WR344 Lauers Büroraker

 

wrint_2014_zurperson_200Und so begab es sich, dass ich mich zu Christopher Lauer begab, um mal wieder mit ihm zu reden. Diesmal über seinen Austritt aus der Piratenpartei, über die Piratenpartei, über die anderen Parteien, die Polizei, Politik im Allgemeinen und Berliner Politik im Besonderen, über die Herrschaft durch das Internet, die Gewaltschutzambulanz und über Klaus Wowereit.

46 Gedanken zu „WR344 Lauers Büroraker

  1. Haiko M. Johann

    Wow! Grade wollte ich anfragen, ob es aus gegebenem Anlass mal wieder eine Folge gibt.
    Und das ist sie schon. Da bin ich ja gespannt.

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  2. Manuel

    Also der Lauer hört sich aber doch ziemlich mitgenommen an.
    Reden konnte der ja meist aber diesmal bekommt der ohne Holgi ja annähernd keinen Satz mehr zusammen.

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  3. tp1024

    Wenn ich dem Christopher so zuhöre, dann würde ich sagen, dass die Regierung nicht kaputt ist, zumindest nicht ursächlich. Es fehlt ihr die Macht.

    Die Macht einer Regierung ist gesellschaftlich verankert, völlig egal wie diese konstituiert ist. Denn regieren und regiert werden gehören nunmal zusammen. Leider haben wir einen breiten gesellschaftlichen Konsens, dass man sich seit einigen Jahrzehnten nicht mehr regieren lassen will. Die Gründe dafür waren am Anfang noch nachvollziehbar (Nachkriegspolitik, Alt-Nazis in der Regierung etc., die 68er hatten an vielen Stellen gute Gründe gegen die Regierung zu sein). Leider kannte man bei all dem aber keinerlei Grenzen und gestand der Regierung überhaupt nicht mehr zu, irgendwelche Macht zu haben.

    Das dumme daran ist, es Sinn und Zweck der Demokratie ist, dass die Regierung die Macht hat und deswegen auch demokratisch legitimiert werden muss. Eine funktionierende Demokratie ist absolut darauf angewiesen, dass die gewählte Regierung auch tatsächlich Macht hat und diese Macht nicht außerhalb des demokratischen Prozesses unterlaufen wird.

    Die Medien spielen in der Demokratie eine wichtige Rolle. Aber eben gerade NICHT ALS VIERTE GEWALT. Medien dürfen überhaupt KEINE MACHT haben. Sie müssen gänzlich außerhalb der Regierung stehen und sich auf objektive Information beschränken. Die Medien KÖNNEN jeden Tag entscheiden, wie die Regierung durch die Bevölkerung wahrgenommen wird. Sie haben Macht und können jederzeit vom objektiven Standpunkt abrücken.

    An dem Punkt, als die Medien begannen sich als „vierte Gewalt“ mit „Wächterfunktion“ zu verstehen, haben sie genau das getan. Sie gingen weg vom objektiven Mittel der Informationsvermittlung und wurden stattdessen zum Subjekt der Regierung. Damit wurden sie zu einer Macht außerhalb der demokratischen Ordnung und haben sie genau dadurch zerstört.

    Kein Politiker und keine Partei kann mehr handeln, ohne zu sich zu fragen, was die Medien als Subjekte mit eigene Agenda berichten werden. Sie können sich eben nicht darauf verlassen, dass die Medien objektiv berichten werden, was die Regierung getan hat. Wenn die Regierung die Wahl hat entweder die objektiv richtige Entscheidung zu treffen, oder die in den Medien als positiv bewertete Entscheidung zu treffen, wird die Regierung immer auf das letztere Wert legen.

    Aber damit verliert die Regierung Macht. Sie kann de facto nicht mehr auf die Macht zurückgreifen, die ihr laut Verfassung durch die Wahl zugestanden wird und muss sich der Macht der Medien beugen.

    Und jetzt stellt sich die entscheidende Frage:

    Was tut jemand, der ein Anliegen hat, zu dessen Durchführung die Macht der Regierung benötigt wird?

    In einer funktionierenden Demokratie, wird er sich mit der demokratisch legitimierten Regierung in Verbindung setzten und versuchen diese von seinem Anliegen zu überzeugen. Warum? Weil sie die Macht hat sein Anliegen durchzusetzen. Was ist, wenn das Anliegen ein schlechtes ist? Entweder die Regierung lehnt es ab, weil sie es erkannt hat. Oder nach der Durchsetzung wird darüber objektiv berichtet und in Anbetracht des schlechten Ergebnisses (aus einem schlechte Anliegen), wird die Bevölkerung überlegen, ob sie diese Regierung bei der nächsten Wahl nochmals legitimiert.

    In der heutigen „Demokratie“ setzt man sich stattdessen entweder direkt mit den Medien in Verbindung, oder mit politischen Nichtregierungsorganisationen (wozu auch alle Lobbyisten gehören), die sich auf die Beeinflussung der Medien und ihrer Berichterstattung spezialisiert haben. Die Berichterstattung der Medien über das Anliegen legt dann den Handlungsspielraum der Regierung fest. Die Tatsache, dass die Regierung eigentlich das demokratisch legitimierte, staatliche Machtmonopol inne hat, ist dabei völlig egal.

    Was passiert aber, wenn eine Regierung keine Macht hat?

    Sie wird dysfunktional und beschäftigt sich nicht mehr mit den Regierungsgeschäften, weil sie dort ohnehin den Vorgaben von außen ausgeliefert sind, sondern sie beschäftigt sich mit sich selbst. Das Parlament wird zur Seifenoper und delegitimisiert sich damit selbst noch weiter, wodurch den Medien eine um so größere Rolle zukommt und die demokratischen Wahlen immer noch ein Stückchen unwichtiger werden.

    Eine Regierung kann zu viel Macht haben. China ist ein gutes Beispiel, auch wenn sich die Verhältnisse dort in den letzten 40 Jahren stark geändert haben. Unter Mao war China noch ein Nordkorea im Großformat, mit Wasserstoffbomben und Interkontinentalraketen. Davon ist man jetzt weg.

    Aber eine Regierung kann auch zu wenig Macht haben – und das erleben wir hier und heute. Denn die Macht an sich ist nicht aus der Welt, wenn die Regierung keine Macht mehr hat. Sie landet nur anderswo. In den Medien, bei Lobbyisten, bei Google oder wo auch immer.

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  4. Christian

    NEIN NEIN NEIN!!! Das muss alles so bleiben wie das ist. Wie kann denn der Lauer austreten!
    Vor 2 Monaten habe ich die Podcasts mit dem Herrn Lauer zum ersten Mal bewusst mir angehört. Damals mit „Der Lauers Büro der mich liebte“. In zwei Wochen habe ich mir dann alle Podcasts seit 2011 mit Lauer angehört. Da konnte man sich dann 2,5 Jahre Frustration im Schnelldurchlauf anhören. Die merkbefreiten apolitischen Knallchargen ohne Visionen haben in zermürbt. Wenn man das rückwirkend betrachtet hätte er doch noch ein wenig härter gegen seine einschlagsvernachlässigenden Hohlpratzen aus der Internet NGO schießen sollen, bzw. es gewaltig knallen zu lassen. Herumoppernde Vollprofis haben ihm jetzt den Rest gegeben. Oder doch nicht?
    Jetzt ist er weg.

    Nach gesammeltem Durchhöhren der über 20 Stunden Podcasts mit Lauer war klar: Entweder neue Partei innerhalb von 3 Monaten oder er ist erledigt. Nach dem ganzen Druck der mit der Münchner Rede gekommen schaltet der garantiert nicht wieder in den Kooperationsmodus runter.
    Man kann nur erahnen, wie Lauers Partei ausgesehen hätte. Allemal wäre sie aus Trotz zu seiner Leidensgeschichte bei den Piraten, mit selbigen nicht mehr vergleichbar.
    Lauers Büroraker läuft noch. Ich vermute bei 2,5 Stunden Laufzeit kommt nach den Rundumschlägen und Fehleranalysen wie meist nochmal nachdenkliche Worte. Obwohl es zu 90% immer um die Piraten und Berlin in Lauers Podcasts geht, meine ich rausgehört zu haben, dass er eine Vision für die Gesellschaft hatte und nicht für eine perfekte Partei. Die War nur Mittel. Die Genügsamkeit der anderen ging ihm da am meisten auf die Kette. Keine Konsequenzen, Konzepte, Lernbereitschaft und Strukturen.
    Wer eine Partei unter einem gesellschaftlichem Wandel abgleicht und hat auch nur deren Mittel um diesen herbeizuführen, der dreht so lange frei bis es peinlich wird. Sei es eine Vermittlungsproblematik für die Visionslosen oder sei es eine Alleingang bei dem niemand folgen kann.
    Wer werden es nie erfahren.

    Danke Christopher Lauer viel die Einsicht in die Arbeit eines Landesparlaments und die unterhaltsamen Reden. Jetzt bleibt mir nur noch Gysi.

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  5. a

    bei 1h 34 verwendet Herr Lauer das Wort „Fähigkeiten“ meint aber „Fertigkeiten“.

    Zum Thema Google:
    Man muss es nicht benutzen. Klar, wenn man es nicht benutzt ist es so, dass man auf schlechtere Suchmaschinen zurückgreifen muss. Aber deshalb Google zu verschlechtern, nur damit es dir passt, ist Bevormundung. Und das Argument von Herrschaft: Google kann ich mich entziehen, einfach nicht aufrufen, deiner Bevormundung jedoch nicht. Freiwilliges „Unterwerfen“ ist halt nicht Herrschaft, oder würdest du BDSM als solche bezeichnen?

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  6. Ursula Bub-Hielscher

    Da war sehr viel Nachdenkenswertes in Eurem Gespräch. Am stärksten hat mich die Frage nach den Auswirkungen der s.g. digitalen Revolution bewegt. Wie und wovon sind wir abhängig und beherrscht? Diese Frage stellt leider niemand. Jedenfalls nicht so, dass wir unser eigenes Verhalten in Frage stellen müssten.
    Eine Auswirkung, dass nämlich jede/r meint alles zu können und können zu müssen, das beobachte ich schon lange und die Konsequenz, dass solides Handwerk, wie es der Journalismus z. B. auch sein sollte damit verlorengeht. Das sich in seinem Talent zu üben und es reifen zu lassen, zu lernen wie will der Sinn dessen in Schulen eigentlich noch vermittelt werden?
    Jedenfalls vielen Dank für Euer Gespräch auch für die Einblicke in die Wirklichkeit der Berliner Politik.

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  7. Tobi

    Herrschaft des Systems Smartphone
    Die Aussage, dass wir uns dem iPhone praktisch unterworfen haben, bzw. es uns unterwirft, traf bei mir beim ersten Hören auf völlige Ablehnung. Als ich genauer darüber nachdachte, musste ich feststellen, dass ich dem Lauer schon wieder Recht geben muss.
    Jedenfalls ist es so lange der Fall, bis etwas Besseres das iPhone ablöst. Daher denke ich, dass es eine starke, aber zeitlich auf jeden Fall begrenzte Macht ist. Und genauer betrachtet ist das in allen Bereichen und war auch schon immer so. Die Dampfmaschine hatte uns schon im 18. Jh im Griff.
    Vielleicht ein Bespiel: Ersetzt man iPhone durch Elektromotor, so bleibt die inhaltliche Aussage exakt und völlig richtig. Als diese erfunden wurden, hat auch keiner an Roboter gedacht, die Operationen an offenen Herzen durchführen, zu denen kein Chirurg auch nur in der Lage wäre.
    Abschließend finde ich es legitim an dem System Kritik zu üben und Regeln zu verlangen, aber es zu verteufeln kann ich nicht akzeptieren. Ich glaube es gibt keine Alternative, die unterm Strich besser ist.
    Ich würde mich auf Antworten freuen, falls ich den Punkt missverstanden habe.

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  8. Pascal

    Mit jedem Podcast mit ihm steig mein Respekt für ihn.
    Wenn Politiker Handys wäre, wäre Christopher das Fairphone. Total transparent und mit ehrlicher Haltung, aber das Umfeld muss professionalisiert werden.
    Bitte weitermachen!

    Holgi, hast du das Pebble mal ausprobiert? Kam von mir.

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    1. D. Toumani

      Im Fairphone sind leider so wenige Prozente „fair“, das der Vergleich wenig schmeichelhaft ist.

  9. Jonas

    Danke für diese Sendungsreihe.

    Die Gedanken von Christopher machen mich immer sehr nachdenklich und ich finde es unglaublich traurig, dass jemand mit einer solch positiven Motivation kurz davor ist völlig desillusioniert und resigniert aufzugeben. Ich habe das Bedürfnis, ihm und anderen Menschen mitzuteilen, dass er nicht allein ist mit seiner Frustration, denn mir hat diese Sendung genau das gebracht.

    Einiges findet sich hier wieder, ich habe es aufgeschrieben, damit es verweisbar ist. Vor allem für mich.

    Versuch eines konstruktiven Kommentares:

    Ich habe eine Vision. Eine Vision von einer Gesellschaft an der jeder teilhaben kann, in der die Menschen glücklicher sind, weniger arbeiten müssen, sich gegenseitig (ver-)trauen, in der niemand Angst um seine Existenz haben muss. Eine Gesellschaft, in der die Menschen bestimmen, was Technik und Wirtschaft tun und nicht anders herum. Eine Gesellschaft in der wir wieder mehr im Einklang mit unserer Umwelt leben und in der sich jeder, ohne ein Auto oder viel Geld besitzen zu müssen, frei bewegen kann. Eine Gesellschaft, in der gute Bildung für alle selbstverständlich ist, wir gesünder leben und wir Menschen in Not aufnehmen und ihnen helfen. Eine Gesellschaft, in der wir informierte Entscheidungen treffen können und die Herausforderungen unserer Zeit mit Bedacht und Weitsicht gemeinsam angehen.

    Ich glaube viele Menschen teilen diese Vision. Ich glaube noch mehr Menschen würden diese Vision gerne teilen, wenn sie nicht bis zum Hals in alltäglichen Problemen stecken würden.

    Je nachdem wen man fragt, bekommt man völlig unterschiedliche Antworten, was denn die Probleme in Deutschland zur Zeit sind. Zum Beispiel, dass die AfD mit rechts-populistischen Forderungen bei Landtagswahlen zweistellige Wahlergebnisse einfährt. Zumindest ich habe da (aus verschiedensten Gründen) ein gewaltiges Problem mit. Fragt man einen NPD-Wähler, so ist es die angebliche „Überfremdung“ unserer Gesellschaft. Für einen arbeitslosen Arbeiter wiederum sind es die katastrophalen Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Teils sind es wirklich Probleme und teils ist die Einschätzung, welches denn angeblich bestehe, das tatsächliche Problem. Die Liste könnte endlos weitergeführt werden. Die Probleme liegen auf der Straße.

    Warum also löst sie niemand? Warum löst die Politik die Probleme nicht? Warum fordert die Bevölkerung nicht ein, dass die Politik diese wirklich löst, anstatt phrasendreschend Aktionismus zu betreiben?

    Um eine realistische Chance zu haben, ein Problem langfristig zu lösen, muss man zumindest einmal versuchen es zu verstehen.

    Ein Beispiel: Dass Menschen die AfD wählen, liegt ziemlich sicher zumindest in Teilen daran, dass viele Menschen Angst haben. Angst um ihre Existenz. Angst um ihre Existenz, weil sie Angst um ihren Job haben (müssen). Weil viele zudem keine ausreichende Bildung genossen haben (weil sie keine ausreichende Bildung genießen konnten) und durch diese Mischung Fremdenhass, der mal mehr und mal weniger subtil auch durch Medien und Politik transportiert wird, einen dankbaren Nährboden findet, wählen diese Leute die AfD. Weil sie unterschwellig die Angst vor Überfremdung anspricht und im Gegensatz zur NPD gesellschaftlich akzeptiert ist.

    Allein dieser wohlgemerkt sehr vereinfachte Erklärungsansatz bietet dutzende Anhaltspunkte zu weiteren Problemen, die gelöst werden müssen. Klar, unendlich ausdifferenzieren geht nicht, sonst lässt sich nie ein sinnvoller Lösungsansatz finden, aber das ist die komplexe Welt in der wir leben. Und da fange ich noch gar nicht an damit, dass das ja vielleicht alles so ist, weil Menschen Parteien wie die AfD wählen, anstatt wirkliche Alternativen zu suchen und deshalb niemand etwas an diesen Problemen ändert, und deshalb die Leute Parteien wie die AfD wählen anstatt wirkliche Alternativen zu suchen und deshalb niemand…und so weiter.

    Wenn niemand erkennt, niemand ausspricht, was das Problem ist, lässt es sich auch nicht lösen.

    Die Politik scheint solch komplexe Probleme nicht adressieren zu können

    Die Politik kann solch komplexe Probleme nicht adressieren, weil unser politisch/gesellschaftlich/wirtschaftliches System dazu nicht ausgelegt ist.

    Das System muss also angepasst werden.

    Nur wer soll das tun? Denn es ist kaum möglich, in die entsprechenden Strukturen vorzudringen um etwas zu ändern. Auf dem Weg dorthin wird mit „ja, aber“ und „ja, aber warum du?“, durch Verkürzung und falschen Kontext, durch Boulevard und Ressentiments so lange alles neutralisiert, bis nichts substantielles mehr übrig bleibt. Menschen scheitern daran und geben am Ende zynisch und resigniert auf.

    Das Problem ist, dass es nicht genügend Leute gibt, die in der Lage sind, zu erkennen, (dass es nicht genügend Leute gibt, die in der Lage sind, zu erkennen,) dass es zumeist nicht das eine Problem™ gibt, welches es zu lösen gilt (wie bei einer Maschine, bei der man ein kaputtes Bauteil austauscht und dann funktioniert sie wieder), sondern dass das Problem in Wahrheit zumeist aus einer Reihe problematischer Faktoren besteht, die sich gegenseitig bedingen (und zuweilen auch sich selbst).

    Am Ende des Tages hilft nur (politische) Bildung und Sozialisation, mehr Menschen in die Lage zu versetzen, die Welt in ihrer Komplexität zu erfassen und die Lösung nicht in unterkomplexen und völlig ungeeigneten Heilsversprechen zu suchen. Also mehr Bildung? Auch. Aber vorallem: bessere Bildung.

    Ich könnte jetzt aufhören und es wäre eine Lektüre, die noch einmal erklärt, warum Bildung eine gute Sache ist und langfristig das Potential hat die meisten unserer Probleme zu lösen.

    Nur würde das nichts ändern. Denn eigentlich wissen wir das alle ja schon.

    Und nun?

    „Das Problem ist, dass es nicht genügend Leute gibt, die in der Lage sind, zu erkennen, (dass es nicht genügend Leute gibt, die in der Lage sind, zu erkennen,) dass es nicht das eine Problem™ gibt, welches es zu lösen gilt,[…]“

    Es steht dort doppelt und aber insbesondere Klammern, weil ich glaube, dass es genügend Leute gibt, die erkennen, dass, wenn wir nicht völlig die Kontrolle über unsere Gesellschaft, unser Leben und die Technik die dieses heute schon zu großen Teilen bestimmt, verlieren wollen, weil irgendwann niemand mehr versteht was eigentlich passiert und schon gar niemand mehr etwas daran ändern kann, es mehr Menschen braucht, die sich dessen bewusst sind, die sich dessen bewusst werden können weil sie die Möglichkeiten dazu haben.

    Also müssen diese Menschen irgendwie zusammenfinden und eine Vision entwickeln. Einen Plan. Und vermutlich eine Partei gründen.

    Wie so etwas funktionieren kann? Schwierig. Ein Beispiel aus einem ungleich kalkulierbareren Feld: Elon Musk, unter anderem Gründer von Paypal und Spacex, schrieb im Jahre 2006 einen Blogartikel mit dem Titel „The Secret Tesla Motors Master Plan“, in dem er seinen Plan beschreibt, mit Hilfe von Tesla Elektromobilität massentauglich zu machen um letztendlich einen Beitrag zur Rettung des Klimas beizutragen. Er bricht ihn am Ende auf folgende 4 Punkte herunter:

    1. Build sports car
    2. Use that money to build an affordable car
    3. Use that money to build an even more affordable car
    4. While doing above, also provide zero emission electric power generation options

    Heute im Jahr 2014 steht er mit der bald erwarteten Ankündigung des „even more affordable car“ kurz vor der Vollendung seines Planes.

    Es braucht einen Plan. Pläne können sich ändern und Politik kann niemals das Richtige™ tun, sie muss tun, was sie für richtig hält. Ich bin kein Politiker, aber ich halte dies für richtig:

    Ein Weg um der Vision einen Schritt näher zu kommen:

    1. Eine Gruppe gleichgesinnter finden und zusammenbringen
    (2. Eine Partei gründen)
    (3. Das System in die Lage versetzen, sich zu verändern)
    (4. Währenddessen die öffentliche Diskussion beeinflussen und kleine Schritte in Richtung Vision gehen)

    Zumindest Schritt 1 muss passieren, denn wenn niemand da ist, der auch nur die Absicht hat etwas zu verändern, wenn es nicht eine Gruppe von Menschen die zumindest denkt was möglich ist, wird sich nichts verändern. Womöglich kommt man letztendlich auch zu einem völlig anderen Schluss oder gibt irgendwann auf, doch ich finde man muss es zumindest denken, es zumindest versuchen.

    Die Piratenpartei war auf einem guten Weg, so dachte ich zumindest, aber am Ende noch nicht einmal in der Lage, sich selbst anzupassen. Sie ist ein Lehrstück dafür, was auf diesem langen und beschwerlichen Pfad alles falsch gemacht werden kann, wie naiv man sein kann. Doch am Ende war sie wahrscheinlich zum Scheitern verdammt. Weil niemand von Anfang an einen Plan hatte.

    Ich würde es gerne versuchen, wenn auch nur um am Ende sicher zu sein, dass den Menschen nicht mehr zu helfen ist und dann für sich Schlüsse daraus zu ziehen. Aber ich glaube, es ist möglich.

    twitter.com/raumgreifend

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  10. Filter

    Ich wünsche dem Herrn Lauer eine gute Genesung. Für mich sieht da so aus, dass ihn die letzten fünf Jahre sehr mitgenommen haben und dieser Austritt auch nicht leicht war. Eine emotionale Bindung zu all dem Erreichten ist sicherlich noch vorhanden, auch wenn er es nicht zugeben mag.

    In der Zukunft wird sich da ja bessern und dann hat Herr Lauer vielleicht auch (wieder?) eine optimistischere Meinung zum Internet. Immerhin kann ich mir (nur) durch das Internet so eine Sendung anhören, das finde ich ziemlich großartig. 🙂

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    1. defu76

      Hallo, ich kann mich den Aussagen von Filter nur anschließen. Dieser Reihe zuzuhören macht mich nachdenklich, und auch, wenn ich nicht immer mit dem Herrn Lauer einer Meinung bin, stößt er mich doch laufend zum Denken an.

      danke dafür

      Dennis

  11. A.Nym

    Kommentar zu ~(2h:26m:36s) „Es gibt kein versehentlich im Ton vergreifen ..“

    Auch wenn Herr Lauer sehr sinnvolle Gedanken einbringt, was bei den Piraten schief gelaufen ist und läuft, gibt es bestimmte Äußerungen die auf ein sehr geringes Maß an Selbstreflexion hinweisen, und vorallem des nicht-bemerkens, dass vieles was er am Verhalten und Umgang seinen Partei-Widersachern kritisiert, Teil seines eigenen Äußerungs- und Handlungsspektrums ist.

    Um das ganze in einen „netizentauglichen“ Kontext zu bringen. Im „Internet der frühen Tage“ gab es dafür den Ausdruck „merkbefreit“.

    Sehr deutlich wird das beim Fortgang des Kommentars „es gibt kein versehentlich im Ton vergreifen .. und ich sage ja auch nicht Du Arsch“. Stimmt er sagt z.B. nur „die Ärsche von der CDU“.

    Aber besonders vor dem Hintergrund des SMS-Verkehrs mit Herrn Ponader dessen Inhalt – soweit ich es mitbekommen habe – auch nicht von Herrn Lauer angezweifelt wird, zeigt sich, dass Herr Lauer hier von allen anderen etwas einfordert, was er selbst nicht bereit ist Anderen zu gewähren.

    Und zwar Respekt gegenüber Anderen – oder auch zu bemerken, wann man einfach mal zu weit gegangen ist und bestimmte Dinge einfach mal gerade zu biegen, denn Ausraster passieren jedem, die Merkmale für Respekt sind jedoch a.) wie häufig und b.) wie man damit umgeht.

    Aber von der Selbstironie zwischen – überspitzt formuliert – Ablehnung von Hartz4 für Herrn Ponader und Zustimmung zum BGE einmal ganz abgesehen.

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  12. bernhard

    Also bezüglich der Gewaltschutzambulanz kann ich nur widersprechen. Und im Gegensatz zu den Sprechern hier, die sich als Fachexperten in Sachen Rechtsmedizin geben, habe ich bereits in der Rechtsmedizin gearbeitet und auch in einer Gewaltschutzambulanz eine längere Famulatur gemacht. Bsp.: Ich möchte mal die Frau sehen, die vergewaltigt in eine Gewaltschutzambulanz geht…diese Frau geht in die Klinik, dort kann sie dann forensisch untersucht werden und alles dokumentiert werden. In einer Gewaltschutzambulanz ist so etwas mit den vorhanden Geräten gar nicht möglich, da vor allem in erster Reihe erst mal die Wundversorgung im Vordergrund steht und das in einer Gewaltschutzambulanz nicht möglich ist, und auch die Rechtsmediziner gar keine Gynäkologen sind!! Gewaltschutzambulanz ist ein schönes populistisches Thema, das sich Herr Lauer da rausgesucht hat, aber alle Angaben von ihm sind falsch, Herr Lauer ist weder mit dem Thema vertraut, noch hat er eine medizinische Ausbildung oder hat je mit Rechtsmedizinern geredet. Und ebenso gibt es genug Rechtsmediziner die zu Interviews bereit sind, man siehe Youtube, also auch die Aussage, das hier etwas vertuschelt wird ist falsch. Siehe doku: ZDF: Rechtsmedizin, Mediathek. Z.b. war die Presse in der Gewaltschutzambulanz Heidelberg, hat alles gefilmt und dokumentiert, samt Minister, ….also hier eine Intrige gegen den Justizminister zu schürren halte ich für großen Mist, Gewaltschutzambulanzen sind auch für die Presse möglich zu besichtigen (siehe google)….Nette zwei Moderatoren, aber wirkliche Fachkompetenz im Thema rechtsmedizinische Forensik scheinen beide nicht zu haben, aber das Thema klingt halt gut, und eine Intrige darin zu sehen noch besser.

    Ich persönlich, und das ist meine ganz ganz eigenen Meinung , empfinde es als positiv, das Herr Lauer in naher Zukunft kein politisches Amt mehr inne hat. Er selbst sagt, das er stark polarisiert …ich persönlich ziehe Menschen mit Fachkompetenz vor, die sich weniger versuchen zu profilieren, dafür aber mehr Erfahrung aus Berufsleben und vor allem Erfahurngen aus Wissenschaft und Forschung in die Politik bringen.

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  13. Christian Berger

    Also da muss ich schon mal was gegen den „Internetpessimismus“ sagen. Das Internet hat sehr wenig mit Produkten wie der iWatch oder Facebook zu tun. Meiner Ansicht nach, sind diese Produkte sogar der Versuch die Welt zurück in die frühen 1990ger zu drehen, als es noch populäre „Online-Dienste“ im Sinne von BTX oder Compuserve gab. Diese Dienste hatten eine klare Unterscheidung nach Nutzern und Anbietern. Im Internet war das schon immer anders. Da kann jeder einen Server hinstellen und zum Anbieter werden. Und im Gegensatz zu Onlinediensten in denen es ein Abrechnungssystem gab, gab es im Internet auch nie den Anspruch damit Geld zu verdienen.

    Erst mit der zunehmenden Kommerzialisierung des Internets hat sich das geändert, und besonders als „Walled Gardens“ wie Facebook u.Ä. entstanden. Einer der drastischen Schritte weg von der offenen Kultur des Internets sind mobile Betriebssysteme bei denen man noch nicht mal mehr bestimmen darf, welche Programme das Gerät ausführen darf.

    Das ist eine Gegenbewegung zum Internet, nicht das Internet. Facebook nimmt nicht am Internet Teil, Facebook nutzt nur die Infrastruktur des Internets. Das Internet ist so viel mehr als das, was einem verkauft wird.

    Das Problem ist meiner Ansicht nach eher ein Bildungsproblem. Wir haben es versäumt eine Generation auf den Computer vorzubereiten. Wir haben eine Generation heran gezogen, die nicht in der Lage ist sinnvoll mit der Technik umgehen zu können, die nicht in der Lage sind sie zu beherrschen.
    Wir haben begriffen, dass (quasi) jeder lesen und schreiben können muss um das Medium „Buch“ sinnvoll nutzen zu können, wir haben aber noch nicht begriffen dass (quasi) jeder Code lesen und Code schreiben können muss um das Medium „Computer“ sinnvoll nutzen zu können. Die Antwort der Industrie darauf ist, einfach Kisten zu produzieren die Werbung und bunte Bilder anzeigen, oder die Benutzer ausspionieren damit man besser Werbung anzeigen kann. Computer sind das nicht mehr.

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    1. Christian Berger

      Vielleicht als zusätzliche Anmerkung: Natürlich sind weite Teile Googles auch „Internetfeindlich“, wobei aber Google auch das „internetfreundliche“ Teile hat. Google ist da noch irgendwie ein Zwitter, auch weil die wirklich ja das Web und somit einen Teil des Internets, durchsuchbar machen.

    2. Christian Berger

      Das „echte und wahre Internet“ ist das was wir daraus machen. Das Internet ist ähnlich wie das Telefonnetz nur dezentral. Ein typisches Beispiel ist E-Mail. Es gibt Millionen von E-Mailservern und trotzdem kann man problemlos beliebig E-Mails verschicken. Niemand könnte E-Mail abschalten. Ja die dunkle Seite davon ist Spam, aber verglichen mit Google-Mail, bei dem eine zentrale Instanz alle E-Mails verarbeitet, hat das enorme Vorteile. Da man seine E-Mailkonto selber bezahlen kann (wir reden da von cents pro Jahr) gibts auch nicht das Problem, dass man irgendwie abhängig ist.

      Das Internet soll man dafür gebaut worden sein, einen Atomkrieg zu überleben, mehr und mehr verwandeln es aber die Leute in etwas, das schon durch den Ausfall einzelner Firmen ernsthaften Schaden nehmen kann. Das ist nicht im Sinne des Internets. Es darf nicht sein, dass eine Webseite Javascript von Dutzenden von anderen Dienstleistern braucht. Es darf nicht sein, dass Webseiten externe Analysewerkzeuge einsetzen, und somit persönliche Daten an Dritte schicken.

      Das Internet ist dafür gedacht, dass A direkt mit B kommunizieren kann. Egal wie, egal wann. Ich kann einen Webserver oder ein MUCK aufsetzen und die Leute können darauf zugreifen. Das ist einfach da. Ich muss niemanden dazwischen um Erlaubnis fragen oder irgendwo ein Konto haben, oder Werbung von einer anderen Firma laufen lassen. Ich muss nur meine Internetanbindung und meinen Computer zahlen. Meine Freiheit schließt auch ein, dass ich meine eigenen Protokolle verwende oder ganz neue Dinge mit dem Internet mache. Das ist das „echte und wahre“ Internet. (obwohl ich den Ausdruck nicht mag)

    3. Peter

      Danke für den Gedanken, die Situation als Bildungsproblem zu sehen! Je mehr ich drüber nachdenke, umso mehr teile ich diese Meinung.

  14. Susanne

    wg. Trollen und deren gestörter Selbst/RealitätsWahrnehmung:
    Bitte bitte nie sagen/denken: Warum bringen die sich nicht um?
    Ich weiß, wie es gemeint war, aber diese Worte sind barbarisch.

    Antworten
  15. Ralfi

    Bin sonst eher skeptisch bei den Lauerinterviews, aber dieses war wirklich gut, besonders der zweite Teil bei dem es nicht um die Piratenpartei ging, sondern grundsätzlicher um gesellschaftliche Veränderungen. Eine Frage: gibt es einen Grund, warum ihr diese Geschichte (http://www.tagesspiegel.de/berlin/austritt-des-berliner-landeschefs-piraten-bundeschef-bestaetigt-ordnungsmassnahme-gegen-lauer/10728972.html) gar nicht thematisiert habt? Oder war das nur der Tatsache geschuldet, dass das Interview geführt wurde, bevor das rauskam?

    Antworten
    1. holgi Artikelautor

      Der Körner würde sich zwar bestimmt gerne einbilden, dieser Quatsch hätte zum Austritt geführt, aber ich mache das nicht und finde es darum auch nicht der Rede wert. Und dass der Tagesspiegel gerne nachtritt… mei…

    2. Ralfi

      Alles klar. Ich finde es zwar ein bisschen parteiisch, diesen Aspekt dann nicht mal anzusprechen (obwohl es halt „medienrelevant“ ist), andererseits aber auch ehrlich und transparent von dir, dass du hier so klar Stellung dazu beziehst. Daher vielen Dank für die Information!

  16. Andreas

    Danke für diesen Podcast.

    Ich möchte allerdings zu eurer Technologiekritik und die Abhängigkeit von Apple, Amazon, Google und Co. etwas anmerken:
    Wo seht ihr den Unterschied zwischen der Abhängigkeit von iPhone, Internet und der Abhängigkeit von Waschmaschine, Fernseher, Mikrowelle, einem Elektroherd oder gar vom Strom aus der Steckdose? Das gilt natürlich auch für andere Bereiche wie Essen aus der Tüte oder gar Supermärkten an sich. Das hört sich vielleicht alles etwas extrem an, aber mir Fällt es extrem schwer hier eine Objetive Abgrenzung zu finden. Ist das was Ihr kritisiert nicht zu großen Teilen dass, was in unserer Gesellschaft wohl als „Fortschritt“ bezeichnen würde?
    Für mich ist es jedenfalls schwer einen objektiven Unterschied zwischen der Abhängigkeit von Strom und Wasser aus der Leitung und der von Smartphones und Internet zu erkennen… Wenn es Ihn gibt, helft mir und erklärt ihn mir.

    Antworten
    1. Olli

      Hallo Andreas,

      einen objektiven Unterschied gibt es meiner Meinung nach in der Komplexität. Strom und Wasser sind einfach, nutzt man halt wenn’s grad gebraucht wird. Smartphones und Internet erfordern mehr, vereinnahmen einen und sind sogar Rückkanal-fähig. Außerdem passierte viel technologisch-revolutionäres allein den letzten 10-20 Jahren wohingegen „früher“ die einzelnen Fort-schritte z.T. Generationen überdauern konnten.

      Meine Leseempfehlung hierzu: in seinem Buch „What Technology Wants“ (leider nur in Englisch verfügbar) erzählt Kevin Kelly zunächst anhand der Historie, später dann auch im Ausblick, wie Technologie als Ganzes unser Leben schon immer bestimmt hat und bestimmen wird. Er erfindet den Oberbegriff „Technos“ dafür.
      Aus der amazon Kurzbeschreibung: „Kelly presents a radical view of technology as a billion-year complex system greater than the sum of its gadgets, devices, and material goods.“
      Allein die Beschreibung der Lebenseinstellung zu Technologie der Amish people ist die Lektüre wert*
      Kelly treibt es allerdings sehr weit, indem er dem Technos quasi einen eigenen Willen attestiert. Aber an dieses Buch musste ich sofort denken, als Lauer seine Technologiekritik äußerte. Das Gefühl zu haben, von der Technik beherrscht zu werden, ist immer häufiger zu beobachten.

      Gruß,
      Olli

      * Automobile z.B. werden von den Amish nicht selbst gefahren, aber ihre Pferdekutschen dürfen schon aus Karbonfasern sein 🙂

  17. Dr. Azrael Tod

    Meine Fresse.. wo fang ich an?
    In der Sendung wurde ja viel gesagt, nicht alles davon ist falsch oder gar völliger Blödsinn, aber so einige Stellen… da wird mir übel ‚von.

    Schön wie Lauer feststellt dass er oder wer auch immer von Apple abhängig ist. Ja, das ist erwünschte Funktionalität und kein Bug. Nein, das bedeutet nicht dass man jetzt als Politiker auf Landes-(/Stadt-)Ebene die Frage stellen soll „wollen wir dieses Internet (oder Technologie per se) wirklich?“.
    Das ist so weit Thema verfehlt, dass mir jede Beschreibung dafür fehlt.

    a) das hat mit Piratenpartei so gar nichts zu tun (auch wenn sie sich selbst gerne als Internetzpartei betrachtet, weil da ein paar dutzend Hipster drin sitzen die denken sie hätten eine grobe Ahnung dass Internet eine Kombination aus HTTP und Apple sei)
    b) Landesebene ist halt nicht Weltebene
    c) kauf halt keinen Technikscheiß der dich abhängig macht! Es ist ja nicht so als gäbe es nur unfreie Monopolistenkacke und sonst hätte noch nie jemand ein Stück Soft-/Hardware entwickelt. Richard Stallman mag menschlich fast so unerträglich sein wie Lauer, aber in dem Punkt hat er halt einfach schon vor 20 Jahren gesagt was die Hipster in den nächsten 10 Jahren erst schmerzhaft lernen werden.

    Und bevor jetzt jemand zu c sagt „aber es gibt ja nichts anderes!“… Na offensichtlich doch. Wenn morgen Apple, Amazon und Google sterben, lösche ich ein paar Dutzend Programme von meinem Telefon und muss vlt. auf ein paar bunte Spiele verzichten. Es wird aber weiter funktionieren.
    Das weiß ich weil ich es ausprobiert habe und schon immer bewusst darauf achte freie Software zu verwenden.

    Auch schön „Früher hat man sich in die Kneipe gesetzt und geredet, da brauchte man kein Telefon“
    Früher waren auch die Leute die „früher war alles besser“ sagten unterhaltsamer.

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    1. Gunnar

      Du glaubst doch nicht ernsthaft das Apple, Google und Amazon sterben werden?
      Und wie sieht deine ideale Internetwelt aus?

    2. Dr. Azrael Tod

      Du glaubst doch nicht ernsthaft das Apple, Google und Amazon sterben werden?
      Und wie sieht deine ideale Internetwelt aus?

      Ich rechne nicht gerade fest damit, nein.
      Aber man hat schon weit seltsamere Sachen gesehen. Firmen gehen alle Nase lang pleite, werden verkauft oder hören einfach auf bestimmte Produkte herzustellen.
      Ich halte es durchaus für möglich dass die großen Firmen nächstes Jahr einfach mal sagen „oh dieses neue Gesetz in .de stört uns, da wird es einfacher alle IPs aus dem Land zu sperren“ oder dass GMail/iCloud/Whatever eingestellt und durch was anderes ersetzt wird.

      Ein schönes Beispiel wären Spiele für die Wii/3DS(i). Da hat Nintendo Mitte diesen Jahres einfach mal die Server für fast alle Online-fähigen Spiele abgeschaltet. Beide Geräte werden noch aktiv hergestellt und verkauft.

      Der Punkt ist: man sollte damit rechnen dass irgendein Dienst irgendeiner Firma nächste Woche abgeschalten werden kann. Bei mir bedeutet das im schlimmsten Fall dass ein paar Spiele weg sind und ich stärker Accounts auf meinen Serverdiensten an Bekannte verteilen muss.
      Ich weiß nicht was den iJüngern passiert wenn Apple-Dienste großflächig weg sind. Ich vermute aber mal die Antwort lautet „nicht mehr viel“.

    3. Christian Berger

      Also Apple und Co werden mit Sicherheit irgendwann mal sterben, wann das aber ist, weiß niemand. Der Punkt ist aber, dass sich viele Leute in eine völlig unnötige Abhängigkeit zu solchen Firmen begeben. Selbst wenn Facebook noch lebt, was hindert die daran plötzlich Geld für bestimmte Dinge zu verlangen? Wir dürfen solche Firmen nicht als Infrastruktur sehen.

    4. Gunnar

      Es muss doch immer Firmen geben, die Dienste zu Verfügung stellen. Ich habe nicht die Zeit und den Nerv mir eine eigenen Server aufzusetzen und zu betreiben. Es wird doch auch immer Firmen geben, die populär sind oder werden. Google ist doch auch von unten gekommen.

      Es dreht sich doch irgendwie alles im Kreis. Oder?

    5. Dr. Azrael Tod

      Es muss doch immer Firmen geben, die Dienste zu Verfügung stellen.

      <Loriot> Ach?

      Kannst du den Blödsinn auch begründen?

      Ich habe nicht die Zeit und den Nerv mir eine eigenen Server aufzusetzen und zu betreiben.

      Ja, dass du faul, unfähig oder sonstwas bist, ist halt dein Problem. (um es mal polemisch auszudrücken). Mit „es muss doch aber“ hat das aber nichts zu tun.

      Es wird doch auch immer Firmen geben, die populär sind oder werden. Google ist doch auch von unten gekommen.

      Was du halt völlig übersiehst ist der Punkt auf den ich hin wollte:
      Egal ob du, Google, Apple oder „Schwuppdidu Inc“. in 10 Jahren die Dienste betreiben soll die du mit deinem Telefon benötigst, es sollten offene Protokolle sein.
      Den E-Mail-Server der unter einer Domain (die im Idealfall dir gehört) auszutauschen ist schon heute kein Problem. Das kannst du dir auch bei GMail mit 2-3 klicks einrichten. Das selbe gilt für Dienste wie XMPP, CalDav oder diverse Web-Sachen.

      Im Gegensatz für geschlossene/zentrale Systeme wie z.B. Dropbox, Hangouts, iMessage oder Apples/Googles/Amazons Wolkendienste: Wenn die nächste Woche dicht machen oder dich ganz persönlich nicht mehr reinlassen, dann musst du nicht nur den Server und evtl. etwas Config austauschen, sondern du musst dir komplett eine neue Lösung suchen.
      Du kannst schlicht nicht den eingebauten Client auf deinem Telefon mit einem neuen Server verwenden.

      Der Punkt ist nicht dass du jeden Scheiß selber machen sollst, sondern dass es die Möglichkeit geben soll Dinge selbst zu tun. Mein Telefon kann ich wie gesagt völlig ohne Google-Server betreiben. Ich bekomme Software in der Regel eher von FDroid, chatten läuft über XMPP (Conversations ist ein toller Client), Mail-Server läuft was auch immer ich gerade für richtig halte und statt Dropbox läuft Seafile auf meinem Server.
      Das muss in 10 Jahren nicht mehr so aussehen. Ich könnte z.B. auch statt meinem Server plötzlich zu Google wechseln. Der Punkt ist aber: ich kann wechseln!

    6. Oliver K.

      Es ging doch nicht um spezielle Dienste, sondern darum, was Dienste dieser Art mit der Gesellschaft machen. Die beschriebenen Probleme gibt es auch, wenn ich irgendwelche offenen Technologien einsetze, denn es geht um die Technologie an sich, nicht um denjenigen, der sie implementiert. Und es geht auch nicht um Waschmaschinen – die uns Arbeit abnehmen – sondern um den Nutzungszwang, den uns diese Geräte aufdrücken.

      Wir sind psychologisch nicht so weit, diese Geräte zu benutzen und die Hersteller nutzen unseren Mangel aus, um stärkere Abhängigkeit zu erzeugen. Ich kenne Leute, die kriegen pro Minute mindestens eine Instagram-Benachrichtigung, deren gute Laune abhängig ist von der Bestätigung aus Social Networks und die, wenn sie mit Leuten unterwegs sind, mehr Zeit mit ihrem Smartphone verbringen als mit diesen Leuten.

      Außerdem sind wir dabei, unsere Gesellschaft so umzubauen, dass sie ohne diese Geräte und ohne Internet nicht mehr oder kaum mehr funktioniert. Ohne die Technologie zu leben ist nicht mehr so einfach wie 1990, weil die Technologie die damals vorhandene Infrastruktur getötet hat oder dabei ist, sie zu töten.

      Es findet keine Technologiefolgenabschätzung statt. Oder, böswillig formuliert, sind wir gerade Bestandteil eines Experiments, die Folgen abzuschätzen. Ich vermute, die, die von außen unsere Testumgebung kontrollieren, lernen daraus und entwickeln eine Welt, in der Technologie den Menschen hilft und sie nicht abhängig macht und ihrer Kreativität beraubt.

  18. David

    Spontaner Gedanke beim zweiten hören:
    Wenn niemand mehr bereit ist, sich 1,5 Stunden Argumentation anzuhören (bei Stunde 1:27) – wieso kannst du dann von Wrint einen Teil deines Lebensunterhalts bestreiten? Ich werde die Vermutung nicht los, Dass es sehr viele sehr interessierte Menschen gibt, denen aber nichts mehr zugetraut wird. Verkürzt: Berater und Spezialexperten rennen durch die Medien und erzählen, Dass ein Interview so und so zu führen ist, man muss alle mitnehmen, bloß nicht zu politisch – das interessiert Die Mitte Oder Die Zielgruppe nicht etc pp. Als Resultat bekommen wir 5mal Die Woche Markus Lanz.
    Nun ist Konzentrationssteuerung und Aufmerksamkeit und was man alles braucht Aber etwas, was man trainieren muss. Früher machte man sowas zu mindest in der Schule und an der Uni, Aber nach meinem Gefühl nimmt auch das rapide ab. Man traut den Menschen nichts mehr zu und bekommt Eine wunderbare self-fulfilling-prophecy: eigentlich interessierte Menschen sind nicht mehr in der Lage dazu, langen Debatten zu folgen und schauen Markus Lanz.
    Ich finde das auf 2 Ebenen Eine „bessere/schönere“ Sicht: 1. Sie wird den Menschen als Wesen in sozialen Kontexten gerechter. Ich finde es nicht sinnig, jedem Faul- und Dummheit zu unterstellen, wenn wir unser Bildungssystem, Hartz4 samt Konsequenzen etc. anschauen – ähnlich Wie Christopher bzgl Straftätern argumentierte. 2. Schuld sind nicht die bösen Systemmedien Oder das staatsgelenkte öffentlich-rechtliche System (vgl $Verschwörungstheorie) sondern Die nervigen, marodierenden Berater.

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    1. Pascal

      Das ist ein guter Punkt. Ich kenne genug Leute, denen auch Artikel in den gängigen Print- und Onlinmedien schlicht zu kurz und zu wenig tiefgehend sind. Und man spürt manchmal fast förmilich hinter dem Artikel die Berater und Coaches, die raten: „keep it simple/casual“. Und am Ende hat man die x-te Version einer leicht angereicherten Agenturmeldung, die nichts Neues zur Diskussion beiträgt. Im Zweifelsfall wird dann noch der Inhalt so überspitzt, entkontextualisiert und verzerrt, dass man auf jeden Fall ein Skandälchen produizeren kann, um Lesen anzulocken.
      Dabei gibt es eben auch einige Leute, die sich gern konzentriert und umfassend für ein Thema begeistern können und dies differenziert betrachten wollen.
      Da sind Podcasts schon ein echter Gewinn, für den ich auch bin bereit bin zu zahlen. Zum Beispiel achtizig Stunden über Ghengis Khan in aller Breite zu hören: Ein Hochgenuss.

  19. Manuel

    Mir erschließen sich diese ganzen Diskussionen darüber, ob das Internet oder das iPhone oder sonst irgendwas vom Menschen beherrscht wird oder doch eigentlich den Menschen beherrscht nicht so ganz.
    Es wird da irgendwie darüber argumentiert, dass wir uns ja dieser Sachen nicht einfach so entledigen könnten und dergleichen – das ist dann aber doch ein einfaches Abhängigkeitsverhältnis, das per se nichts besonderes ist. Wenn man ein solches Verhältnis für problematisch hält muss man erst einmal erklären, was an der Abhängigkeit vom iPhone anders ist als an der immer schon dagewesenen Abhängigkeit von z.B. Sauerstoff, Wasser, Kohlenhydraten etc., die ja keiner als Problem in dieser Weise bezeichnen würde. Das Problem liegt dann also wahrscheinlich in einem anderen Faktor begründet als in dem der Abhängigkeit, der durch derlei Bilder dargestellt wird.

    Und wenn man sich fragen muss, wer in der Beziehung Mensch-Technik oder Mensch-Internet oder Mensch-Kartoffel Herrscher und Beherrschter ist, muss man sich erst einmal fragen, wann man jemanden als Herrscher oder als Beherrschten bezeichnen kann. Ich glaube, es ist grundsätzlich für eine Sache unmöglich, Herrscher zu sein.

    Herr eines anderen zu sein bedeutet ja in gewisser Weise, ihm seinen Willen aufzwingen zu können. Dafür muss man aber erst einmal einen Willen haben (genauer gesagt: einen freien Willen, da einen unfreien Willen zu haben bereits implziert, von einem anderen „Herrscher“ fremdbestimmt zu sein). Da – soweit ich weiß – allein Menschen träger eines freien, oder, was das selbe ist, eines autonomen Willens sind, kann auch nur von Menschen ausgesagt werden, sie beherrschen einen anderen. Nur Menschen können selbstbestimmt handeln, sich Zwecke setzen, und zu diesen Zwecken nötige Mittel nutzen. Das Internet oder die Kartoffel kann das nicht. Insofern macht es überhaupt keinen Sinn, in Bezug auf diese darüber zu spekulieren, ob wir sie oder sie uns beherrschen. Es liegt im Begriff einer Sache, die keinen autonomen Willen hat, dass sie notwendig fremdbestimmt ist, da sie sich qua Mangel eines autonomen Willens nicht selbst bestimmen kann. In einer Beziehung zwischen einer Sache, die einen freien Willen hat und einer, die keinen hat, ist, wenn man überhaupt von einer Herrscher-Beherrschter-Beziehung sprechen kann, notwendig erstere der Herrscher und letztere der Beherrschte.

    Es ist möglich, dass Menschen sich über den richtigen Gebrauch von Technologien täuschen, also dass sie z.B. nicht erkennen, dass ihnen die Benutzung von Google oder Facebook mehr schadet als nutzt (wenn das denn so ist). Es kann auch sein, dass die Betreiber bestimmter Dienste Macht über die Nutzer gewinnen. Aber dann ist das ein Problem zwischen Menschen und nicht eines zwischen Menschen und Maschinen (auch wenn letztere darin durchaus relevant sein können). Das Internet ist an sich einfach mal ein Werkzeug. Es agiert nicht selbst, kann aber von den Menschen, die es beherrschen zum ausüben von Herrschaft über andere Menschen benutzt werden. Dann sind aber jene Menschen das Problem und nicht das Internet.

    Darin finde ich haben die „Post-Privacy-Theoretiker“ teils einen richtigen Ansatz, wenn sie nämlich von der Annahme ausgehen, dass die Technologie nun einmal da ist, wahrscheinlich nicht mehr weggehen wird, und wir uns jetzt eigentlich darum kümmern sollten in der Gesellschaft den richtigen Umgang mit der Situation immer mehr zurückgedrängter Privatsphäre zu finden.

    Ethik betrifft (fast) immer den Umgang von Menschen mit Menschen. Das Internet ist nicht gut oder böse. Das kann es gar nicht sein, denn es hat ja gar keinen (freien) Willen. Die Kartoffel auch nicht. Es ist ja nicht der Zweck der Kartoffel, dass der Mensch dafür sorgt, dass sie möglichst weit verbreitet wird. Der Mensch nutzt Internet und Kartoffel, und es ist gar nicht denkbar, dass das Internet oder die Kartoffel den Menschen nutzen sollte, sie handeln ja gar nicht, sondern sind ihrem Wesen nach fremdbestimmt.

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  20. André

    Irgendwie bin ich aber doch gespannt, wie diese gesäuberte „sozial-liberale“ Piratenpartei, auf die es nun hinaus zu laufen scheint, dann aussehen wird und was die so machen werden, wenn sie „gewonnen“ haben.

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  21. Mona

    Warum jammert Lauer immer in Wrint? Ich würde mir wünschen, dass er auch was vom Tagesgeschehen in der Politik erzählt; wie, was und warum gemacht wird. Aber doch nicht wieder mal, dass die ganze Welt sich gegen ihm verschworen hat um ihn zu kränken.

    Antworten
  22. kalei

    Hallo Holgi,

    Nach Durchhören bisher aller Lauers Büros hoffe ich, dass dies nicht die letzte Folge in diesem Format war. Es zählt für mich zu dem besten, was WRINT zu bieten hat: stets zum Nachdenken anregend und unterhaltsam Wissen vermittelnd 🙂

    Christopher möchte ich zudem für seine bisherige Arbeit und für sein Weitermachen im Berliner Parlament danken. Ohne ihn hätte es die Piratenpartei IMHO nicht dahin geschafft, wo sie zwischendurch mal war.

    Viele Grüße!

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  23. Jaloux

    Verschwörungstheorie: Die letzte Folge mit Christopher Lauer liegt so lange zurück, da du dessen Tätigkeit für Springer missbilligst und nun nicht mehr mit ihm podcasten möchtest.

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  24. wurstfett

    Ich fände es auch mehr als interessant wenn das Thema mal in diesem Rahmen hier besprochen werden würde.
    Ich meine ich hätte irgendwo gelesen, dass da schon was produziert wurde aber zur Abnahme bei Cristopher gelandet ist.
    Könnte aber auch gut verstehen wenn es da für immer liegen bleibt. Ich hätte auch keine Lust den Shitstorm mit sowas wieder neu anzufachen.
    Wenn die ganzen Schreihälse nicht wären wüssten wir vielleicht mehr über die Sache, aber dank genau dieser Schreihälse werden wir dazu wohl nichts mehr hören.
    Schade

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    1. holgi Artikelautor

      Doch, wirst Du. Ist seit gestern abgenommen und kommt, sobald ich mal ne halbe Stunde am Rechner sitze 🙂

    2. holgi Artikelautor

      Erhoff dir nicht zuviel. Ich habe kein Problem damit, bei Springer zu arbeiten – solange es nicht unmittelbar bei der Bild ist 😉

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