WR652 Frau Diener verreist nach St. Louis

 

Andrea Diener verreist und ist freundlich, mir von ihren Reisen zu erzählen. Diesmal ging es nach St. Louis am Mississippi.

Darin: Olympiade und Weltausstellung 1904 – der eisbudenfreie Forest Park – der Gateway Arch – das schiefgegangene „Housing Project“ von 1954 – der Botanische Garten mit seinem geodätischen ClimatronSilent Running – das City Museum von Künstler Bob Cassilly – die Brauerei Urban Chestnut im Stadtteil The Grove – Shopping – Blueberry Hill – St. Louis Walk of Fame – Essen in St. Louis – Trader Joe’s

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23 Gedanken zu „WR652 Frau Diener verreist nach St. Louis

    1. Michael

      Der Dokumentarfilm „The Pruitt-Igoe Myth“ von 2011 zeigt historisches Bildmaterial und erläutert die politische Großwetterlage jener Zeit. Man bekommt einen optischen Eindruck von der Bauweise der Anlage und dem Verfall durch Unterfinanzierung. Kern des Films sind jedoch Erzählungen von Zeitzeugen.
      https://en.wikipedia.org/wiki/The_Pruitt-Igoe_Myth
      https://www.youtube.com/watch?v=xKgZM8y3hso

      Dabei kommen u.a. die Bedingungen zur Sprache, denen Menschen unter einem Regime von Rassentrennung und Bevormundung folgen mussten, um überhaupt Wohnungen in dem Komplex behalten zu dürfen.

  1. Stefan

    Ich feiere Frau Diener!
    Vielen Dank für einen weiteren super Podcast an euch Beide.
    Sehr gerne mehr davon 🙂
    Was Essen und Essensgewohnheiten angeht, wurden (mal wieder) alle Vorurteile bestätigt 🙂
    Danke auch für die schönen Eindrücke bei flickr.

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  2. Michael

    Ja das ist überall so!!! :-). Endlich ein authentischer Bericht aus Amerika. Ich lebe seit 2 Jahren in Chicago (und werde auch noch einige hier leben). Wenn man an die Orte geht wo man als Europäer nicht hinreist sieht es meistens so aus. Die Leute sind sehr nett und hilfsbereit aber es sieht halt scheisse aus.

    Warum niemand draußen ist liegt nicht nur am Auto. Im Sommer ist es im mittleren Westen fast durchgehen glühend heiss und im Winter schweinekalt. Draußen ist es meistens zwar sonnig, aber nicht lustig.

    Es gibt ein paar Gegenden die etwas schöner sind. So zb. das Künstlerviertel um die Cherokee St. Da habe ich die besten Waffles gegessen :-).

    Auch das „Landing“ gleich nördlich vom Arch (den ich sehr elegant und schön finde) ist ganz ok und hatte gute Konzerte im Sommer.

    Anderer Tip wäre der State Park nebenan gewesen. Da gibt es eine schöne Höhle und einen Fluss.

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  3. Michael

    Ich habe beim Zuhören sehr viel lachen und nicken müssen. Denn diesen „Die fahren ja überall mit dem Auto hin“-Kulturschock hatte ich auch einst bei meiner ersten USA-Reise. Die war nach Los Angeles. Wer denkt, Deutschland wäre ein Autofahrerland, der war noch nicht in den Staaten gewesen. Vor allem im tiefen Süden, Mid West und den ländlichen Gebieten ist man ohne Auto sogar vollkommen aufgeschmissen. Denn wenn ÖPNV existiert, dann sehr rudimentär. Selbst in Städten wie eben LA möchte man ein Auto haben – auch ob der eigenen Sicherheit wegen.

    Dennoch ist nicht die ganze USA so. Denn innerhalb der Vereinigten Staaten existieren allein schon ob der Größe dieses Landes verschiedenste Mentalitäten und Kulturen – auch was das Auto und das Flanieren angeht. San Francisco lässt sich mit etwas Zeit und einer Karten-App wunderbar zu Fuß erkunden. Die Bürgersteige sind gut gepflegt, es gibt feine Möglichkeiten zum Sight Seeing, schnell auf eine der Cable Cars aufzusteigen etc.pp. Ähnliches gilt für Boston, Chicago, Phoenix, Philadelphia und natürlich auch New York (wo’s da sogar schon mal schneller zu Fuß als mit dem Auto geht). Wer sich etwas die Stadthistorien anschaut, der stellt auch fest, dass es viel davon abhängt, von wem die Städte gegründet worden waren und wie „konservativ“ die Bevölkerung gegenüber Handel und dem Automobil eingestellt war.

    Insgesamt: Ja, die USA sind verdammt fußgängerfeindlich. Aber nicht überall.

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  4. Wulf

    Ui!!! Ich freu mich schon aufs hören! Mein Bruder hat da mal 5 Jahre gelebt und ich war mehrmals dort, bin gespannt auf Frau Dieners Bericht (Ich hab schon gesehen, dass das City Museum in den links erwähnt ist, das war das mit Abstand coolste Museum in dem ich je war) …

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    1. Wulf

      So, nach dem hören – ich habe viel Spass beim Laufen dabei gehabt – muss ich doch noch den ein oder anderen Kommentar abgeben (mal sehen, ob ich noch alles zusammenbekomme)
      Einmal bin ich mit dem Zug (Amtrak) von Chicago nach St. Louis gefahren, das wäre eine ganz eigene Geschichte. Die Güterzüge haben nämlich Vorrang, dann wird der Zug erstmal aufs Nebengleis gefahren und gefühlte 100 Waggons gezogen von mehreren brüllenden, riesigen Dieselloks zuckeln an einem vorbei. Die Passagiere, Studenten, Amishe und alte Leute haben es aber auch nicht eilig. Dafür ist der Schaffner noch ein richtiger Schaffner! Und am Bahnhof wird erstmal ein Tritt auf den Bahnsteig gestellt, bevor man aussteigen kann.
      Wenn man St. Louis in eine Reise einbauen wolle, könnte man den Mississippi stromaufwärts von New Orleans über Memphis nach St. Louis bereisen und dann über die Südstaaten Kentucky, Tennessee (Nashville war da aber eher eine Enttäuschung) und Georgia, Alabama und Florida zurück. Da gibts neben Städten auch unglaublich viel schöne Landschaft.
      Erschreckend ist auch der katastrophale Zustand der Infrastruktur, so ist zum Beispiel an der grossen Eisenbahnbrücke, die südlich der Arch den Mississippi quert, etliche Streben einfach durchgerostet, so dass die Brücke nur eingeschränkt genutzt werden kann. Aber kommt erstmal nach Detroit…
      Das Konzept des „Spazierengehens“ ist aber weltweit als Schrulligkeit der Deutschen bekannt, dafür werden wir belächelt.
      Und Alkohol draussen trinken ist halt grosses NoNo in den USA, daher gibts keinen Aussenausschank. Diese braunen Papiertüten als Verhüllung von Alkoholflaschen ist nicht nur im Film so. Das ist Realität!
      Neben den Trader’s Joe gibt es auch noch richtige Aldimärkte, die sind so wie bei uns und auch auf billige Produkte fokussiert. In manchen Gegenden Pennsylvanias kann man dann vor dem Aldi die Amish-Pferdekutschen angebunden sehen. Apropos Walmart: ich merke, Frau Diener hat den absurdesten Teil im Walmart nicht bemerkt: Die Waffenabteilung. Das muss man einfach mal gesehen haben!
      Ordentliche Vorgärten mögen in der Stadt noch einigermassen praktisch zu sein, aber auf dem Land verbringt der moderne Amerikaner einiges an Zeit, um mit seinem Aufsitzrasenmäher für einen akkurat gestutzten Rasen seines absurd grossen Grundstückes – welches oft an die Wildnis grenzt – zu sorgen. Die Grenze zwischen Zivilisation und Chaos wird hier mit einem Aufsitzrasenmäher gezogen.
      Das spannende an den USA ist halt, es sieht auf den ersten Blick aus wie bei uns, aber nach kurzer Zeit merkt man, dass das alles nach komplett anderen Regeln tickt. Reise ich nach Asien, dann erwarte ich die Andersartigkeit, da bin ich drauf eingestellt, nicht jedoch in den Vereinigten Staaten.

  5. Roman Bohne

    Vielen Dank für den schönen Podcast! Gibt es eigentlich die Möglichkeit Frau Dieners Buch vor zu bestellen? Nicht dass die erste Auflage vergriffen ist bevor ich ein Buch habe. Bei der zahlreichen Hörerschaft hier und den Lesern in der FAZ, kann das ja schnell gehen … 😉

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    1. Marco

      Das Buch habe ich gestern direkt bei Rowolt bestellt. Es wurde bereits gestern als Lieferbar gelistet.

  6. David

    Lach, auf der Museum-Seite wird neben den Eintrittspreis auch gleich die Parkgebühr angesagt.
    Abschließend völlig passend.

    Ich mag diese Art von Folgen, wo fast nur auf die schlechten Sachen eingegangen wird. Die tollen Sachen und Top10 kann ich im „Reiseführer“ lesen. Ich finds so prima. 😉

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  7. Donngal

    Urban Chestnut hat übrigens auch ne Brauerei in Deutschland. Das Bier hatte ich zu Weihnachten und fand es echt überzeugend. Auch wenn ich es komisch fand, Bier einer amerikanischen Brauerei, das in Deutschland gebraut wird zu kaufen.

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  8. Chris

    Das war wirklich mal wieder ein herrlich erfrischender Reisebericht, danke Frau Diener!
    Nur an einer Stelle bin ich stutzig geworden – und jetzt mal Hand aufs Herz: wieviele Eisbuden gibt es in Frankfurt im Grüneburgpark, Bethmannpark oder Rothschildpark??
    Also, glaube nicht, dass die Dichte an Eisbuden in Frankfurter Parks besser bestellt ist … 😉
    Herzliche Grüße

    Chris
    (aus Frankfurt)

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    1. Frau Diener

      Die sind halt auch viel kleiner. Da erreicht man immer die Infrastruktur irgendwo am Rand. Der Forest-Park ist größer als der Englische Garten in München, da kann man nach einer halben Stunde Geradeauslaufen schon mal ein Klo erwarten. Oder ein Café.

  9. Schwarzmaler20

    Kommt mir vieles bekannt vor. Dieses Gefühl, in die Metrolink zu steigen und plötzlich zu merken hier falsch zu sein. Oder Downtown anzusehen, daß die Stadt bessere Zeiten erlebt hat. Der einst riesige Bahnhof ist jetzt eine Shopping Mall. Und die einst imposante Oper geschlossen. Am Wochenende ist Downtown übrigens tot. Ich bin da romgeschlendert und habe nur noch ein oder zwei Obdachlose auf den Straßen gesehen. Den Park habe ich leider verpasst. Dafür lohnte sich die Fahrt auf den Bogen mit einem gekrümmten Fahrstuhl. Und ja, Städte wie St. Louis gibt es mehrere. Austauschbar mit Phoenix, zum Beispiel.

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  10. Eule

    Ich musste mich heute für eine Zugfahrt (ist ja auch irgendwie Reise, wenn auch nicht Urlaub) entscheiden ob ich das frisch eingetroffene Buch lese oder diesen Podcast höre. Habe mich für den Podcast entschieden; das Buch gibt’s dann bei der Rückfahrt. 🙂

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  11. Stefan

    Vielen Dank für den großartigen Podcast. Habe ein Jahr in einem Vorort von Kansas City am anderen Ende Missouris gelebt und habe mich schon lange nicht mehr so amüsiert wie während eures Podcasts :D. Ich muss die drinnen Kultur aber auch nochmal verteidigen: Die klimatischen Bedingungen sind nunmal nicht für das draußen aufhalten gemacht. Ich habe es dort im Sommer nie länger als 10 Minuten draußen ausgehalten. Trotzdem gibt es aber auch in MO immer mehr Restaurants die auch Essen draußen anbieten. Bei den Restaurantketten in den Vororten fällt das natürlich flach. Wer sitzt schon gerne auf Parkplätzen neben Pickups und 8 spurigen Straßen. Ah und Saint Louis hört ja nicht an der Offiziellen Stadtgrenze auf. In Greater Saint Louis wohnen immerhin knappe 3 Millionen Menschen…so provinziell habe ich die Stadt irgendwie gar nicht empfunden. Da fand ich viele andere Städte (z.B Des Moines, IA oder Oklahoma City) einiges schlimmer und langweiliger. Und die Leute in den wohlhabenden Vororten haben ja auch keinen Grund nach Downtown zu fahren. Die meisten Unternehmen sitzen ja in Glasklötzen neben der Interstate in Vororten und alle Konsummöglichkeiten gibt es dort ja auch ohne Dreck und ohne „störende arme Leute“…

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  12. Hans Mentz, a.D.

    Es ist ja jetzt schon eine Weile her, aber ich dachte, bezüglich der für uns Europäer absurden Einkaufsverhältnisse (insbesondere was Nahrungsmittel angeht) lasse ich mal diesen Link hier: Lidl expandiert gerade in die USA. Und passt sich natürlich an lokale Gegebenheiten an.

    Ürbigens, ich hätte ja gern mehr zum Botanischen Garten gehört.

    Der MoBot ist einer der führende (Forschungs-)Gärten weltweit. Der ehemalige Chef Peter Raven hatte erklärtermaßen das Ziel, die größte Pflanzensammlung der Welt aufzubauen (Art/Taxon-Bezogen, nicht Individuen oder Fläche). Einige wirklich einflußreiche Wissenschaftler haben dort gearbeitet, und MoBot ist noch immer DER Ort, an den du als Pflanzensystematiker musst, um hinterher zu Hause Karriere zu machen. Ein ex-Kollege von mir war während seiner Diss mal da (und hat die Fußgänger-Erfahrung gemacht: wurde auf dem Weg zum MoBot, der nicht richtig weit von seiner Unterkunft war, immer angehupt – und auch von der Polizei gestoppt, was er denn da zu Fuß zu gehen habe). Der ist heute übrigens Prof. Ein anderer Ex-„Kollege“ war damals schon in der Habil, der leitet heute den größten Garten in Kontinentaleuropa.

    Die MoBot-Leute haben über Stammbaumanlyse die Pflanzensystematik extrem verändert und weiterentwickelt. Damit wurde unsere Grundlage über das Verständnis der Evolution der Pflanzen auf eine ganz andere Basis gestellt. Darwins „abonimable mystery“ ist zwar immer noch ein mystery, aber was da in den späten 90ern bis heute gelaufen ist war wirklich revolutionär. Mich würde halt interessieren, ob die größe der Pflanzensammlung und die wissenschaftliche Bedeutung sich auch im Garten niederschlagen.

    Überhaupt, Frau Diener: magst du vielleicht mal einen Garten-Reisepodcast mit Holgi machen?

    Es gibt so unfassbar geile (botanische) Gärten auf der Welt – und auf jeden Fall IMMER was zu fotografieren dort. Und (meist historische) Geschichten und Anekdoten zu erzählen. Ich würde auch mitkommen und mitschreiben.

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  13. ThreeBodyProblem

    Bei der Schilderung der Lebensmittel musste ich spontan auch an den Film „Brust oder Keule“ denken. Wem ging das noch so?

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