WR694 Fleisch

 

In Berlin-Kreuzberg steht die Markthalle neun, darin steht die Metzgerei „Kumpel & Keule“. Einer der Gründer ist Metzgermeister Jörg Förstera, der sich zur Aufgabe gemacht hat, die Bauern wieder in den Vordergrund zu rücken und die gesamte Fleisch-Produktionskette nachhaltig zu gestalten – und zwar auch in Bezug auf soziale Belange aller Menschen, die daran beteiligt sind.

Wir reden unter anderem über nachhaltige Landwirtschaft, Fleischerei Kluge, Fleischerei Epler, Fleischqualität, Hühnerfüße, Spitzbeine, das EU-Biosiegel, Bries, Schweinebacken, die Cordobar, Schweinekamm, Sucuk, die Aufbewahrung luftgetrockneter Wurst, Schweinemast, Fleischreifung, argentinisches Rindfleisch, Enzyme, Nassreifung, Milchsäure, Aubrac-Rinder, Highland-Rinder, extensive Tierhaltung, Schnitzel, Kalbfleisch, Filet, Onglet, Hautguot, Kotelett, Kraftfutter, Hühner, Leber, Innereien, Rinderherzen, Parieren, Kaninchen, Fleischlagerung, Hackfleisch, Bolognese, Tatar, Rinderbrust, Tafelspitz, Wurst, Burger, Schweinekopf, Currywurst, Fleischerei Oppen, Fritten und Ketchup.

Die Sendung mit Wurstsack Hendrik Haase ist hier.
Das Fiepen kommt von den Drehstühlen auf denen wir saßen. Ich bitte um Entschuldigung.

37 Gedanken zu „WR694 Fleisch

  1. Simon

    Sehr schöne Sendung,

    Gibt es denn ein Hamburger Gegenstück zu „Kumpel & Keule“ ?
    Ich suche sowas ich hier schon länger.

    Gruß Simon

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  2. Kamelschwalbe

    „Demeter-Pommes“? Äh… egal, tolle Sendung! Als Spross einer Kaninchenzüchterdynastie, die noch heute selbst schlachtet und keine Innereien verschmäht, ist das hier ein wahrer Audiogenuss.

    Danke!

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    1. holgi Artikelautor

      Seit einiger Zeit frage ich mich, ob es nicht vielleicht sinnvoll sein könnte, diese Esoteriker nicht weiter zu boykottieren, sondern eher auf die – durchaus positiven – Ergebnisse ihres Wahns zu achten und stattdessen zu versuchen, ihnen klarzumachen, dass Anthroposophie quasireligiöser Unsinn ist, den sie leicht ablegen und trotzdem einwandfreie Produkte herstellen können.

    2. Volker

      Weiterer Kaninchenzüchter hier.

      Etwa bei 1:31:30 sagt Jörg, dass es schwierig ist, Kaninchen aus artgerechter Haltung zu bekommen. Habt ihr mal daran gedacht, mit den zahlreichen Kaninchenzüchter-Vereinen zu kooperieren? Auch lokal, in Berlin und Brandenburg, gibt es zahlreiche.

      Dort wird die artgerechte Haltung bereits vereinsintern durch Gruppendruck erzwungen, lange bevor der Tierschutz einschreiten muss. (Letzteres nur ganz selten bei absolut unbelehrbaren Mitgliedern.)

      Zwar werdet ihr sicher keine hochklassigen Zuchtkaninchen kaufen wollen, aber jede Züchterin und jeder Züchter hat auch „normale“ Tiere, die günstig als Haustiere oder Schlachttiere abgegeben werden. (d.h. Tiere, die nicht zur weiteren Zucht verwendet werden sollen, oder Mischtiere, die aus Test-Verpaarungen entstanden sind)

  3. Martin

    Was ist mit Kühlschrank-Stufen gemeint?

    Unser Kühlschrank läuft standardmässig mit 4 Grad, dazu kommen die Fächer der 0 Grad-Zone im unteren Bereich.

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    1. Marco

      Für alle ist diese bewusste Ernährungsform aber eben nicht ausgelegt. Der Herr Förstera hat durch die gesamte Folge immer wieder erwähnt, dass den Tieren viel mehr Platz eingeräumt wird, das sie längere Lebensspannen haben und dadurch deutlich mehr Nahrung benötigen etc.
      Wenn man dabei hinzuzieht, dass Bio-Getreide um bis zu 30% weniger Ertrag liefert als konventionelles Getreide und alle diese Faktoren hochrechnet, kann man erkennen, dass eine bevölkerungsdeckende Versorgung mit entsprechendem Fleisch nicht möglich ist. Fleisch wird hier wieder zu dem Luxusgut, welches es mal war, was es mMn auch sein sollte.
      Da wir Deutschen weitestgehend ein Volk von Fleischessern sind, sich ein Großteil sich aber hierin durch den Genuss von Discount-Fleisch abspeisen lässt, tritt dieser nicht in Konkurrenz zu jenen, die bei Metzgern wie Kumpel & Keule ihr Fleisch beziehen. Ansonsten würden Szenen wie beim Onglet sicher bald für jedes andere Produkt dort ebenso auftreten, mit der Folge, dass die Preise für gutes Fleisch noch um ein Vielfaches höher werden.
      Sicherlich gibt es noch Wachstumspotential in der Richtung, aber ganz sicher nicht annähernd in dem Maße in welchem die Industrie Fleisch herstellen kann.
      Und die Probleme liegen beim Fleischkonsum nicht einmal zentral in Europa. z.B seit dem Wirtschaftsaufschwung in China ist der pro Kopf-Konsum an Fleisch dort jährlich gestiegen und wird auch die nächsten Jahrzehnte weiter steigen.
      Einen erheblicher Teil des Fleisches, welches wir in Deutschland produzieren exportieren wir übrigens in diese Länder.

  4. Rico

    luftgetrocknete Wurst in einem alten Damenstrumpf in die Spisekammer?
    Kann ich auch ein Jute- oder Baumwollsäckchen nehmen?

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  5. Lekitra

    Schön zu hören, dass man sich bemüht, die Tiere möglichst schonend zu töten und einen hohen Qualitätsstandard bei der Weiterverarbeitung der Leichen zu etablieren. Aber wäre es nicht besser, vollständig darauf zu verzichten, Tiere zur Nahrungsgewinnung zu töten? Das Argument, dass Tiere ohnehin zum Verzehr gezüchtet werden und dass es daher besser ist, den Tötungsakt im Sinne der dem Tod geweihten Tiere zu optimieren und die Weiterverarbeitung der Leichen zu kontrollieren, halte ich für wenig stichhaltig. Das ähnelt den Bemühungen der Automobilindustrie das Autofahren möglichst umweltverträglich zu gestalten. Es wird jedoch nichts daran ändern, dass beim Autofahren mit einem umweltfreundlichen Auto Schadstoffe ausgestoßen werden. Wer meint, mit dem Konsum von wenig, aber hochwertig gewonnenem und verarbeiteten Fleisch etwas Gutes zu tun, irrt genauso, wie Herr Lindner von der FDP NRW, der im laufenden Wahlkampf allen Erstes die Fortbewegung in seinem 38 Jahre alten Porsche damit gerechtfertigt hat, dass er sich auf wenige Ausfahrten von lediglich 2.000 km pro Jahr beschränkt. Eine Jahresfahrleistung von 2.000 km kann man problemlos mit dem Fahrrad bewerkstelligen und den Porsche automobiles Kulturgut sein lassen. Der Umwelt würde es jedenfalls helfen. Was ich sagen will ist, dass es letztlich nur hilft, ein schädigendes Verhalten gänzlich sein zu lassen und dass die Bemühungen ein an sich schädliches Verhalten so verträglich wie möglich zu gestalten, nur gut verpacktes Greenwashing sind.

    Trotz des mich an der Stelle, an der davon die Rede war, das Vertrauen eines Tieres auszunutzen, um es zum Zwecke der Tötung von seinen Artgenossen zu trennen, zu tränen rührenden Inhalts, ein toller Podcast. Danke Holger!

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    1. Donngal

      Ich habe es so verstanden dass das lebendige Fleisch nicht deshalb schonend getötet wird weil das für das lebende Fleisch besser ist, sondern weil das Fleisch einfach besser schmeckt, wenn es keinen Stress hatte. Ein rein egoistisches Argument also. Kann ich besser nachvollziehen als die Sorge um das Wohlergehen des lebendigen Fleisches.

      Lustig wie man durch die Wortwahl seine Einstellung zum Fleischverzehr ausdrücken kann was? Das lebendige Fleisch klingt doch gleich viel angenehmer als das Tier. Und Leichen klingt viel unangenehmer als das getötete Tier. Finde eigentlich beides unangebracht, wollte nur mal zeigen, dass es auch umgekehrt geht.

    2. Tarifkenner

      @Donngal: M.W. soll das jagdmäßige Töten von Rindern durchaus beidem dienen: Dem Tier wird der Stress mit der Fahrt zum Schlachthof und der Schlachtung erspart, und das Fleisch schmeckt besser. Der erste der die dafür notwendige Befreiung von der Schlachthofpflicht erreichte, hatte dafür wohl einen Behördenmarathon zu bewältigen.
      @Lekitra: Ich glaube, Du hast letztlich Recht: Wenn man ideale Tierhaltung praktiziert, dann wollen die Menschen ihre Tiere nicht mehr töten. Hab mir mal eine Geschichte von einer deutschen Aussteigerin erzählen lassen, die auf einer griechischen Insel einen kleinen Bauernhof betrieb: Als der Eber geschlachtet wurde, den sie großgezogen hatte, bekam sie einen Herzinfarkt.

      Dem Dank an Holger und Jörg Förstera schließe ich mich an.

    3. David-Alex

      Dieses „ganz oder gar nicht“ Denken halte ich aber für nicht umsetzbar und das „es hilft nur, es ganz sein zu lassen“ für absurd. Jedes Verhalten, was auch nur in einem geringen Maße schädlich ist sein zu lassen würde auch bedeuten (unvollständige Liste an Beispielen)
      – gar kein Auto mehr zu fahren
      – keine neue Kleidung zu kaufen, gibt überall second-hand
      – nichts mehr im Internet zu bestellen
      – generell nichts neues mehr kaufen, was man nicht irgendwo gebraucht kaufen oder leihen kann
      – nur noch vegetarisch/vegan und wirkliches Biogemüse zu essen, natürlich nicht aus Monokulturen sondern am besten aus dem eigenen Anbau
      – kein TV schauen, auch kein Internet, kein Radio, zieht alles nur unnötig Strom
      – …und läuft daraus hinaus, generell nichts mehr zu konsumieren was schlussendlich, so doof es klingt, aber nur in einem Suizid enden kann. Der Mensch schädigt, einfach weil er is(s)t, trinkt, lebt und vor allem als Teil der Gesellschaft Westeuropas, seiner Umwelt immer. Ob er will oder nicht. In dem Moment, wo ich das schreibe, zieht mein PC Strom, irgendwo wird fleissig Kohle verbrannt und noch wo anders gräbt sich ein riesiger Bagger durch Gesteinsschichten und verschandelt die Landschaft. Blöd.

      Aber jeder einzelne Mensch lebt nun mal auf dieser Erde, hat Bedürfnisse und „will“ auch einfach manchmal „leben“. Der eine hat Spaß am Auto fahren, der andere isst gerne Fleisch, der nächste spielt gerne Fußball (auf quasi versiegelten Flächen), mancher macht alles zusammen. Da bringt es keinen weiter, die Verbotskeule zu schwingen,sonder zu schauen, wie es möglich ist, Bedürfnisse in einem realen Leben mit einer verträglichen Umweltpolitik zueinander zu bringen. Und da ist es durchaus sinnvoll, die „Fleischeslust“ nicht nur als schädlich zu bezeichnen und zu fordern, dass 80 Millionen Deutsche Vegetarier (oder eher: Veganer. Einer Milchkuh geht es auch nicht besser als dem Mastvieh) werden, sondern einen verringerten, aber deutlich tier- und umweltverträglicheren Fleischkonsum einzuführen. Und von 10 Kilo Billigfleisch im Monat auf 3 Kilo „bio“ zu reduzieren ist da ein großer Fortschritt und auf jeden Fall unterstützenswert (Zahlen sind nur ein zufälliges Beispiel ohne empirische Überprüfung).
      Ganz oder gar nicht hieße auch, wenn ich es nicht ganz sein lassen kann, dann ist es auch egal. Also entweder ich werde Veganer oder ich esse weiterhin billiges Massenproduktionsfleisch, weil, ist ja eh egal, dazwischen gibts nichts. Ich glaube nicht, dass man dieser sich daraus logisch ergebenden Schlussfolgerung zustimmen kann. Genau so macht es einen Unterschied, ob Herr Lindner mit seinem Porsche 2000km im Jahr fährt oder 200000, weil er jede Fahrt zum Bäcker neben an mit einer Fahrt über die nahegelegene Autobahn verbindet – weil ganz oder gar nicht. Und nein, 2000km Autofahren kann man nicht einfach durchs Radfahren ersetzen. In Strecke ja, aber in einer anderen Zeit. Da kann man die 100km bis zum nächsten Termin nicht mal eben mit dem Rad fahren.
      Und natürlich „hilft“ es der Umwelt, wenn ich das von meinem Auto verbrauchte Benzin reduziere. Wenn ich den CO2 Ausstoß senke. Natürlich „hilft“ es, wenn ich meinen Fleischkonsum einschränke. Und natürlich hilft es auch, wenn ich keine Kühe, die qualvoll im Masstbetrieb „gelebt“ haben und möglichst billig „produziert“ wurden, in Form von fade schmeckenden Bouletten auf dem Teller liegen habe, von denen ich die Hälfte eh wegschmeiße, sondern wenige gesund gelebte Kühe verzehre. Jede Aussage, die dem widerspricht und als Argument „ganz oder gar nicht“ vorweist, ist weder logisch, noch mathematisch noch utiliaristisch zu begründen.

      Aber ja, ich stimme zu, an der erwähnten Stelle musste ich auch schlucken und mir überlegen, ob ich das könnte. Ich weiß es nicht. Vor allem nicht, wenn ich schon eine Beziehung zu dem Tier aufgebaut hätte.
      Aber hier auch @Tarifkenner: Ideal ist bei einer Haltung aber auch schwer, da eine Haltung ja immer schon etwas einschränkendes hat. Aber ich glaube auch, dass man so pauschal nicht sagen kann, dass Menschen dann keine Tiere mehr schlachten würden. Es gibt ja, wie im Podcast auch angesprochen, immer mehr/immer wieder „Bauern“, die ihre Tiere mit sehr viel Liebe und mit großer Achtung dem Tierwohl gegenüber großziehen. Wie bei eben erwähnter Stelle – was soll man da noch besser machen? Und doch steht am Ende der Schlachter mit dem Bolzenschussgerät da…

      Dem Lob schließe ich mich aber uneingeschränkt an – toller Podcast (wie so oft).

    4. holgi Artikelautor

      Die Frage, die mir bei der Porsche-Lindner-Nummer immer als erstes einfällt, ist: „Mit welchem Fahrzeug fährt er denn restlichen 20.000 Kilometer im Jahr?“ 😉

  6. Frank

    Das erste mal das ich bedaure nicht in Berlin zu wohnen 🙂
    Jetzt hätte ich ja gerne die Rezepte für Sucuc, Currywurst und Currysauce.

    Jedenfalls eine schöne Folge. Am besten im Bundle hören mit WR 473 übers Backwerk.

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  7. Julian

    Endlich mal wieder eine Folge „zum Thema“, sehr schön!
    Der Nimbus des argentinischen Rindfleischs entstand meiner Erinnerung nach im Zuge eines BSE Skandals um die Jahrtausendwende herum, als die intensive Tierhaltung als einer der Ursachen für den BSE Spread ausgemacht wurde. Im Fernsehen liefen daraufhin diverse (Pseudo-) Dokumentationen über die Rinderhaltung in Argentinien. Ja, der Bauer hat 5000 Tiere, aber seine sieben Gauchos treiben sie jahrelang von einer Weide in der unendlichen Pampa auf die nächste, alles super bio, alles super nachhaltig. Die Pampa ist so groß, so viele Rinder kann man gar nicht züchten.
    Davon zehrt die argentinische Rinderproduktion (leider wird es tatsächlich so genannt) meines Erachtens nach noch heute.

    Andere Frage: Wer setzt dein Konzept im Raum Mannheim/Heidelberg um? Ich suche schon seit längerer Zeit erfolglos.

    Liebe Grüße

    Julian

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  8. Gökhan

    Super, zuerst Fleisch und anschließend den Freibäcker im Hock di Her Podcast am Stück zu hören.

    Btw. Irgendwie klingt „Teig Gefühl“ für mich nach Hokus Pokus. Ich bekomme Teig immer hin. Einfach 1kg Mehl von Lidl und 550 ml. Wasser. Früher 1kg Mehl + 500 ml Wasser. Wenns zu klebrig wird bisl mehr Mehl, wenn es zu fest eird mehr Wasser.

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    1. holgi Artikelautor

      Dann hast Du halt $teig. Aber Du willst ja unterschiedliche Brote aus unterschiedlichen Mehlen machen, also ein Ciabatta oder ein Baguette – und nicht bloß $brot 😀

  9. Peter Mons

    Ich fühle mich gerade so was von ertappt, weil ich zu den Leuten gehöre, die wissen, dass es nicht gut ist, Fleisch zu essen und es trotzdem tun. Das Problem ist, dass ich mich trotz des Wissens um die Nachteile der Massentierhaltung nicht mit der Problematik beschäftigen möchte und daher anonym abgepacktes Billigfleisch im Supermarkt kaufe. Mir würde sich der Magen umdrehen, wenn ich wüsste, was ich da esse bzw. mir im Moment des Konsum Gedanken darüber machen würde. Ich käme daher auch gar nicht auf die Idee, nach der Herkunft des Fleischs zu fragen und will auch keine Details zu den Inhalten meines Burgers erfahren, da ich ihn sonst nicht essen könnte. Auf die Idee, dass es (trotz latent vorhandenem schlechtem Gewissen) Ignoranten wie mich gibt und dass dies eine Ursache für den Konsum von Billigfleisch ein könnte, kommt der Interviewpartner irgendwie nicht. Überhaupt erscheint mir der Mann ein wenig verpeilt zu sein. Auf der einen Seite gibt er an, dass man bei ihm in der Markthalle 9 permanent Burger essen kann, auf der anderen Seite sagt er, dass er Hackfleisch nur auf Nachfrage produziert. Woraus sind denn die Burger-Patties bei ihm im Laden?

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  10. MOritz

    Wieder einmal eine sehr schöne Sendung!
    Ich achte schon darauf, wo ich mein Fleisch herhole, aber einige Facetten des „Fleisches“ waren mir nicht bewusst. Wieder einiges gelernt.

    Danke für deine tolle Arbeit Holgi!

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  11. Dorit

    Kälber nimmt man nicht deshalb der Mutterkuh weg, weil man so gerne langweilige schmeckendes Fleisch essen möchte, sondern weil ein Mensch die Milch trinken will, die sonst das Kalb bekäme (ohne Kalb gäbe die Kuh gar keine Milch). Insofern ist das Kalbfleisch nicht das Ziel, sondern ein Nebenprodukt.

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    1. holgi Artikelautor

      Doch, jetzt 😉

      (Ich war verreist und hatte verpeilt, die Sendungen vorzubereiten)

  12. Stefan

    Auf das Tierwohl achten…
    … klingt alles gut, aber man muss sich Prinzipien auch leisten können.
    Deutschland hat mehrere Millionen Geringverdiener, die auch ernährt werden wollen bzw. sich ernähren müssen. Auf Europa gesehen, blicken wir mal nach Spanien, Griechenland, Rumänien, Bulgarien und und und…

    Ich bin jemand, der ungerne beim Lebensmitteln spart, aber im Supermarkt muss ich leider eben doch zum 6,99 Euro/Kilo-Putenfleisch greifen, weil ich mir mehr nicht leisten kann. Und dabei ist Fleisch noch günstig. Wenn ich einmal durch die Gemüseabteilung gehe und mir dort mitnehme, was mir schmeckt, wirds ebenfalls meist teuer…
    Mich ärgert das, ich finde die Fleischqualität nicht gut und oftmals sehen die Schnitzel aus, als wären sie vom Wolf zerfetzt und die Überreste in eine Plastikschale geworfen worden. Über die Lebensbedingungen der Tiere will ich gar nicht nachdenken bzw. diese sind mir durchaus sehr bewusst.

    Aber:
    Was bleibt mir denn anderes übrig?

    Nun bin ich ein Gering(st)verdiener, aber wir sind Millionen. Wir können uns Qualität nicht leisten.
    Ich habe auch kein „neues i-Phone“. Wenn ich das als Platzhalter stellvertretend als elektronische Spielzeugartikel oder anderen „Luxus“ einsetze. Die Klamotten, die ich trage, sind teilweise 20 Jahre alt. Jetzt bin ich aufstockender Selbständiger, habe also theoretisch zum Regelsatz 100 Euro mehr im Monat. Gerechnet auf die Arbeitszeit ist das weniger als 50 Cent pro Stunde. Mehr gesteht mir der Staat nicht zu. Aber als Dienstleister höre ich gerade in Berlin immer wieder: „Waaaas? Soooo teuer?“, selbst wenn ich testweise Dumpingpreise anbiete, von denen ich gerade einmal die Grundkosten decke (und damit meine ich nicht Sozialversicherungsbeiträge, sondern schnöde Kosten wie Fahrtkosten & Verpflegung).

    Also bleibt am Ende der Regelsatz zum Leben. Wenn ich mir dann als Betriebsausgabe nach einem 12-Stunden-Arbeitstag einen Restaurantbesuch „leiste“ und dort 20 Euro ausgebe, dann streicht das Jobcenter diese Kosten in der Endabrechnung zusammen als „nicht notwendig bzw. nicht angemessen“ und setzt 6 Euro als anerkennenswerte Pauschale an. Wie man sich davon ernähren soll, danach fragt kein Mensch. Nirgends findet man Unterstützung, niemand, der diesen Irrsinn stoppt.

    Im Regelsatz sind weniger als 5 Euro pro Tag für Essen vorgesehen, das schließt Frühstück, Mittagessen und Abendessen mit ein. Inkl. „Snacks“ und Getränke.

    Wie sollen also Menschen ein Gefühl dafür entwickeln, was gut ist und was nicht?
    Wie gerne würde ich bei „Kumpel & Keule“ einkaufen, ich weiß, dass das was ich esse, für mich nicht gut ist. Ich kann es aber nicht ändern, es reicht nicht einmal für das Ticket mit dem ÖPNV nach Kreuzberg.

    Natürlich kann der polnische Schlachter im Großschlachtbetrieb von dem Einkommen nicht leben, der wird auch nur ausgebeutet. Ich kann aber von meinem Einkommen auch nicht leben, also kann ich mir zwar die Gedanken machen, wie der polnische Schlachter das macht. Aber das hilft mir nicht weiter, weil ich gar nicht in der Lage bin, dem mehr zu bezahlen, geschweige denn dem Landwirt, der die Tierzucht betreibt. So gerne ich das auch tun würde.

    Kurzum:
    Ich bin mir dessen sehr wohl bewusst und dem gegenüber auch nicht ignorant. Ich kann es nur nicht ändern.
    Mag sein, dass es vielen egal ist oder sie mit der Zeit abgestumpft sind. Ich bin es jedenfalls nicht und finde mich immer wieder in dieser gedanklichen Zwickmühle wieder, am Ende landet im Einkaufswagen aber dann doch wieder das Billigprodukt.

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    1. njorg

      Ich finde, dass die Verpflichtung zu ethisch vertretbarerem Fleischkonsum zuallererst für die gilt, die es sich auch leisten können. Das können oft doch mehr als man so denkt – und sei es nur das Bio-Siegel, was schonmal besser als nichts ist.
      Was folgt dann? Die Ideale Vorstellung ist, dass dadurch die Nachfrage nach korrekt produziertem Fleisch steigt, zu gleichem Anteil der konventionell-Fleisch-Konsum sinkt und darüber hinaus der Fleischkonsum insgesamt sinkt (weil es ja teurer ist und man dann etwas häufiger vegetarisch speist). Höhere Nachfrage bei korrekt produziertem Fleisch würde auch bedeuten, dass mehr Menschen davon leben können, Fleisch vernünftig zu produzieren – das müssten dann eigentlich auch pro verkaufter Tonne Fleisch mehr Arbeitsplätze als in konventioneller Produktion sein, die daduch finanziert werden können (ist ja schließlich mehr Aufwand). Mehr Arbeitsplätze in einem Sektor, wo auch fairere Arbeitsbedingungen herrschen (wenn man Kumpel&Keule-Maßstäbe ansetzt), bedeutet, dass es auch mehr Leute mit vernünftigem Einkommen gibt, die sich wiederum leisten können, generell mehr Geld in Produkte jeder Art zu investieren, was wiederum einen positiven Effekt auf die Einnahmen der Restbevölkerung hat.
      Ich weiß, das ist sehr utopisch, aber im Kleinen hat es sicherlich derartige Auswirkungen. Umso mehr wir sowas haben, desto mehr profitiert die Gesamtgesellschaft davon – auch wenn das nur eine Baustelle von sehr vielen ist.

    2. nurbsi von sirup

      Das Problem kann ich gut nachvollziehen. Zumindest bei uns scheint der Diskurs sich im wesentlichen darum zu drehen, die Verantwortung für ethisches Wirtschaften Menschen zuzuschieben, die das überhaupt nicht leisten können, anstatt die ganze Gesellschaft inkl. der Betriebe in die Pflicht zu nehmen. Das wäre ja anstrengend und kompliziert.

      Stattdessen wird dann in stramm neoklassischer Manier immer wieder vom „mündigen Verbraucher“ gelabert, der selbstverständlich jeden Tag 12h Zeit und die Mittel hat, sich über jedes Produkt zu informieren und eine souveräne Entscheidung zu treffen.
      (Ich weiss, Holgi sieht das anders, aber bei so mancher Sendung, selbst im Deutschlandfunk, geht mir regelmäßig der Hut hoch über so viel Ignoranz und Zynismus)

      P.S. ein bisschen traurig bin ich ja, dass die Sendung nicht „Die Rindheit“ genannt wurde 🙁

    3. Christina

      Und warum muss es dann überhaupt Fleisch sein, wenn einem bewusst ist, dass mit dem niedrigen Budget nur das Minutensteak aus dem polnischen Großmastbetrieb drin ist?
      Alternativ ne günstige Gemüsebolo und dann einmal die Woche ein etwas teureres, aber dafür ethisch vertretbares Fleisch – warum geht das nicht?

  13. Henry

    Sehr interessante Sendung, danke an Jörg und Holgi. Hat zufällig jemand einen Tipp wie man einen Laden mit einem ähnlichen Konzept bei sich in der Nähe finden kann? Oder sogar einen konkreten Vorschlag in Kiel oder Hamburg?

    Antworten
    1. njorg

      Das fände ich auch spannend. Vielleicht gibt es ja sogar eine Liste korrekter Fleischer in Deutschland? Und wenn nicht, sollte man vielleicht mal eine erstellen.
      Wer weiß da was?

  14. Matthias

    Neulich noch die neueste Hock-di-her Folge vom Freibäcker gehört und jetzt den „Fleischer“.
    Ich habe die Sendung von der ersten bis zur letzten Minute genossen.
    Danke Holgi und Jörg für die wunderbare und vor allem informative Sendung die dazu auch noch weitere Punkte bzgl. des Fleischkonsums (z.B. billig, wer kann sich was leisten) und der Aufzucht aufzeigte.
    An einigen Stellen kam auch eine Erinnerung an die Jugend auf, da bei meiner Oma 1x im Jahr die Hauschlachtung und -Verarbeitung stattfand. Da wurde auch alles verwertet und wir Kinder wurden da schon zu bewußtem Fleischkonsum erzogen.

    Antworten
  15. Alois

    Gute Folge und interessanter Gast! Habe mich gefreut mal wieder eine Episode „zum Thema“ zu hören.

    Bin jetzt richtig motiviert mal einen guten Metzger in Wien zu suchen.

    Antworten
  16. Christina

    Ich finde viele deiner Aussagen, Holgi, schon ein wenig sehr selbstbeweihräuchernd.
    Wenn du Fleisch kaufst – Im Sinne von: du gehst in einen Laden und holst dir ein Steak/Schnitzel/beliebiges unzubereitetes Stück totes Tier einfügen – schaust du nicht auf den Preis, denn dir ist der Geschmack am wichtigsten. Deshalb leistest du dir auch mal ein 25€/kg-Rind. Gut und schön.
    Aber was ist mit dem Fleisch, das du im Restaurant bestellst? Was mit dem Fleisch, das auf der Pizza ist, die du dir kaufst? Was ist mit der Currywurst an der Ecke?
    Generell ist so ein Fleischkonsum ja kein Problem; problematisch wird’s nur, wenn du dich als der „Ich mach’s richtig“-Konsument darstellst.

    Insgesamt fand ich die Sendung sehr informativ. Schön wären noch ein paar Tipps gewesen, wo man andere „Verkaufsstellen“ von der Art von Kumpel & Keule findet, v.a. auch in anderen Städten Deutschlands.

    Antworten
    1. holgi Artikelautor

      „Aber was ist mit dem Fleisch, das du im Restaurant bestellst? Was mit dem Fleisch, das auf der Pizza ist, die du dir kaufst? Was ist mit der Currywurst an der Ecke?“

      Das esse ich nicht.

    2. Christina

      Das klingt aber anders, wenn du über Restaurantbesuche, Pizzen oder – wie in dieser Folge – über den Geschmack von Currywurst berichtest.
      Wie auch immer – ist ja deine Sache.
      Würde mir auf alle Fälle mehr Folgen dieser Art wünschen!

    3. holgi Artikelautor

      Naja, es ist ja nicht so, dass ich mein Leben lang schon darauf achte. Außerdem gibt es in Berlin reichlich Restaurants und Imbisse, die auf die Herkunft ihres Fleischs achten. Bei Pizza hast Du mich allerdings erwischt. Da frage ich tatsächlich gelegentlich nicht nach.

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