WR315 Flughafen BER (Teil 3)

 

wrint_2014_zumthema_200Ich sitze mal wieder bei Martin Delius, dem Vorsitzenden des BER-Untersuchungsausschusses, und lasse mir erzählen, wie es in den vergangenen zehn Monaten an der Investitionsruine vorangegangen ist. Außerdem geht es kurz um Flüchtslingspolitik.

Das erwähnte Buch zum uBER findet ihr hier.

14 Gedanken zu „WR315 Flughafen BER (Teil 3)

  1. von wegen

    wie viele folgen wird es wohl noch geben „müssen“?
    freue mich aufs hören, die ersten beiden Folgen waren sehr angenehm…
    vielen dank dafür!

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  2. André

    Vielen Dank, für die audielle Aufarbeitung rum um das BER Absurdum.
    Ein Punkt der mir noch fehlte ist, was es mit den BER Unterlagen, die vor einiger Zeit in den Container gefunden wurden, auf sich hat.
    Ein fieses Gefühl das ich nach dieser Folge hab oder auch nach den Lauer Folgen einstellt. Was ist, wenn die Personen nicht mehr im AGH nach der Wahl 2016 sind. Wer soll dann den gesunden Menschenverstand im Senat aufrechterhalten. :/

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  3. jh

    Wenn die Piraten im AGH bleiben möchten, sollten sie mit Delius auf Platz 1 (daneben Lauer als Polterer) und dem Hauptthema „BER abwickeln“ in den Wahlkampf gehen. Dann klappt es vielleicht doch noch mit den 5%. (Die Bundespartei ist dann zwar noch immer kaputt, spielt dann aber spätestens 2018/19 eh keine Rolle mehr)

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  4. tp1024

    Als das Grundgesetz der Bundesrepublik ausgearbeitet wurde war einer der wesentlichen Unterschiede das konstruktive Misstrauensvotum. Es basierte auf der Erkenntnis, dass destruktive Kritik immer möglich ist und im politischen Alltagsbetrieb auch als politisches Machtinstrument missbraucht wird und zur Korruption des gesamten Systems führt, wenn man es zulässt.

    In Großprojekten haben wir heute Weimarer Verhältnisse.

    Wir sind an dem Punkt angelangt, an dem das ganze System sich selbst blockiert. Die gleichen Leute die möglichst viele Windkraftanlagen im Norden haben wollen, wollen keine Stromleitungen nach Süden haben. Sie klagen nicht nur gegen jede Trasse, sie haben auch keine Alternativvorschläge. Man fordert wieder mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen, aber neue Eisenbahnstrecken zu bauen ist soetwas wie politischer Selbstmord. (Nachdem man viele Strecken stillgelegt hat, wird das nötig.)

    Von Kastortransporten nicht zu reden. (Trittin sagte einmal sinngemäß: Die Kernkraftwerkbetreiber sollen in ihrem Müll ersticken. Beim Unfall von Fukushima beklagte man sich aber über die Verantwortungslosigkeit, so viel abgebrannte Brennstäbe auf dem Gelände eines Kernkraftwerks zu lagern …)

    Und von „Endlagersuchgesetzen“ und ähnlichem ganz zu schweigen. (Die Grünen haben die Aufarbeitung von Brennstäben verboten. Was allein schon die Lagerzeit um schlappe 990.000 Jahre verlängert hat und jetzt beklagen sie sich, dass es angeblich keine stabilen Lager für eine Million Jahre gäbe.)

    Politische Blockade ist billig, straffrei und wird fast immer von alleier opportunistischen Claqueuren begleitet. (Bei weitem nicht nur den Grünen, aber bei den Themen mit denen ich mich beschäftige läuft es oft auf diese hinaus.)

    Das Resultat?

    Wer in Deutschland ein Großprojekt annimmt muss entweder dumm oder korrupt sein. Die Dummen glauben ein Projekt mit normalem Sachverstand planen zu können und gehen dann im Laufe der praktisch unvermeitlichen politischen Spiele pleite. Die anderen wissen um das Problem und stellen sicher, dass sie an jedem Punkt aus dem Projekt ausscheiden können und trotzdem keinen Verlust erleiden. Das können sie natürlich nicht, wenn sie den dafür nötigen Preis ehrlich ausschreiben, denn dann würden sie von den Dummen unterboten. Die Dummen können nur von den Korrupten unterboten werden, folglich bekommen die Korrupten meistens den Zuschlag.

    Blöd ist nur, die Dummen gehen nach dem scheitern pleite, womit nur die Korrupten übrig bleiben und letztlich das ganze System korrupt ist.

    Noch mehr Werkzeuge um Projekte zu verlangsamen, zu kontrollieren oder zu beaufsichtigen sind dabei nicht wirklich zielführend. Entweder findet man eine Möglichkeit wie der Staat selbst solche Projekte über Staatskonzerne verwirklicht, oder man findet eine Möglichkeit normalen Unternehmern zusichern zu können, dass sie bei der Durchführung eines staatlichen Großprojektes nicht pleite gehen.

    In den USA versucht man das gerade über gestaffelte Auszahlen von Geldern nach dem Erreichen von überprüfbaren Meilensteinen bei der Durchführung des Projektes. Ich habe zwar das ernste Gefühl, dass dieses System nur noch nicht korrupt ist, aber selbst ein System das später mit Sicherheit kollabieren wird, ist einem System vorzuziehen, das bereits kollabiert ist.

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  5. Johannes

    Tolle Sendung, vielen Dank! Die Einsichten, die Martin Delius da gewonnen hat, gehören an die Öffentlichkeit, denn unsere Politiker sind scheinbar mehr damit beschäftigt, Nebelgranaten zu werfen, als Probleme zu benennen, anzuerkennen und echte Lösungen anzustossen. ist auch klar, die wollen ja wiedergewählt werden.
    Ich finde aber, dass die von so Vielen lauthals vertretene Grundsatzkritik an Großprojekten nicht dazu führen darf, dass es gesellschaftliche Großaufgaben nur noch von der sogenannten „freien Wirtschaft“ abgewickelt werden können oder gar nicht erst angegangen werden. Denn dann wäre ein noch extremerer Ausverkauf von Gemeingut die unmittelbare Folge.
    Der Staat kann durchaus große (Bau-)Projekte bewältigen. Da gibt es (auch und gerade hier in Berlin) viele schöne Beispiele. Die kommen nur nie in die Presse, weil es nun mal viel spannender ist, über das abgestürzte Flugzeug zu reden als über das Gelandete.
    Wenn der Martin Delius da Expertise braucht, sollte er sich mal an das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung auf der Straße des 17.Juni wenden. Da sitzen 1500 qualifizierte Bauexperten, die so was hinkriegen (nicht immer, aber relativ oft …und nein, ich bin dort nicht angestellt).
    Trotzdem: bei der Art und Weise, wie Großprojekte angegangen werden, ist tatsächlich Einiges im Argen. Nach meiner Erfahrung (und das sind nun auch schon so ca. 20 Jahre) sind an erster Stelle die politischen „Bauherren“ ein Problem, besonders, wenn es sich um Projekte handelt, mit denen man sich irgendwie schmücken kann. Politiker neigen dazu zu glauben, dass man
    a) sowieso Alles besser weiß und
    b) eh nur laut genug mit dem Fuß aufstampfen muss, um seinen Willen zu bekommen (was leider allzu oft tatsächlich Erfolg hat – ausser beim Bauen).
    Leider fehlt es dann gerne auch an ECHTEM Interesse an der Materie. Die Allerwenigsten auf politischer Ebene können nämlich wirklich auseinanderhalten , welcher Akteur beim Bauen nun welche Rolle spielt und wie das Ganze denn dann nun ineinandergreift (gilt leider auch für Martin Delius, der fröhlich die Begriffe „Gewerk“, „Bauleiter“, „Objektüberwachung“, „Baucontrolling“ etc. durcheinander wirft. Da ist er übrigens mit Herrn Mehdorn mal ausnahmsweise in einer Liga).
    Natürlich gibt es da noch andere Faktoren (das Vergaberecht zum Beispiel oder die Tatsache), aber das würde jetzt dann doch den rahmen sprengen.

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    1. das-pearl

      wenn ich mich recht erinnere wurde von der freien wirtschat anno dazumal ein angebot über irgendwas mit 4 mrd. abgegeben für einen schlüsselfertigen flughafen. und die politiker haben es für die hälfte machen wollen und kosten jetzt die ohnehin 30% mehr, ohne dass was fertig ist…

  6. Feuerwasser

    Der Prof. Großmann….

    mein ehemaliger Chef. Vor einiger Zeit war ich in einer seiner Firmen angestellt.

    Der Mann hat beruflich alles was man sich nur wünschen kann erreicht. Und in diesen Firmen, von ihm gegründet oder gekauft werden echt geile Dinge getan. U. a. wird da ein schwimmendes Fundament für Offshore Windkraftanlagen entwickelt. Bald soll die erste Testanlage in der Ostsee gebaut werden. Viel weniger eingriffe in die Ökosysteme und zur Wartung kann man die Windmühlen einfach in den nächsten Hafen schleppen. Nur eine vergleichsweise kleine Verankerung, im Vergleich zu einem massiven Fundament muss am Meeresgrund gebaut werden. Richtig spannende und aufregende Geschichte. Da hat dieser Mann sein Herzblut und seine ganze Energie hineingesteckt. Der Typ hat es so gesehen drauf. Er hat da etwas eigenes auf die Beine gestellt, neben vielen anderen Dingen wie Biogasanlagen.
    Die Firma in der ich war, hat einen biologischen Hintergrund und ist Dienstleister für Umweltgutachten zu Lande und Wasser. Auch andere Firmen sind in diesem Verbund fast vollständig abhängig von Auftraggebern, also den Kunden. Dabei kommt es natürlich auch auf den Ruf an, den man sich als Unternehmen mit der Zeit erarbeitet hat.
    Nicht nur Großmann, auch die vielen Mitarbeiter in den Firmen arbeiten sich den Arsch ab und „schenken“ ihre Überstunden, damit alles so funktioniert wie es soll.
    Total unverständlich wie man sein Lebenswerk auf so eine Art und Weise riskiert, sollte es denn wahr sein. Dann hat er auch noch viele andere Menschen verraten, nämlich die, die in seinen Firmen arbeiten und die seinen Namen vor sich her tragen müssen.

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  7. kraeuterzucker

    Die BER Folgen lassen mich mich immer an der Welt zweifeln, die mich umgibt. Ernsthaft. Ich muss mich überwinden die Folgen fertig zu hören, weil ich nicht in einen hämischen Zynismus fallen möchte. Danke Martin für deine Arbeit. Mehr kann ich nicht dazu sagen.

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  8. Kranki

    Geiler Rant. Hätte gerne doppelt so lange sein können.

    (Wieso muss man eigentlich bei den Kommentaren eine Mail-Adresse eingeben?)

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