WR095 Die Wrintheit: Toilettenromantik

Die völlig neuartige, reaktionäre Unterhaltungsmatinee für mehr Wachstum und mit Moral beschäftigt sich heute, etwas schwermütig, mit Rechtsextremisten, einer Million Euro, Drogen, Toleranz, einer seltsamen Fernbedienung, Stottern, Radiohead, Wohnungsbrand, Tweets, Frühstück, Minecraft, Anwälten, Polyamorie, Schwulen, richtiger Anwendung, Tierfriedhöfen, Defäkierung, Schreiben, Architektur, Pflegebedürftigkeit, dem Plural, Aussprache, Straßenüberquerung, Internetanschlüssen, Wintersport, Krankenkassen, Naziladenkunden, Gott und reichlich mehr (Danke, Gurkitier, Melman, Raiyzes, @Anthrazit101, Quimoniz und hanz!)

Ohne Nicolas ginge es nicht, sein Schwein pfeift hier.

32 Gedanken zu „WR095 Die Wrintheit: Toilettenromantik

  1. anZen

    Hallo Holgi und Nicolas,

    zuerst einmal möchte ich euch beiden für eine weitere vorzügliche Folge der Wrintheit danken.

    Eigentlich bin ich ein stiller Zuhörer, der nur sehr selten Kommentare zu Podcast-Sendungen abgibt. In der heutigen Sendung wurde jedoch ein Thema angesprochen, zu dem ich unbedingt etwas schreiben musste, weil es mich aktuell sehr beschäftigt.
    Tja, hier stehe ich nun und kann nicht anders. Ich bin Stotterer und nehme derzeit an einer stationären Therapie in der LVR-Klinik Bonn teil. Entwickelt hat die Bonner Stottertherapie der Sprachheilpädagoge, Stottertherapeut und Selbstbetroffener Herr Holger Prüß. Im Rahmen der Therapie habe ich von kompetenten Therapeuten einiges zum Thema Stottern erfahren und möchte anlässlich der in dieser Folge von euch aufgeworfenen Fragen zu der Problematik Stottern gerne Stellung beziehen.
    Die nachfolgenden Inhalte habe ich dem Therapiehandbuch “Bonner Stottertherapie – Stationäre Intensivtherapie für jugendliche und erwachsene Stotterer” von Holger Prüß entnommen, die Sätze jedoch größtenteils nicht wortwörtlich übernommen.

    Es gibt in Deutschland etwa 800.000 Menschen, die stottern. Männer sind dabei deutlich häufiger betroffen als Frauen. Das Verhältnis von stotternden Männern zu stotternden Frauen beträgt ca. 4:1.

    Stottern lässt sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. Man geht von einem Bündel von Faktoren aus:

    • Man schätzt, dass beim Sprechen bis zu 140.000 Nervenimpulse pro Sekunde sowie 200 Muskelbewegungen in richtiger zeitlicher Abfolge und Intensität pro gesprochener Silbe aktiviert werden. Stotternde Menschen weisen eine Abweichung bei der Feinabstimmung der am Sprechablauf beteiligten Muskeln. Man kann somit von einem organisch bedingten Steuerungsfehler als einer Ursache des Stotterns ausgehen.
    • Stottern kann genetisch bedingt sein. Zwar kann eine direkte Vererbung ausgeschlossen werden, eine gewisse Veranlagung zum Stottern wird allerdings weitergegeben. Familien mit stotternden Kindern weisen statistisch deutliche mehr stotternde Verwandte auf als Familien ohne stotternde Kinder.
    • Als weitere Ursache können u.a. Schreck- oder Schockerlebnisse sowie psychische Belastungen Stottern auslösen. So berichten Stotterer, die nicht bereits im frühen Kindesalter, sondern erst später zu stottern begannen, dass die Symptome aufgrund starker seelischer Belastungen bspw. infolge von Mobbing, Körperverletzungen oder Misshandlungen auftraten.
    • Die Stotterproblematik in ihrer Ausprägung und ihrer Fortdauer ist wesentlich von psychosozialen Faktoren bestimmt. Entwickelt eine stotternde Person ein Störungsbewusstsein, wird sie sich verstärkt darum bemühen, flüssiger zu sprechen. Negative Erfahrungen mit dem Stottern führen jedoch häufig dazu, dass schwierige Worte und Sprechsituationen vermieden werden. Das Vermeiden lässt die Angst vor dem Stottern nur größer werden und verstärkt erneut das Stottern, was wiederum die Tendenz zum Vermeiden erhöht usw.

    Stottern besteht aus einer Primär- und einer Sekundärsymptomatik. Die Primärsymptomatik zeigt sich in Form von Wiederholungen (sa-sa-sa-sagen), Dehnungen (sssagen) sowie Blockierungen (stummes Ankämpfen), die zumeist in unterschiedlichen Mischformen auftreten. Der Stotterer stottert hierbei ausschließlich am Artikulationspunkt.
    Mit zunehmendem Alter nimmt in aller Regel die Sekundärsymptomatik zu. Diese stellt misslungene Versuche dar, sich selbst zu helfen. Die Sekundärsymptome dienen dem Ziel, das Stottern zu vermeiden bzw. zu überwinden. Diese können sehr mannigfach sein und sich z.B. in Form von Wortumstellungen, Aufschubformen (u.a. Pausen, Füllwörtern, Wort- und Satzteilwiederholungen), Verspannungen im Gesichtsbereich (u.a. Ankämpfreaktionen im Bereich der Lippen, Zunge, Kiefer, Augen), Auffälligkeiten bei der Sprechatmung und gesamtkörperlichen Mitbewegenden äußern.
    Macht ein Stotterer die Erfahrung, mit einem Ruck des Kopfes eine Blockade lösen zu können, wird er bei späteren Stotterereignissen versuchen, dieses erfolgsversprechende Verhalten zu wiederholen. Da diese Vorgehensweise jedoch nicht immer zum gewünschten Erfolg führen wird, wird dieses vermeintliche Hilfsmittel immer häufiger und intensiver angewandt, so dass der Stotterer zunehmend mehrmals mit dem Kopf schlagen muss, um den Block zu lösen. Da die Kopfbewegung nach einiger Zeit zum Automatismus heranreift, kann er sie nicht mehr ohne Weiteres abstellen. Sie ist nunmehr als Sekundärsymptomatik zu einem festen Bestanteil seines Stotterns geworden.

    So, ich denke, das sollte fürs Erste reichen, um sich einen kleinen Überblick über die Problematik zu verschaffen. Sofern ihr weitere Fragen habt, könnt ihr sie mir gerne stellen und ich werde mich darum bemühen, sie zu beantworten.

    Viele Grüße

    anZen

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  2. Pascal

    Auch ich war ein Stotterer der mit Ankämpfreaktionen zu tun hatte. Mein Stottern war anscheinend Phsychisch bedingt und ich konnte Wörter die mit einem P und einem K begannen nicht aussprechen. Zufälligerweise die Anfangsbuchstaben meines Vor- und Nachnamen. Diese Problem haben erstaunlicherweise viele Sotterer.
    Mein Stottern habe ich in Paderborn im Greifenhofer Institut vor knapp 9 Jahren behandeln lassen und mittlerweile habe ich so gut wie keine Probleme mehr. Die Therapie in der ich war hat Unter anderem Hypnose und Atemtechnik zum Inhalt gehabt. Mir hat es sehr geholfen und wer das Egebnis hören will kann meine Podcast hören. Nerdfon unter http://www.zehndaumen.de.

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  3. hannes

    Hallo Holgi und Nicolas,
    ich wollte auch gleich Faktenwissen posten. Das hat ja mein Vorposter schon super erledigt.
    Ich bin Stotterer und wollte nur sagen, dass der Umgang von Holgi mit Stotterern genau richtig ist. Es hilft wirklich ungemein wenn man vom Gegenüber nicht unter Druck gesetzt wird und vor allem die Sätze nicht vervollständigt werden. Wenn dann der Anfang eines Gesprächs stressfrei abläuft, dann kann jedenfalls ich danach sehr flüssig sprechen. Ich hoffe, dass findet mehr Verbreitung.
    Super Sendung wie immer.

    Gruß Hannes

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    1. Kilian

      Ich beantworte mal meine Frage selbst^^http://www.derwesten-recherche.org/2012/08/olympia-gericht-entscheidet-fur-uns-medaillenziele-werden-offentlich/

    1. Grappa

      Ich finde Lena Meyer-Landrut auch sympathisch!
      Und hey, ich mag sogar die uncoolen Fantas!
      Deshalb wird für euch meine Meinung auch aus der richtigen Richtung kommen, kein Umdenken notwendig Jungs: Selten so fremdgeschämt wie bei dieser Folge. Aber ihr werdet sogar dafür geflattert.
      Anscheinend gab es noch Interessantes zum Thema stottern? Werd ich nicht hören, ich bin raus. Tschüss.

  4. BamChiBam

    @ Holgi:

    Ich habe genau das gleiche Problem mit den Thueringer Wuerstchen. Die riechen immer so lecker auf dem Grill und wenn ich dann eins gegessen habe, wird mir uebel.
    Man sollte meinen, dass man dadurch lernt, aber wenn ich die kleinen Dinger rieche, will ich trotzdem immer eins haben.

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  5. Andre

    Der beste ‘Behinderte’-Scherz, den ich gehört und dann auch selbst gemacht habe, stammt aus der Neurochirurgie. Da haben wir gerne die Ausrede “Wir dürfen das, wir haben’s am Kopf” genutzt.

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  6. Lars Quentin

    Mückenstiche mit Hitze zu behandeln um den Juckreiz zu bekämpfen funktioniert gut.
    Ich habe gehört, dass, wie Nicolas erklärt hat, da irgendwelche Proteine denaturiert werden und deswegen nicht mehr so funktionieren wie vorgesehen und deshalb keinen Juckreiz mehr verursachen.
    Diese Hitzestifte funktionieren mehr oder weniger gut, oft sind sie zu schwach, damit man sich damit nicht verletzen kann. Ich greife deshalb zu der einfachen Methode Gegenstände zu erhitzen und auf den Stich zu drücken. Gut eignen sich Besteck oder unterwegs auch Geldstücke. In der Hand halten und mit einem Feuerzeug erhitzen, bis man an der Hand fühlt, dass es zu heiß wird, dann ist es so heiß wie möglich, ohne dass es die Haut verbrennt. Anschließend einfach auf den Stich drücken.
    Bei mir ist das Jucken danach meist sofort weg, auch wenn es manchmal später wieder kommt, für den Moment hilft dann immerhin der Placebo. ;)

    MfG

    Antworten
  7. Heiner

    Die Wrintheit ist ja immer noch am Besten.
    \o/

    Und wie geil die Shownotes bitte sind?

    Zitat:
    Holgi: “Nichts. Ich brauche lieber flach und Mehr.”

    Antworten
  8. panzi

    Was mir in der Olympia Eröffnung gefehlt hat: Doctor Who. Da war nur kurz total überhörbar mal der TARDIS Sound im Hintergrund. Aber dafür waren ein paar Bilder von Amerikanischen Fernsehserien auf das Haus projiziert. Warum? Ist da irgendwo in der Produktion ein Brite beteiligt gewesen? Bei der Cosby Show?

    Antworten
    1. panzi

      Ah und die Pythons haben auch gefehlt. Nur von Fawlty Towers war ein kurzes Bild in der Projektion.

    2. Kilian

      Es gibt ja noch die Schlussfeier: Elton John hab ich auch vermisst. Oder Queen.

  9. Christoph

    Ich habe mich auch gefragt, warum die da alle mit dem Galaxy S3 rumlaufen. Dann habe ich aber rausgefunden, dass das das offizielle Olympia-Handy ist:

    http://www.telegraph.co.uk/technology/samsung/9208754/Samsung-Galaxy-SIII-official-Olympics-phone.html

    Und dass Samsung eine prominente Rolle in der Eröffnungsshow bekommen hat:

    http://www.phonearena.com/news/Samsung-Galaxy-S-III-and-Samsung-GALAXY-Note-part-of-opening-ceremonies-at-the-Summer-Olympics_id32742

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  10. Gast

    Hat sich noch gar keiner von den Berufsempörten über die Polyamorie Antwort beschwert? Oder ist mein Internet irgendwie kaputt?

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  11. Okeo

    Zu “Jemand geht bei rot über die Straße, rennt aber nur die letzten beiden Schritte. Wozu?”:

    Die Antwort zum ersten Teil habe ich mal von einem Autobahnarbeiter gehört: “Nie über die Fahrbahn rennen – wenn Du Dich dann nämlich verschätzt hast, kannst Du nicht schneller werden, weil keine Reserven mehr da sind!”

    Das klang so einleuchtend, dass ich es seitdem beherzige.

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  12. jEN

    Endet Holgis Frage “Woher weißt du das alles?” nicht ebenfalls implizit bei Gott? Wenn das Wesen tatsächlich allwissend ist, es also *keine* Information gibt, die es nicht weiß, müsste es dann nicht zwangsläufig von einem allmächtigen Wesen geschaffen worden sein… oder selber eines sein?

    Mir ist beim Hören aber spontan eine ähnliche Frage eingefallen: Woher weißt du, dass es *nichts* gibt, das du nicht weißt?

    Zum Laufen über die Straße: Wenn die Fußgängerampel gerade rot geworden ist, kann ich mir sehr sicher sein, dass die Autos ebenfalls noch rot haben und ich gemütlich gehen kann. Sobald ich drei Viertel der Straße überquert habe, bekomme ich aber langsam das Gefühl, dass demnächst doch irgendwann mal Autos kommen können – was dazu führt, dass ich mich etwas mehr spute. Nicht rational, aber ich kann’s nachvollziehen.

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  13. Asaad

    @Nicolas – Ich weiß nicht, in welchem kindlichem Alter du Herrn Bowie im Staedel getroffen hast? Ich habe ihn auch nie live erlebt, dafür den fabelhaften Gitarristen Adrian Belew (Talking Heads, King Crimson) zwei mal.

    1.David Bowie “Stay” ’78 Adrian Belew http://www.youtube.com/watch?v=7tWyIug2qP0&feature=related

    2. Talking Heads – Born Under Punches
    http://www.youtube.com/watch?v=ilcD1fHcGB0

    3. King Crimson – Thela Hun Ginjeet
    http://www.youtube.com/watch?v=j_PYrhZ17vg

    Grüße & schönes Wochenende

    P.S.: Der 1976er Nic Roeg-SciFi ‘The Man who feel to earth’ ist leider immer noch amtlich…

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  14. Barry

    Nicolas erzählt in dieser Folge von einer Kolonie, die nur(?) von Drogenabhängigen bewohnt war, die allerdings durch regelmäßige Versorgung “normal” in der Gesellschaft funktionierten. Hat da zufällig einer Material zu? Google ließ mich hier ein wenig im Stich.
    Ansonsten kann ich hier nur großes Lob loswerden ob der Qualität und Unterhaltsamkeit der gesamten unter wrint laufenden Machwerke ;)

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