaft ansprüche an die Personen stellen (Einwanderungsgesetz?/GreenCard Modelle usw.)

    Antworten
    1. Jan

      Doof nur, dass 1) über Jahrzehnte ohne Flüchtlings Wellen eingespart wurde. Natürlich war das Geld immer da, um die Banken zu retten hat es ja auch gereicht.

    2. holgi Artikelautor

      Das Geld war immer schon da, es hat nur niemanden interessiert, dass beispielsweise unsere Schulen marode und an einigen Orten die Mieten zu hoch sind, denn sonst hätten wir entsprechende Wahlergebnisse gesehen. Und jeder, der da jetzt versucht, aufzurechnen, sagt implizit auch bloß, dass “die alles in den Hintern geschoben bekommen” und tut so, als wären die alten Probleme ohne Flüchtlinge längst gelöst. Ich finde das genauso unredlich, wie das Geschwafel von den armen Obdachlosen, die auch keine alte Sau gekümmert haben – bis man sie als Scheinargument gegen Flüchtlinge benutzen konnte.

      Was soll man denn mit den Menschen machen, die jetzt neu in die Bundesrepublik kommen? In Lager pferchen und da verrecken lassen, damit sie möglichst wenig Geld kosten?

    3. Jan

      Banken haben irgendwie nie gebrannt. Denn wer sowas macht bekommt von den Bullen die Zähne ausgeschlagen, das tut weh. Das trauen sich nur die Linken. Die Rechten schlagen lieber nach unten auf Schwächere. Da gibt es keine Konsequenzen weil es das Establishment nicht gefährdet.

    4. Christian

      ” … „die alles in den Hintern geschoben bekommen“ und tut so, als wären die alten Probleme ohne Flüchtlinge längst gelöst …”
      Nöö aber helfen tut es auch nicht.

      ” … Was soll man denn mit den Menschen machen, die jetzt neu in die Bundesrepublik kommen? In Lager pferchen und da verrecken lassen, damit sie möglichst wenig Geld kosten? … ”

      Genau das ist die Frage, die viele Menschen vernünftig beantwortet haben möchten. Das ganze sollte aber auch in einem ordentlichen geselschaftlichen Diskurs stattfinden und nicht wie jetzt durch “Wir schaffen das” oder “Integration ums biegen und brechen”. Die Politik muss klar aufzeigen was die Aufnahme der Flüchtlinge bedeutet und auch kostet.

      Ist “Besitzstandswahrer” das ‘linke’ Wort für “Gutmensch”?

      P.S. Flüchtlinge sind Menschen die Schutz suchen, keine Menschen die sich aussuchen können wo sie den bekommen. Schutz bedeutet eben nicht gleich ein besseres wirtschaftliches Leben. Klingt hart ist auch so gemeint.

    5. T.Jay

      Christian schrieb: “P.S. Flüchtlinge sind Menschen die Schutz suchen, keine Menschen die sich aussuchen können wo sie den bekommen. Schutz bedeutet eben nicht gleich ein besseres wirtschaftliches Leben. Klingt hart ist auch so gemeint”

      Und welche Konsequenzen hat es, wenn man es nur bei “Schutz” belässt?
      Ich denke das es für alle, sowohl für die Einheimischen, als auch für die Flüchtlingen sinnvoller ist, auch Perspektiven für ein wirtschaftlich besseres Leben zu eröffnen.
      Gerade von den syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen ist nicht auszugehen, dass sie demnächst wieder in ihre Heimat zurück kehren können. Gegenwärtig wird Assad, insbesondere durch die Intervention von Russland in den Brügerkrieg, in seiner Position als Diktator gefestigt.
      Es wird sicher kein Syrer in ein friedliches Syrien zurück kehren wollen, wo der Herrscher weiterhin Assad heist, wie er es schon Anno 2011 war als der Krieg begann.
      Also werden wir um die Integration kaum herum kommen, die natürlich Geld bedarf.
      Wird keine Integration angestrebt, züchten wir uns gerade die Parallelgesellschaften heran, die wir nicht haben wollen und in der radikal-islamisches Gedankengut leichter Fuß fassen wird.
      (Man könnte ein solches Szenario eigentlich schon als eine “Selbsterfüllende Prophezeiung” von Pegida betrachten)

    6. Christian

      Wir reden ja gerade nicht nur von syrische Bürgerkriegsflüchtlingen, sondern auch von vielen aus anderen Ländern die sich nur wirtschaftlich verbessern wollen. Und gerade bei dieser Gruppe darf sich eine Gesellschaft Kriterien überlegen zu denen diese Menschen integriert werden.

      Wen Frieden in Syrien herrscht ist der Fluchtgrund nicht mehr existent. Ob da Assad oder sonstwer an der Macht ist interessiert mich nicht, da sollen die Syrer vielleicht auch mal ihre politischen Probleme vor Ort lösen. Hilfe kann man ja anbieten, aber machen müssen sie es schon selber. Wenn die Syrer dann nicht zurückkehren habe ich damit ein Problem, da man sonst jeden aufnehmen müsste der mit der Politik in seinem Land unzufrieden ist.

    7. Mithrandir

      @TJay
      Ich gebe dir bei allem Recht, die Frage ist, ob wir Integration für diese Menge an Menschen schaffen.
      Das ist nicht nur ein Problem in den Köpfen, sondern auch logistisch ein Problem.
      Man muss genügend Leute finden, die Wohnraum schaffen, die Flüchtlinge organisatorisch verwalten (Registrierung, Verteilung usw.) und nicht zuletzt Menschen, die diese Integration praktizieren (Lehrer, Sozialarbeiter usw.).
      Und ich glaube, dass es nicht genug Menschen gibt, die das auch können.

    8. Martin

      @Mithrandir
      Die Meisten der von dir genannten Probleme sind eine Frage des Geldes. Mehr nicht.

      Lediglich Lehrer sind schwieriger. Gut, jetzt spricht man schon seid Jahren von einem Lehrermangel, aber soweit ich wusste betraf der bisher die MINT Fächer, während es zu viele Deutschlehrer gab.
      Bsp. TAZ 2009: http://www.taz.de/!5159474/

      Solange Banken wichtiger als Menschen sind und solange die Mehrheit der Öffentlichkeit “Wir schaffen das nicht.” als Thema hat werden wir es natürlich nicht schaffen.

  24. Robert

    Zum Thema: Führerscheinneulinge/PS-Starke Autos

    Ich frage mich schon seit Jahren warum es den Stufenführerschein nicht auch für Kfz gibt.
    Es werden heutzutage Fahrzeuge verkauft die klein und ungefährlich aussehen aber 280 PS haben, das KANN man als Fahranfänger nicht beherrschen!
    Als ich 1986 meinen Führerschein bekam waren Fahrzeuge mit 100PS schon ein feuchter Traum den sich jemand mit 18 eh nicht leisten konnte. Heute geht das durch Privatleasing usw. und irgendwie sind die Leute auch bereit 40% und mehr ihres Einkommes für ein Auto auszugeben.

    Warum also kein Stufenführerschein eingeführt wird, ich kann mir das nur durch die Einflussnahme der Automobillobby erklären 🙁

    Andererseits muss man auch ganz klar sagen, dass es auch als erfahrener Autofahrer schwer ist ein Fahrzeug mit vielen PS sicher zu beherrschen, wobei es gar nicht um die fahrerischen Fertigkeiten im Umgang mit dem Fahrzeug geht. Mir wurde neulich ein Audi S8 plus zur Verfügung gestellt, dieses Fahrzeug hat 605 PS und läuft über 300km/h. Ich bin schon einige schnelle Autos in meinem Leben gefahren, aber DAS ist echt abartig, Meine Frau fährt einen Audi SQ5 mit 326 PS, aber der ist ja harmlos gegen den S8! Das Ding hängt so unfassbar am Gas, beim kleinsten Stupser aufs Pedal will dieses Auto nicht fahren sondern rasen! Wie gesagt, ich mag schon schnelle Autos, aber ich frage mich echt WER sowas braucht?! Und es ist auch alles andere als entspanntes Fahren, denn irgendwie möchte man ja schon immer das Fahrzeug ausreizen, was natürlich nicht geht und außerdem für sich und andere scheissgefährlich ist! Ich meine was soll man mit 600 PS denn anfangen? Der Q5 von meiner Frau ist motorisch auch gut ausgestattet und das macht auch Sinn, gerade da wo wir leben. Aber 600 PS? In der heutigen Zeit? Schon seltsam….

    Aber scheinbar möchte der Mensch sich gerne sehr schnell fortbewegen, ansonsten würde man den Tesla ja auch nicht mit 700PS ausstatten, was ja im Hinblick auf die Energieeffizienz und die Philosophie dahinter völliger Schwachsinn ist. Wenn man da nämlich dreimal nen Kickdown macht reduziert sich die Reichweite gleich mal um die Hälfte…

    Antworten
    1. Anne

      Fast jeder Autofahrer zwischen 20 und 60, mit dem ich je darüber gesprochen hätte, ist felsenfest der Ansicht, er hätte alles im Griff und die anderen würden alle scheiße fahren. Rücksichtnahme oder eine gesunde Selbstkritik ist da irgendwie nicht vorgesehen.

      Schön auch immer die Diskussion über eine Führerscheinprüfung für Rentner. Ich werfe dann immer ein, dass ich generell finde, jeder müsste so alle fünf oder zehn Jahre mal eine Prüfung ablegen, aber das will dann irgendwie wieder keiner. Und wenn man dann anmerkt, dass die Leute, die auf der Autobahn drängeln und lichthupen und generell unverantwortlich fahren, höre ich wirklich so gut wie immer, dass Mittelspurschleicher ja mindestens genauso eine Verkehrsgefährdung wären.

      Es wird immer so lange gemeckert und irgendwelche Maßnahmen gefordert wie es einen nicht selber betrifft.

    2. Anne

      Es muss natürlich heißen:

      Und wenn man dann anmerkt, dass die Leute, die auf der Autobahn drängeln und lichthupen und generell unverantwortlich fahren, eigentlich nie Rentner sind, sondern meistens Männer in fast jedem Alter, höre ich wirklich so gut wie immer, dass Mittelspurschleicher ja mindestens genauso eine Verkehrsgefährdung wären.

  25. Martin

    “Nöö aber helfen tut es auch nicht.”
    Deine Existenz hilft auch nicht dabei meine Probleme zu lösen :-p. Und es tut den Flüchtlingen sicher leid, das ihre Problem anderen nicht helfen.

    Die Flüchtlinge haben nichts mit den alten Problem zu tun und haben keinerlei Auswirkung auf diese. So funktioniert die Politik einfach nicht. Niemand geht hin und verteilt Überschüsse an die Benachteiligten nur weil es Überschüsse gibt.

    Ich wünschte mir manchmal auch, das “Wir schaffen das” mehr als ein Werbeslogan ist. Aber das Ändert nichts daran, das wir es schaffen können. Das heißt wenn wir wollen. Es gibt genug Wege das zu schaffen und die muss man Diskutieren.

    Und was ist bitte die alternative zu “Integration ums biegen und brechen”? Solange wir nicht schießen werden die Leute herkommen. Gut es werden vielleicht etwas weniger sein, weil andere Strecken vielleicht mehr Todesopfer fordern.

    Flüchtlinge sind Menschen die vor unseren Waffen und Konzernen fliehen. Die Menschen flüchten doch nicht nach Europa weil es hier so toll ist. Die Menschen flüchten weil wir direkt oder indirekt ihr Leben bedrohen.
    Wo die Menschen sicher leben können ist denen doch auch egal. Am liebsten leben die meisten Menschen zuhause. Aber leben bedeutet nicht, das sie in Trümmern oder in Lagern in Syrien, in der Türkei oder in Griechenland zusammengepfercht werden. Leben heißt ein Leben mit Arbeit, Ernährung, Freunden und Familie aufbauen.

    Antworten
    1. Mario

      “Leben heißt ein Leben mit Arbeit, Ernährung, Freunden und Familie aufbauen.”

      Lebensmittel haben wir prinzipiell genug – so viel, das sie entsorgt werden.
      Freunde und Familie finden sich mit der Zeit.
      Bei der Arbeit sehe ich das Problem.
      Wir haben ja schon lange Arbeitslose – und das nicht nur, weil die betreffenden Menschen nicht in der Lage sind, zu arbeiten.
      Allerdings werden Menschen “auf dumme Gedanken” kommen, wenn sie keine Arbeit haben.

      Sehe ich da etwas falsch?

    2. Christian

      ” … Flüchtlinge sind Menschen die vor unseren Waffen und Konzernen fliehen. Die Menschen flüchten doch nicht nach Europa weil es hier so toll ist. Die Menschen flüchten weil wir direkt oder indirekt ihr Leben bedrohen. …”

      Der erste Teil ist mir zu abstrakt, Menschen töten Menschen, nicht Konzerne oder Waffen. Ich bedrohe auch nicht indirekt ihr Leben. Ich empfinde dies als unanständige Anschuldigung.
      Wenn sie es hier in Europa/Deutschland nicht so toll finden, warum schreien sie an den Grenzen nach Angela Merkel. Ich glaube die haben ihre Botschaft damals falsch verstanden und glauben sie wären hier wilkommen.

  26. Heine

    Zum Thema “preaching to the choir”: Das mag schon stimmen, dass die meisten WRINT-Hörer eh eine relativ vernünftige Sicht auf die Dinge haben. Aber mit geht es da wie Toby den ja anscheinend auch grade ein bisschen dieses “Es wird alles ganz schlimm und unsere Enkel werden uns Fragen was wir dagegen getan haben” überkommt. Mir tut da Holgis “Stimme der Vernunft” doch mal ganz gut um einfach ein bisschen von der Hysterie runter zu kommen die einem ja zZt. permanent um die Ohren gehauen wird.

    Antworten
  27. Britta

    Puh, ich habe die Folge gerade erst gehört und ihr macht mich ziemlich wütend..
    erst feiert ihr euren ausschweifenden Konsum, wobei ihr mir sehr an folgende Männer erinnert:

    https://www.youtube.com/watch?v=EmirohM3hac

    dann feiert ihr den Kapitalismus und macht Menschen die unter diesem leiden runter (aufgrund ihres “niedrigen emotionalen IQs”???), anstatt eine Verbindung zwischen eurem Konsum und Werben für Konsum und der Notwendigkeit, dass Menschen migrieren müssen, herzustellen. Als Anregung dafür vielleicht auch dieses Video noch einmal:

    https://www.youtube.com/watch?v=9GorqroigqM

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