WR192 Anruf beim Kommissar

wrint_holgerruftan_200Ich habe mir schon lange gewünscht, mal ausschweifend mit einem Polizisten über sein Leben als Polizist zu plaudern – und das auch veröffentlichen zu können (ist ja nicht so, dass ich nicht mit Polizisten rede). Als ich schon nicht mehr damit gerechnet hatte, überhaupt mal einen zu finden, der reden kann und öffentlich reden will, meldet sich Kriminaloberkommissar Andi, ein Drogenfahnder aus Fürstenfeldbruck.

Wir haben lange probiert, etwas anderes als das Telefon zu benutzen, mussten am Ende dann aber doch dessen mindere Klangqualität in Kauf nehmen (was glücklicherweise auch die einzigen Probleme sind, die ich derzeit mit der Polizei habe). Ich bitte um Entschuldigung.

Bitte beachtet, dass Andi nicht für die Polizei spricht, sondern über sich als Polizist und allenfalls seine Wahrnehmung der Polizei. Entsprechende Grundsatzdiskussionen in den Kommentaren sind im Zweifelsfall also entsprechend sinnlos.

88 Gedanken zu „WR192 Anruf beim Kommissar

  1. Reba

    Hochinteressanter Podcast und super sympathischer Gesprächspartner. Der Einblick in die alltägliche Polizeiarbeit ist spannender als jeder Krimi und bestätigt mal wieder, dass Respekt gegenüber unseren Freunden und Helfern mehr als angebracht ist. Vielen Dank und Gruß von M nach FFB (und natürlich auch nach B)!

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  2. Demi

    Das war sehr aufschlussreich, wie holgi ja gerne sagt.
    Wirklich sehr interessant mal zu hören wie der Alltag von Polizisten eigentlich so ist und auch die ganzen Hintergründe zu hören. Schade eigentlich dass ihnen heutzutage immer weniger Respekt zugebracht wird, wo sie doch wirklich jeden Tag ihren Kopf für uns Bürger hinhalten.
    Du hattest doch an einer stelle gefragt, ob es authentische Literatur über den polizistenalltag gäbe. Ich habe da letztens eine Seite gefunden, auf der Polizisten unter anderem Kurzgeschichten aus dem Alltag veröffentlicht haben. Beim lesen von manchen Geschichten ist mir echt ganz anders geworden und mir ist mal wieder klar geworden, was diese Menschen doch für uns leisten. :
    http://www.polizei-poeten.de/

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  3. Jochen

    Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Mich würde nur noch interessieren: Wie genau merkt man dass man observiert wird 🙂

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  4. Till

    Danke für diese Perle von Podcast. Mich interessiert halt nicht mehr jedes deiner Formate Holgi. Interessant fand ich in der jüngeren Vergangenheit Gregor Gysi (WR171), Prostitution (WR172), Simons Brennerei (WR180), Anruf beim Optiker (WR189) und jetzt Anruf beim Kommissar (WR192).

    Müsste ich für 2013 eine Podcasthitparade erstellen, wäre Anruf beim Kommissar momentan mit Abstand auf Platz 1. Danke dir und danke Kriminaloberkommissar Andi!

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  5. Julian

    Eine der besten Wrint-Folgen überhaupt. Wobei, das ist schwer zu sagen, weil es mittlerweile wirklich dutzende tolle Interviews gab.
    Aber für jemanden wie mich, der – abgesehen von ein paar Verkehrskontrollen und ähnlichem – nie mit der Polizei in Kontakt kam, war das sehr aufschlussreich. Ich habe wirklich großen Respekt vor dem Beruf und danke jedem, der ihn ausführt. Stets bin ich auf äußerst nette und zuvorkommende Beamte getroffen.
    Daher versuche ich auch immer, fast schon unverschämt freundlich zu Polizisten zu sein, weil ich mir denke, dass die schon genug mit patzigen, uneinsichtigen Deppen verkehren.

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  6. Immanuel

    Zu dem Thema Softair- bzw. Druckluftpistolen. Diese Dinger sind nicht zu unterschätzen. Es gibt ab und zu sogar tötliche Vorfälle. (vor allem beim Suizid kommt es häufiger vor als man denkt.)

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  7. Paul

    Vielen Dank für diese super interessante und sympathische Folge WRint! Auch einen lieben Gruß vom Ammersee an den netten Polizeibeamten in FFB!

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  8. Helena

    Schönes Gespräch, sehr netter Polizist!

    @Andi: Ich schätze, wir haben gemeinsame Bekannte in München 😉

    Ein wichtiger Hinweis hat mir in dem Gespräch zum Thema Vernehmungen gefehlt:
    Kein Mensch muss überhaupt zu einer polizeilichen Vernehmung erscheinen. Das ist vielleicht die größte Lüge in TV Krimis, wenn die Polizei damit droht einen “zur Vernehmung” mitzunehmen.
    Weder als Zeuge, noch Beschuldigter muss man überhaupt was zur Polizei sagen, oder gar einer solchen Einladung folgen.
    Machts den Andis dieser Welt auch nicht leichter 😉

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  9. Florian (der andere)

    Vielleicht die beste Wrint-Episode! Danke Holgi und Kommissar Andi! Auch bei der Polizei arbeit sympathische Menschen, was man manchmal wegen Meldungen in der Zeitung vergisst.

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  10. Ali

    Ganz großes Tennis. Holgi beweist mal wieder ein tolles Gespür für das richtige Verhältnis von Interview und Plauderei. Sympathischer Polizist, in Sachen Drogengesetze hat er aber nicht wirklich überzeugen können in meinen Augen.
    weiter so! sofort !

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    1. Flo

      Wenn er darin überzeugen könnte, könnte er er nur noch sehr schwierig Drogenfahnder sein.

  11. Simon

    Eine wirklich tolle Folge. Sehr spannend und bietet einen interessanten Einblick. Deine Podcasts sind immer wieder eine Freude.

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  12. Martin

    Dank an Andi.
    Augenöffnend das Oktoberfesterlebnis.
    Nicht gut seine Hinweise das die Polizei früher besser aufgestellt war. Mehr Leute, mehr reden..

    Zu Drogen, das kriminalisieren scheint mir wenig erfolgreich. Und ohne Kriminalisierung würde es die zugehörigen Banden nicht geben, die den Markt bedienen und mit Gewalt Kartelle und Monopole durchsetzen, deren Grundlage Renditen sind die nur durch das Verbot existieren.
    Letzlich erreicht die Polizei nur den Preis hoch zu halten, indem das Risiko erhöht und das Angebot gedrosselt wird. Ob es dazu führt das weniger Leute leiden müssen halte ich für fraglich.

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  13. Polzei

    U. Vetter: “Es löst jedes Mal Verwunderung aus, wenn ich folgendes zum richtigen Verhalten gegenüber der Polizei sage: Kein Zeuge ist verpflichtet, bei einem Polizeibeamten eine Aussage zu machen. Er muss nicht an an Ort und Stelle Angaben zur Sache machen. Auch nicht, wenn er nachts aus dem Bett geklingelt wird. Er kann Vorladungen ignorieren. Und er kann, wenn er denn möchte, bei ihm klingelnden Polizisten die Tür vor der Nase zuschlagen. ”

    http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/10/25/von-der-polizeiwache-in-die-ordnungshaft/

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    1. Hannes

      Hab ich auch mal versucht, mit dem Tür wieder schließen. Haben die Beamten leider nicht zugelassen und sind dann in die Wohnung eingedrungen. Mich hat man dann erstmal in Handschellen angelegt, obwohl ich keinen Widerstand geleistet habe. Die Anzeige wegen Widerstand ist gabs dann auch noch dazu. Alles wegen etwas zu lauter Musik, die bei Eintreffen der Polizei schon wieder leise war.

  14. nono

    Ich stand wegen Haschischbesitzes vor Gericht.
    Erwischt wurde ich mit ziemlich exakt 74 Gramm. Vor Gericht waren es dann 60 Gramm.
    Wenn die erste Instanz schon falsch meldet fällt das selbstverständlich nirgendwo auf. Von Bekannten kenne ich ganz ähnliche Geschichten, und da ich aus erster Hand dies selbst erfahren habe bin ich da wenig am Zweifeln.

    Das Ganze sogar ziemlich in Nähe von dem Interviewten Polizisten.

    Ich bin mittlerweile weit weg von Drogen. Aber wichtig ist mir: Der größte Anteil an Elend den Drogen verursachen steht im Zusammenhang mit der Kriminalisierung, die bremst sowohl Aufklärung als auch Hilfe von beiden Seiten.

    Der Bias bezüglich Alkoholverbot -> keine Wirkung VS. Drogenverbot -> keine Wirkung ist btw schon echt böse

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    1. Jürgen

      Hallo Nono,

      zu deiner Diskrepanz beim Gewicht. Das BtM wird bei der Sicherstellung gewogen und dann getrocknet. Nun wird es nochamls gewogen und hat einiges an Gewicht verloren. That’s it.

  15. Thomas Arbeit

    Schöne Sache auch mal “die andere Seite” zu hören. 🙂
    Letztlich stecken da meist auch nur Menschen in den Revieren und Uniformen.

    Bisschen schade war die Telefonqualität des Gesprächspartners. Wäre doch die perfekte Situation für die Kombination GoMic + DHL gewesen. 🙂

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  16. TazDevil

    Moin Helena!

    Zitat:

    Ein wichtiger Hinweis hat mir in dem Gespräch zum Thema Vernehmungen gefehlt:
    Kein Mensch muss überhaupt zu einer polizeilichen Vernehmung erscheinen. Das ist vielleicht die größte Lüge in TV Krimis, wenn die Polizei damit droht einen “zur Vernehmung” mitzunehmen.
    Weder als Zeuge, noch Beschuldigter muss man überhaupt was zur Polizei sagen, oder gar einer solchen Einladung folgen.

    Zitatende

    Dein Hinweis stimmt nicht ganz. Ein Beschuldigter braucht im Strafverfahren nicht mitarbeiten – stimmt. Das heißt auch, dass er zur polizeilichen Vernehmung nicht erscheinen muss.
    Ein Zeuge jedoch kann sehr wohl zu einer Aussage “gezwungen” werden. Nämlich immer dann, wenn er mit seiner Aussage weder sich selbst noch einen Angehörigen gem. §52StPO belasten würde oder nicht anderweitige Zeugnisverweigerungsrechte bestehen. Dies können z. B. Schweigepflichten beim Arzt sein oder Rechtsanwälte. Sind solche in der Person des Zeugen nicht erkennbar, hat der Zeuge eine Aussage zu machen.
    Richtig ist jedoch auch, dass dieses nur dem Richter in der Hauptverhandlung gegenüber gemacht werden muss. Und dahin kann man auch als Zeuge mit Vorführbefehl gebracht werden. Daher kommt also diese “Lüge”, dass die Polizei einen zur Vernehmung mitnimmt.
    Ansonsten – bleibt sauber und es gibt keine Probleme mit “Andi”! 😉

    Gruß TazDevil

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  17. Julian

    Danke für den aufschlussreichen Podcast!
    Allerdings: bei der Neptunbrunnen-Sache kam das Thema “Taser” auf – ein Einsatz wäre in einem Wasserbecken ziemlich blöd gewesen 😉

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  18. Morris

    Sehr interessante Folge.
    Zu dem Messerthema nochmals, eine Art Lehrfilm der versucht Mythen zu entkräften. Zwar US-lastig aber dennoch informativ. Da wird auch das mit den 31 Fuß Abstand nochmals bestätigt/erklärt.

    http://vimeo.com/29282684

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  19. Daniel

    Sehr schöner und fesselnder Podcast, besser als jeder Krimi.

    @Holgi: Was die Qualität angeht: Wenn Telefon klingt wie Telefon, dann ist es halt so. Das ist mir tausendmal lieber als Skype, das super Ton-Qualität hat, dann aber alle 20 Minuten kurz-krrrchz-zeitig zusammenbricht — du warst gerade weg, was hast Du gesagt? — und einen vom Thema ablenkt.

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    1. Mona

      Warum würde ein Einsatz eines Tasers im Brunnen zum Problem führen? Stromfluß nimmt immer die Strecke des geringsten Wiederstandes, Wasser leitet Strom nicht so gut.

  20. Felix

    Fantastisch guter Podcast.

    Das war einer der spannendsten Podcasts, den Holgi produziert hat, nach meiner Wahrnehmung.

    Bitte mehr davon, ihr habt während des Gesprächs öfter abgebrochen mit “dazu könnte man “x” Stunden erzählen” oder ähnlich, genau da solltet ihr weitermachen! Dass euch genug Leute zuhören, steht wohl außer Frage.

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  21. Juergen

    Zum Thema “Wozu sind Schreckschusswaffen gut”: https://www.youtube.com/watch?v=LNfGMzkWqJU

    Zur Selbstverteidigung jedenfalls nicht wirklich – höchstens in Innenräumen, dann kriegt man selbst das Zeug aber auch ab.

    SSW sind eher was für Sammler die Spaß an Waffen haben die auch “Peng” machen, aber keine scharfe Waffe kaufen wollen – oder für Leute die an Sylvester was anderes als Raketen und Böller haben wollen.

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  22. Max Darbi

    Bei dem herrischen Ton in dem Copzone-Forum wird einem unheimlich. Da sagt einer was und direkt werden ihm Fahnder auf den Hals gehetzt. Das mag vielleicht erlaubt sein, aber meiner Ansicht nach überschreiten viele dieser Polizisten ihre gesetzlich festgelegten Grenzen.

    Mir macht dieser Polizeistaat Angst. Ich sage schon lange nicht mehr was ich denke und jeden Tag weniger. Wer sein Maul aufmacht wird doch gleich sprichwörtlich erhängt. Mich wundert es nichtmehr wie es zum 3. Reich gekommen ist. Schere im Kopf…

    Den Polizisten im Gespräch fand ich sympathisch und wenn ich mal mit einem Polizisten rede, was selten vorkommt, dann sind die nett.

    Aber auf Demonstrationen herrscht Gewalt, manchmal von einer, meist von beiden Seiten. Dazu muss man nur Youtube-Videos angucken. Wir haben türkische Verhältnisse.

    Die Zeit der freien Meinungsäußerung ist vorbei. Die letzten denen das noch erlaubt ist sind diejenigen die im Rampenlicht stehen und gut mit Medien umgehen können. Deshalb bin ich so froh dass es den Holgi gibt 😉
    Würde Holgi eingesperrt werden, gäbe es einen Aufschrei. Wenn allerdings andere mal ihre Meinung sagen http://i.imgur.com/Oz7Ug2b.jpg steht der Staatsschutz + Polizei und und und vor der Tür.

    Die Hippiezeit ist vorbei. Zieht euch warm an.

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  23. Morrrk

    Interessanter Einblick ins “Ermittler-Milieu”! 😉 Die mindere Klangqualität habe ich ganz schnell nicht mehr wahrgenommen.

    Bei der Stichwortkombination Drogen, Observieren und Abhören mußte ich unweigerlich an die großartige (und wohl auch recht realitätsnahe) US-Serie The Wire denken.

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  24. ischa

    super holgi, mit abstand der beste podcast!
    toll, dass ein beamter so offen reden darf, in berlin sicher undenkbar?!

    ich wünsche mir weitere einblicke in die tiefen des beamten-/staatsapparates.
    vielleicht mal eine serien machen mit richtern, staatsanwälten, politikern
    (ok, ch. lauer hattest du ja) bis hin zu den kleinen rädchen wie justizwachtmeistern.

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  25. jEN

    Zum Thema Einzug kapitalistischer Verwertungsmethoden im Polizeialltag: Im Revier eines mir bekannten Polizisten wurden externe Berater ins Haus geholt. Nach mehrmonatiger “Beratung” wurden exakt drei Maßnahmen umgesetzt:

    1. Auflösung fester Schichten – mit dem Ergebnis, dass zum Teil seit über 20 Jahren bestehende Gruppen und Vertrauensverhältnisse auseinandergerissen wurden und nun jeder für sich selber kämpft. Das Gefühl der Kollegialität und des gegenseitigen Aushelfens wurde zugunsten eines nun minimal flexibleren Arbeitsplans von einem Tag auf den anderen schlagartig zerstört.

    2. Einführung von Balanced Score Cards. Neben dem üblichen täglichen stundenlangen Abarbeiten der bürokratischen Vorgänge dürfen die Beamten nun auch noch alle 30 Minuten darüber Protokoll führen, was sie denn gerade so tun.

    3. Einführung von Stacked Ranking: Jeder Mitarbeiter wird nicht mehr nur anhand seiner Leistungen, sondern relativ zu den anderen bewertet. Eine sehr geringe Anzahl an Leuten darf positiv bewertet werden, einige negativ, der Großteil neutral. Ohne eine positive Bewertung ist eine Beförderung allerdings nahezu aussichtslos. Ist halt Pech, wenn mehr als 2-3 Mitarbeiter gute Arbeit geleistet haben.

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  26. mobo

    Ein sehr schönes Gespräch, dass es schafft, den Polizisten an sich wieder etwas menschlicher werden zu lassen. Hilft dabei für vieles Verständnis aufzubringen.
    Allerdings merkt man auch mal wieder, dass er in Punkto Drogenpolitik nur den allgemeinen Bla-bla nachquatscht.
    Zum einem sagt er, dass ein Verbot von Alkohol nicht durchzusetzen sei, das habe ja die Vergangenheit gezeigt. Aber dass ein Drogenverbot etwas bringen würde, verteidigt er vehement.
    Genausowenig, wie sich die Menschen Alkohol verbieten lassen, lassen sie sich Drogen nicht verbieten. Dabei schädigen die Verbote den Menschen meist weitaus mehr, als es die Drogen selbst tun.
    Und viele sehr tragische Drogenlebensläufe wären ganz anders verlaufen, wenn die Konsumenten (sic!) nicht von Anfang an die Strafverfolgung fürchten müssten. Denn wenn man Angst vor Strafe hat, sucht man auch keine Hilfe auf.
    Wenn er als Bayrischer Drogenfahnder behauptet, dass es nur um die Verfolgung der Händler und NICHT um die Konsumenten ginge, dann muss ich doch schon sehr loslachen, denn gerade in Bayern gibt es absurde Strafen selbst bei KLEINSTMENGEN wie einem Jointstummel.

    Zu guter Letzt mein Paradethema (als Betreiber von keinwietpas.de): In den meisten Gemeinden der Niederlande werden Ausländische Gäste auch weiterhin in den Coffeeshops willkommen geheißen. Nur in einigen Gemeinden im Süden des Landes werden die Coffeeshopbetreiber dazu gezwungen, ausländische Gäste zu diskriminierenden. Vollkommen im Gegensatz zum europäischen Gleichbehandlungsgrundsatz. Und was ist in diesem Gemeinden? Ein Sprunghafter Anstieg des Handels auf der Strasse. Auf eine sehr penetrante Art und Weise.
    Die Idee, Ausländer aus den Coffeeshops auszuschliessen (Vgl: Hier werden keine Juden bedient) kommt nicht etwas daher, dass die niederländische Drogenpolitik gescheitert ist (im Gegenteil, sie funktioniert sehr gut, was die Konsumentenzahlen im europäischen Vergleich belegen, sowohl bei Cannabis als auch bei anderen Drogen), sondern sie ist AUSSCHLIESSLICH auf Druck der anderen Länder geschehen, hauptsächlich Deutschland und Frankreich, die gerne an ihren rigiden Kurs festhalten wollen, anstatt zu sehen, dass das Verbot nichts erreicht.

    Warum sprichst du nicht mal mit einem Cannabisaktivisten? Davon rennen in Berlin doch einige gute rum: Steffen Geyer, Maximiliam Plenert, Georg Wurth…

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    1. holgi Artikelautor

      Wenn die Cannabis-Befürworter Nazivergleiche brauchen, um ihre Position zu untermauern, scheint die Position ja eine äußerst schwache zu sein.

    2. mobo

      Es sind nicht wir, die die Nazivergleiche machen, sondern die Gegenseite, die sich der Nazi-Methodik bedient!
      Aber wenn in den Coffeeshops Ausländer nicht mehr zugelassen sind, dann drängt sich der Vergleich mit anderen staatlichen Diskriminierungen aus der Geschichte nunmal auf.
      Statt “Hier werden keine Juden bedient” hätte ich auch freilich “Schwarze dürfen im Bus nur hinten sitzen” oder “Frauen dürfen nicht Wählen” sagen können.
      Fakt ist nunmal, dass in den Niederlanden der Verkauf von Cannabis im Rahmen der Coffeeshops toleriert ist und ein Ausschluss von bestimmten Bevölkerungsgruppen eine Diskriminierung darstellt.
      Die EU verbietet eine Diskriminierung innerhalb der EU für andere EU-Einwohner. Bei Coffeeshops ist es denen egal, da ja die Verfolgung des ach so schlimmen Drogentourismus ein Ziel mit höherer Dringlichkeit ist als der Kampf gegen Diskriminierung. Auf dem Oktiberfest sind auch alle Nationen der Welt willkommen, auch wenn sich gelegentlich Leute daneben benehmen.
      Dann sollen sie bitte schön das ganze Coffeeshopmodell abschaffen!
      Übrigens: Artikel 1 des niederländischen Grundgesetzes verbietet eine Diskriminierung. Aber Grundgesetzverstöße sind ja en vouge.

    3. holgi Artikelautor

      Okay, dann mal in unmissverständlich: Ich will so einen Scheiß hier nicht lesen. Denk dir sinnvolle Argumente aus oder hau ab!

    4. mobo

      Na gut, ich gebe Dir recht. Passiert jeden mal, dass er über die Thematik “Hitlervergleich” stolpert…

    5. norti

      Oder statt mit einem Cannabisaktivisten mal mit Frank Tempel, der ist ex-Drogenfahnder (beim BKA[?]) und jetzt drogenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Die Linke (*sic*). Der hat sicher auch viel zu erzählen, warum er die Kriminalisierung von Drogen als gescheitert empfindet.

    6. mobo

      Nichtsdestotrotz gehört es sich halt nicht, Ausländern nicht die gleichen Rechte zu einzuräumen wie Inländern. Völlig egal, worum es dabei geht.
      Erst gestern gab es wieder ein Urteil: In Maastricht wurde vom Bürgermeister ein Coffeeshop für den Zeitraum von 3 Monaten geschlossen, wegen des “Verkaufs an Ausländer”.
      Das einst so tolerante Nederland macht eine rasante 180° Kehrtwende. Erschreckend.

  27. Jason

    Sehr interessantes Interview, stimmt wohl. Es ist mal ein schoener Einblick in den Alltag eines Polizeibeamten. Allerdings fand ich es schade, das Holgi gerade beim Thema Ueberwachung nicht nachgefragt hat. Die Sache mit den Ermittlungsrichtern z.B. stimmt so nicht. Es gibt mittlerweile genug unabhaengige Studien die zeigen, dass der Richtervorbehalt nicht funktioniert und das Leute nach erfolgter Ueberwachung eben *nicht* informiert werden. Das Leute ein Schreiben erhalten, ist heutzutage leider eher die Ausnahme. Ich hoffe das der interviewte Polizist wirklich das Glueck hat, das in ‘seiner Welt’ die ganzen Prozeduren noch so gut funktionieren. Die Regel ist es wohl nicht.

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  28. Wer Weiß

    Das Interview bietet sehr interessante Einblicke in den Polizeiberuf/alltag.
    Es ist allerdings zweifelsohne nicht richtig, dass es möglich wäre von Gras ins Koma zu fallen. Da müssen noch andere Drogen im Spiel gewesen sein… Und zu dem Gras mit 15% : welcher Kiffer hat denn in den 70/80/90ern (als das Gras noch die 6% oder so hatte) Gras geraucht ? Zu dieser Zeit gab es fast nur Haschisch in Deutschland, welches vom THC Gehalt mit dem heuteigen Gras gleichzusetzen ist oder diesen noch überschreitet, da bei Haschisch durchaus 40% oder mehr erreicht werden können.

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    1. mobo

      Übrigens macht das niederländische Trimbos-Instutut jedes Jahr Messungen, wie hoch der THC-Gehalt im Cannabis ist. Und der sinkt von Jahr zu Jahr. Und das seit den Neunzigern. Siehe: http://keinwietpas.de/2013/06/26/thc-gehalt-sinkt-weiter/
      Es gibt auch immer noch hochpotentes Gras, das unterschiedet sich aber vor allem in Einem: Dem Preis! Und Leute, die hochpreisiges Gras kaufen, wissen in der Regel, was sie wollen und können auch damit umgehen.
      Das ganze Gerede von steigendem THC-Gehalt ist eh völliger Mumpitz. Ein Jimmy Hendrix hätte mit Sicherheit nie in den 60ern einen Song namens “Purple Hase” verfasst, wenn es zu der Zeit nur Nutzhanf gegeben hätte, was uns ja die Politik glauben lassen will.

  29. Andi (nicht der Kommisar)

    Auch von mir recht herzlichen Dank für die tolle Folge. Hätte euch noch Stunden lauschen können 🙂
    Gerne mehr von Andi und der Polizei!

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  30. Mike

    Drah die ned um uh-ohoh, schau schau der Kommissar geht um uh-ohoh.

    Ich weiß nicht wirklich, ob ich es ganz toll oder einfach nur traurig finden soll, dass dieser Podcast mit die beste Öffentlichkeitsarbeit der Polizei (auch wenn er nicht für DIE Polizei sprach) war, die ich bisher hörte/las.

    Ich komme auch aus Bayern, meine Erfahrung mit der Polizei bei Kontrollen ist, so wie man reinschreit, so kommt es zurück. Ist man freundlich, sind die auch immer freundlich.
    Letztens erst, sie stiegen aus um jemanden zu kontrollieren, gingen direkt an mir vorbei. Ich sagte freundlich “Servus”, kam ein ebenso freundliches “Servus” zurück.

    Sehr krass finde ich, dass die Polizei auf dem Oktoberfest derart behandelt wird. Ich finde ja, man sollte jedem Respekt entgegenbringen, der Polizei auch. Das manche Leute sogar die Polizei mit irgendwas beschütten usw. ist wirklich krass.

    BTW, ich dachte mir erst, naja, Polizist. Ich hörs mir 5 – 10 Minuten an, dann schalte ich ab. Und dann habe ich das in einem Stück durchgehört. Sehr symphatisch der Andi.

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    1. holgi Artikelautor

      Aber hallo! Da war die Leitung kurz weg, das Thema fand ich aber so interessant, dass ich lieber den Knarzer in Kauf genommen habe, als für einen sauberen Schnitt ganz drauf zu verzichten 🙂

  31. Weze

    Eines der besten Gespräche die ich so die letzten Jahre gehört habe.
    Holgi und Andi liefern ein interessantes, offenes Gespräch ab, dass Lust auf mehr macht.
    @Andi: Deinen Frust und Ärger über den Job und insbesondere die Wertschätzung deiner Arbeit (und generell die der Polizei), welcher zwischen den Zeilen immer wieder aufblitzt, kann ich gut verstehen.
    Ich glaube das geht vielen in ihrem Job so, aber die Polizei hat da wohl einen ganz besonders schlechten Stand.
    Warum haben wir eigentlich alle verlernt auch mal zu loben und uns zu bei anderen bedanken?! Mit der Kritik sind wir ja auch schnell und freizügig bzw. hart und direkt…

    Antworten
  32. Hannes

    In dem Gespräch offenbaren sich die gesamten Probleme der Polizei und natürlich der ganzen Gesellschaft. Das Interview bestätig mich leider in der Annahme, dass neue Impulse nicht aus der Polizei selbst kommen werden und wir die Arbeit unseres Gewaltmonopols genauer beobachten müssen.

    Vielen Dank an Holgi und den Polizeibeamten für das Gespräch, auch wenn ich mir an einigen Stellen eine genauere Nachfrage gewünscht hätte. Das Thema Drogenpolitik wurde doch sehr platt behandelt und das Thema Deeskalation kam etwas zu kurz, was mich in der Annahme stärkt, dass Deeskalation bei der Polizei entweder unterkomplex behandelt wird oder sogar häufig ein falscher Begriff von Deeskaltion vorliegt.

    Antworten
  33. Annika

    Toller Podcast mit einem Kollegen, der wirklich was zu erzählen hatte.
    Äußerst sympathisch, wir saßen im Nachtdienst mit mehreren Kollegen interessiert vorm iPad 😉

    Falls ich kurz Werbung für mein Blog machen darf?! Ich halte in kurzen Postings fest, was ich im Dienst so erlebe, und zwar unter favoritheute.blogspot.de

    Viele Grüße aus dem Ruhrgebiet
    Annika

    Antworten
  34. Annika

    Empfohlen sei als Buch übrigens
    “110 – ein Bulle hört zu”
    von einem Kollegen aus Berlin. Dringend mal lesen 🙂

    Antworten
  35. Dirk

    Ich fand den Podcast auch Klasse und kann mich vielen Vorkommentatoren nur anschließen. Auch ich fand die Sache mit der Drogenpolitik nicht besonders überzeugend. Aber mal ehrlich, was soll ein Polizeibeamter schon sagen? Selbst wenn er anderer Meinung wäre, könnte er als Beamter nicht ganz frei reden.

    Dieser Grund spielt sicher auch an anderer Stelle mit, nämlich wenn Andi darüber spricht, welchen Vorschriften man als Polizist folgt und das dass die Polizei auch immer tut. Abhörmaßnahmen sind quasi sauschwierig, Übergriffe der Polizei gibt es nicht, …. Sehr wahrscheinlich, dass dies für Andi alles zu trifft, dass er keine Übertretungen kennt, keine Ausnutzung der Grauzonen und Korpsgeist keine Rolle spielt. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass all die Fälle von angeblicher Polizeigewalt immer nur böse Unterstellungen der “anderen” Seite sind. Es ist durchaus verständlich und OK, wenn Andi so redet, aber ich für meinen Teil bleibe trotzdem skeptisch und kritisch. Vermutlich müsste man dafür ehemalige Polizisten interviewen.

    Trotzdem, Andi hat es geschafft, die Sichtweise zu weiten. Denke ich nur an die Sache mit dem Erschossenen im Berliner Brunnen. Auch fand ich die Einblicke in den Alltag eines Polizisten spannend und interessant. Zwar sind die Erlebnisse vom Oktoberfest sehr kondensiert, aber die Vorstellung, dass man als Polizist täglich abgeschwächten Formen dieser Situationen gegenübersteht, verlangt einem schon Respekt für die Polizisten ab.

    Dank dieses Podcast, werde ich etwas anders durch meinen Alltag gehen!

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  36. Florian

    Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte, eine unabhängige Ermittlungsbehörde gegen Polizeibeamte oder eine begrenzte Ausstattung mit Schusswaffen wären interessante Diskussionspunkte gewesen. In einigen anderen demokratischen Staaten ist das eine Selbstverständlichkeit und man kommt hervorragend damit klar. Sie stärken auch das Vertrauen in das staatliche Gewaltmonopol in einer demokratischen Gesellschaft. Die Polizeigewerkschaften stellen das immer so dar, dass man da Beamte zum Abschuss freigeben würde.

    Antworten
  37. JuergenL

    Den Podcast wegen Urlaub etwas später gehört. Eine erstklassige und sehr interessante Folge. Was mich immer wieder erschreckt ist, das bei der Polizei der Rotstift immer mehr regiert. Zeitgleich werden Milliarden versenkt um unser digitales Leben zu überwachen während andererseits bei konkreten Problemen immer länger auf die Polizei gewartet werden muss, weil denen das Personal fehlt. Diese Diskrepanz finde ich unerträglich.

    Antworten
  38. Benjamin

    Sehr interessanter Podcast!

    Leider muss ich sagen dass der Polizist alle schlechten Vorurteile meinerseits bestätigt hat: Bei seiner Laufbahn hat er sich nicht etwa selbständig für ein Studium entschieden, weil das etwa bilden könnte, sondern weil man es ihm nahegelegt hat. Selbständige Denke Fehlanzeige. Von der Drogenpolitik haben andere schon geschrieben, das braucht man nicht weiter kommentieren. Bei Polizeigewalt gibt es “immer verschiedene Wahrnehmungen”: sehe ich anders. Schade, ich hatte auf etwas mehr Selbstreflektion gehofft.

    Nichtsdestotrotz spannende Einblicke in den Polizeialltag.

    Antworten
    1. holgi Artikelautor

      Ein Polizist, der nicht karrieregetrieben ist und drei Übergriffe reichen dir, um die gesamte Polizei als faul oder dumm und gewalttätig einzustufen?

    2. Reba

      Ich muss aber auch sagen, dass jemand, der seine Wahrnehmung erst mal durch seine Vorurteile filtert, auf mich auch nicht gerade den Eindruck von hoher (Selbst-)reflexion macht.
      Dass Andreas andere das Studium nahegelegt haben, spricht dafür, dass man eine sehr hohe Meinung von seinen Fähigkeiten hatte. Ich weiß nicht, wie man deswegen an der Denkfähigkeit eines Menschen zweifeln kann. Ich würde ihm dafür eher Bescheidenheit attestieren, und das macht ihn im Gegensatz zu den Karrieristen, die nur auf Titel aus sind, sehr sympathisch.

  39. Benjamin

    @Holgi und Reba:

    Nein das tun sie nicht aber das habe ich ja auch nicht gesagt. Holgi du hast ja selbst die immer wieder vorkommenden Übergriffe angesprochen, welche zweifellos immer wieder stattfinden und die einzige Erklärung die dafür gefunden wurde waren “verschiedene Warnehmungen der Realität” (selbstverständlich nich ihne Verweis auf die linken Chaoten).

    Da ich ja selbst von “Vorurteilen” rede sollte ja klar werden dass das auch in meinem Kopf natürlich nicht auf alle zutrifft (und ich mir dieses Filters ja auch bewusst bin). Ich hätte mich gerne von dem Gegenteil überzeugt aber das konnte mir nur in Teilen gelingen.
    Karrieregetrieben sein und sich aktiv für ein Studium entscheiden (aus Interesse an der Sache) halte ich im Übrigen auch für zwei sehr verschiedene Dinge.

    Antworten
  40. Olli

    Ein sehr angenehmes Gespräch und ein sehr sympathischer “Herr Polizist”…
    Die Folge habe ich auch geich weiter empfohlen.
    Gruß Olli

    Antworten
  41. Karl

    Endlich bin ich mal dazu gekommen die Folge zu hören. Sehr schön!!
    Die Argumentation des Gasts zum Thema illegale Drogen und Alkohol sind dann für mich aber nicht so nachvollziehbar. Alkohol soll jeder so nutzen wie er will und die Menschen brauchen ja auch ihre Freiheit und der Dealer mit einem Kilo Gras ist dann böse(TM) weil er andere Menschen vergiftet… Vergangenheit?, Persönlichkeit des Einzelnen? sind das nicht Argumente für eine Legalisierung? wtf?

    viele Grüße
    Karl

    Antworten
  42. Oli

    Sehr interessant! immer wieder gut, Interviews, die ausführlich und ohne Zeitdruck oder gewollter Zielsetzung, nur aus Interesse/Neugier gemacht werden. Kann man im Radio/TV lange vergebens suchen.

    Antworten
  43. Sebastian

    Mein erster Podcast von Wrint, sehr interessant und qualitativ hochwertig. Mir gefällt vorallem das offene Gespräch, es herrschen keine Zwänge wie in den großen Medien.
    Und der Herr Kommissar scheint auch sympathisch zu sein!
    Ist wohl leider nicht immer so (auch wenn die 130kmh eigentlich kein Kavaliersdelikt sind, aber der Ordnungshüter könnte sich trotzdem etwas professioneller verhalten. Aber gut, wir sind alle nur Menschen.)
    http://www.youtube.com/watch?v=eSOMBxpE-GA

    Zum Abschluss noch ein Lied von einem potentiellen “Kunden” von Andi, aber auch wenn`s nicht meine Welt ist, ist doch was Wahres dran! Ich habe noch nie in der Zeitung gelesen, dass sich Kiffer Samstag Nacht vor einem Koffeeshop geprügelt haben!
    http://www.youtube.com/watch?v=eSOMBxpE-GA

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  44. Alex

    ich stimme dem comment von Hannes 18. Juli 2013 um 02:02 ganz zu und möchte etwas hinzufügen:
    – staatlich kontrollierte Heroinvergabe ist natürlich kein absurder Hirngespinnst (da gibst du zurecht nicht so schnell nach Holgi) und wurde in Deutschland mit positiven Ergebnissen bereits durchgeführt siehe:

    Haasen, Christian et al. (2006): Das bundesdeutsche Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger – eine multizentrische, randomisierte, kontrollierte Therapiestudie, Abschlussbericht der klinischen Vergleichsstudie zur Heroin- und Methadonbehandlung
    Klinischer Studienbericht zum Abschluss der 1. Studienphase:
    http://www.heroinstudie.de/ZIS_H-Bericht_P1_DLR.pdf
    Klinischer Studienbericht zum Abschluss der 2. Studienphase:
    http://www.heroinstudie.de/H-Bericht_P2_DS.pdf
    Zusammenfassung des klinischen Studienberichtes der 2. Studienphase:
    http://www.heroinstudie.de/Zusammenfassung_H-P2.pdf
    Klinischer Studienbericht zum Abschluss der Follow-up Phase:
    http://www.heroinstudie.de/H-Bericht_FU.pdf

    nur schade, dass du dir vorher keine Meinung dazu überlegt hast – dass das Thema in diesem Gespräch vorkommt war absehbar – kurz funkioniert es folgendermaßen: Heroin würd nur an bereits süchtige durch Psychologen kontrolliert abgegeben, undzwar kostenlos (nein Heroin ist nicht teuer und würde nur einen Bruchteil dessen ausmachen was man für die Bekämpfung ausgibt) Heroin auf der Straße würde niemand mehr verkaufen, alleine zum “Anfixen” würde sich das überhaupt nicht lohnen. Innerhalb von 50 Jahren hätten wir dann kaum mehr Heroinsüchtige. Das ist nur die Kurzfassung, die nicht auf alle vermeintlichen “Gegenargumente” eingeht. Was alle meistens gleich schreien ist “Dann können ja alle kostenlos high-life auf heroin verbringen ein Leben lang und niemand arbeitet mehr, alle sind nur noch Heroinzombies.” Das ist tatsächlich noch das letzte “vernünftige” Argument, aber dabei wird vergessen, dass die meisten Heroinsüchtigen gar keine Lust mehr auf diese Droge haben. Es gibt gleichzeitig aber auch welche die auf Heroin arbeiten. Im Grunde ist das Problem dasselbe in jedem Sozialstaat und bei der “Bedingungslose Grundeinkommen – Debatte” sowieso und hat nichts mit Heroin zu tun undzwar gibt es einfach einen bestimmten Anteil in jeder Gesellschaft, der nicht arbeiten möchte, nichts interessant findet, sich mit nichts beschäftigt und nur TV, Essen und Drogen konsumieren würde wenn man ihn finanziert (siehe auch diese Langzehnigen Kiffermonster die der Polizist als Bsp. aufführt (Alkoholikermonster vergisst er dabei irgendwie – 74.000 Alkoholtote vs 0 Cannabistote usw. kennt eigentlich jeder, wird aber nicht angesprochen, stattdessen kommt dieses haltlose Jointkoma-Bsp. – diesen alten Hut aber nur am Rande)). Ja solche Menschen gibt es (Intelligenz/Genetik/traurige und psychologisch negativ wirksame Lebensgeschichte) und mit denen muss jede Gesellschaft irgendwie klarkommen. Der Rest findet nur auf Drogen und TV zu vegetieren einfach zu langweilig und schäbig, egal wie süchtig sie machen. Wie man z.b. in Miles Davis Autobiografie lesen kann, ist es eben nicht einfach geil auf Heroin abzuhängen, man wird ein blöder, egoistischer und langweiliger Arsch, der sich selbst nicht gefällt (!!!) so lange bis man sich hasst und damit aufhört und NICHT weil man von der Polizei verfolgt wird und NICHT weil man keine Kohle hat. Der weit-überwiegende Teil will eben seinen berechtigten Platz in der Gesellschaft!
    Drogen-Kriminalisierung kostet dem Staat was weiß ich wieviel ehrlich gesagt keine Ahnung grad, Millionen? 100 Millionen? Milliarde? Alle sind sich wohl einig, dass es zu viel kostet und von den Schicksalsverstümmelungen ganz zu schweigen und DAS hätte in so einem Gespräch mit Vorbereitung angesprochen werden müssen, statt es mit den dummen, alten Sprüchen abzuhacken. Diese Dummheit hat mich so wütend gemacht, dass ich nicht mehr zuhören konnte und das hier geschrieben habe, obowhl ich großen Hunger habe.
    Den Cannabis-Aktivisten nur wegen seinem stümperhaften Hitlervergleich so anzumachen finde ich auch doof und hat deine (Holgi) Attraktivität krass geschmälert – vor allem weil der Rest vernünftig – “ok” war und durch dich Holgi diskreditiert wurde. Ob es nun auch mir droht? Aus großer Macht…

    ach PS und dass die Bereitschaft in Youtube-Videos auf die Hippie-Normal-Demonstranten zugeht und mit den Knüppeln einen rüberhaut während sie ein Banner halten oder gar Passanten die nur kurz mit dem Fahrrad durch wollen oder Kameras kaputtmacht, da hat sich der Polizist auch viel zu einfach rausgeschlängelt mit seinem “ja es sieht ja nur so aus wenn man die vorgeschichte nicht kennt”, anstatt das Macht/Lust/Gewalt/Intelligenz/Stolz/Gut-Böse-schlechte Ausbildungs/SanktionierungsProblem anzugehen – wahrscheinlich zu hoch für ihn, man oh man und er ist wohl noch einer der schlausten Polizisten, meine Fresse….dass er so “nett” und “fake-offen-cool” war ist um so schlimmer – quasi perfekter Polizeiwerbestunt passend zur Miesen Presse der letzten Zeit.

    ich glaub ich höre hier erstmal auf
    PPS meine email ist falsch und die ip auch – nach der story mit dem freundeskreis von diesem leicht linken lehrer, der mal bei linken aktivisten in berlin auf einem treffen war und seit dem überwacht wurde inkl gewaltsame wohnungsdurchsuchungen bei ihm und seinem freundeskreis (find den bericht grad nicht mehr, but true story – kennt die wer?) bin ich ein wenig vorsichtig

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  45. Andi (der Gast)

    Vielen Dank an alle für die netten Worte. Seltsam – fast drei Stunden gequatscht, und doch einige wichtige Themen nur oberflächlich erörtert. Tatsächlich, wenn ich eine Antwort zu einer Frage überlege, laviere ich unabsichtlich vom Kern des Themas weg. Ist wohl so, wenn man nichts vorbereitet und der Kopf voller Filmschnipsel mit Erinnerungen ist.

    Die Kritik, daß zu Themen wie Gewaltanwendung zu wenig gesagt wurde, ist daher richtig. Die Meinung, ich würde alles nur mit unterschiedlicher Wahrnehmung erklären wollen, ist in Wahrheit unzutreffend – aber der Eindruck musste entstehen. Es gibt selbstverständlich auch unrechtmäßig angewandte Gewalt, wer wollte das bestreiten? Ich bestreite hingegen, daß es ein systemimmanentes Problem ist. Es ist vielmehr ein menschliches, zivilisatorisches, gesellschaftliches, statistisches, persönliches. Dazu hätte ich einiges zu sagen, vielleicht ein andermal.

    Das Thema Drogen bewegt euch sichtlich. Ihr reibt euch an meiner Haltung, mir soll es recht sein. Aber ihr begeht einen Denkfehler wenn ihr meint, ich würde die Gesetze anhand meiner persönlichen Weltanschauung vollziehen, oder meine persönliche Meinung zum Drogenthema wäre auch sonst irgendwie von Relevanz für irgendetwas.. Und meine Einzelmeinung gar als unreflektierte Wiedergabe einer reaktionären staatlichen Doktrin hochzustilisieren, führt euch immer wieder aufs falsche Gleis. Hört nochmal genau hin. Ich berichte von meinen Erfahrungen. Ich will nicht missionieren, muss nicht überzeugen, sondern ich antworte auf Fragen. Und kann total gut schlafen, auch wenn nicht alle anderen meiner Meinung sind 😉

    Wer immer noch nicht gut zwischen den Zeilen lesen kann: meine Meinung zu Alkohol sollte klar geworden sein, und meine Meinung über Jointlutscher auch. Und nochmal: irrelevant. It´s all about law.

    Unter uns: Drogen sind mir egal. Ich bin nur zufällig Drogenfahnder. Das Thema lässt mich kalt, meine Leidenschaften liegen ganz woanders. Ich vollziehe Gesetze, weil ich von der Sinnhaftigkeit der Systematik – bei all ihren Schwächen – zutiefst überzeugt bin. Je mehr man sich für Geschichte und Menschen interessiert, desto leichter fällt einem das. Und weil das eine gute Sache ist, weitestgehend ideologiefrei und vernunftbasiert (naja, so weit das bei unserem Gesetzgeber denkbar ist…), steh ich auch zu meinem Beruf.

    Wenn mal eine ungeliebte Rechtslage dabei ist, die von einer Minderheit abgelehnt wird, so what? Ich muss doch jetzt wirklich nicht das Prinzip der Gewaltenteilung erklären?

    Wenn ihr etwas ändern wollt, dann entsetzt euch nicht über meine Aussagen, sondern engagiert euch politisch, und organisiert Mehrheiten. Wenn eine Liberalisierung mehrheitsfähig ist, dann werdet ihr sie erreichen. Und wenn nicht, dann eben nicht. Natürlich bedarf dieser Prozess einer Meinungsbildung und öffentlichen, lauten und auch mal polemischen Diskussion…aber haben wir die nicht seit Jahrzehnten? Schärft oder erneuert eure Argumente, bis sie stichhaltig genug werden um überzeugend zu wirken. Ein Blick ins BtMG offenbart: derzeit scheint das nicht der Fall zu sein.

    gn8
    Andi
    _________
    Get over it.
    – Neil deGrasse Tyson

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  46. nadar

    Zwei Sachen haben mich etwas geärgert:
    * Die mangelhafte Vorbereitung zu Polizeigewalt. Zumindest der Radfahrer mit dem blauen T-Shirt hat es bereits kurz nach der Demo (leider) zu großer Bekanntheit gebracht:
    http://www.youtube.com/results?search_query=radfahrer+blau+t-shirt .

    * Der Komissar wollte nicht wirklich auf das Gedankenspiel eingehen, Drogen zu legalisieren – und regt sich ein paar Sätze weiter darüber auf, dass macnhe Leute ihren Lebensunterhalt/ein Vermögen mit dem Dealen verdienen. Ja mei, mit legalisierten Drogen hätte er das Problem (und seine ganze Arbeit) nicht…

    Ansonsten fand ich das Gespräch interessant und aufschlussreich – danke!

    Antworten
  47. Nico79

    Ui, das ist für mich eine der besten bisher erschienenen WRINT-Folgen. Ein super interessantes Thema und Andi war ein total interessanter Gesprächspartner der einen guten Einblick in das Polizeileben gegeben hat.

    Die Story vom Oktoberfest hat mich echt an der Vernunft der Menscheit zweifeln lassen.

    Vielleicht bekommt ihr beiden ja nochmal ein Gespräch hin, da gibt es bestimmt noch viel zu erzählen.

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