WR360 Slow Food

 

wrint_kombuese_2014_200Hendrik Haase war als Delegierter beim weltweiten Slowfood-Treffen in Turin und erzählt von dort.

Wir reden über Terra Madre, Urban Gardening, Kochen, Essen, Lebensmittel, Alice Waters, das Speisegut in Gatow, Kartoffeln, Wurst, den Salone del Gusto, die Arche des Geschmacks, Kartoffeln, Hühnchen, Fleisch, die Schnippeldisko, Foodwatch und geile Gemüsesuppe.

31 Gedanken zu „WR360 Slow Food

  1. @CargobikeHH

    Geiler Podcast!

    am Ende wurde das äh auch weniger 😉

    Das muss auf jedenfall eine Fortsetzung bekommen. Ich war so gebannt, dass ich meine ohrstöpsel noch zuhause aufbehalten hab, weil ich es nicht ausmachen wollte.

    Gerne auch so Grundnahrungsmittelsendung
    -geile Milch
    -geiles Fleisch
    -geile Kartoffeln
    etc.

    Würd ich Geld draufwerfen.

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  2. Hasta la proxima

    Wunderbare Unterhaltung. Ich will davon auch unbedingt mehr. Auf gehts, Holgi und Hendrik. By the way, weiss jemand, ob culinaricast wiederkommen wird?

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  3. Gutezeit

    Diesen zu Beginn des Gesprächs angesprochenen und der etwas prompt übergangenen Punkt, dass die Slow-Food Organisation an vielen Ecken und Enden gewinnen. Den würde ich dann doch aus einer etwas voreingenommenen Perspektive als euphorisch überspitzt vorerst verstehen.
    Den politischen Druck, den kann die Politik durchaus gut ignorieren. Gingen aber selbst diese Bauern/Unternehmer von dieser Slow-Food Veranstaltung und aus der der Slow-Food Vereinigung davon aus, sie können letztlich, wenn es hart auf hart kommt, diese Art Druck ausüben, dann überschätzen sie auch ihre Macht einprägsam. Offensichtlich fällt leider auch das Leistungsfazit, innerhalb unsrer Gesellschaft, der Macht des Konsumenten bescheiden aus.
    Bsp., würde man Monsanto wirklich in die Knie zwingen können oder gar ganz zu Fall bringen, hätte hier der gelungene Aktionismus nichts an den gesellschaftlichen Verhältnissen grundlegend geändert, die den Monsanto als Nachfoger von morgen schon enthält.
    Auch diese erwähnte neue Akzeptanz über das Thema würde ich vielseitiger sehen und nicht nur in dem positiven Lichte: diese wahrgenommene Akzeptanz, über diese Moral der besseren Konsumenten die gegen die Exzeße von Kommerz und Handel sich aufbegehren, ist natürlich bei letzterem in eine neue Bewegung aufgegangen und unaufgefordert zu einer Geschäftskopie/-attrappe für den Handel entwickelt worden.

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    1. Gutezeit

      Was den politischen Druck betrifft, dazu möchte ich noch nachtragen, da ich zuvor dort doch zu grob einstieg, so, dass es missverständlich ist in dem eigentlichen Unterschied, den ich meinte, zu folgen.
      Den Druck den ich meinte, wovon ich aus ging, war der den die Konsumkritiker (bzw. Slow-Food Leute) durchaus auch meist anstreben, aber nicht generell, der Anspruch das vorherrschaftliche System mit ihren Konzepten gänzlich umzuwälzen und dadurch zu transformieren und jenen politischen Druck, kann die Politik herforangend ignorieren, weil er dort nur ganz schwach ist oder ungefährlich bleibt. Hingegen der politische Druck, der (nur) vorderst nach der Nachhaltigkeit drängt, dem wird wirklich derzeit sehr aus politischer Richtung entgegengekommen bzw. nachgegeben. Als Schulfall für letztere Behauptung, kann man hier klar aus der gesamt-gesellschaftlichen Seite und/oder ökonmoische initiierten Richtung her die „Degrowth-Bewegung“ benennen und die gerade in der Politik deshalb wohl so viel Ansehen und Aufnahme auch derzeit bekommt, weil es ihr nicht um die Vormachtsstellung im Systme geht.

      Auch wenn mir klar ist, dass es selbst innerhalb Degroeth linke Stimmen gibt die kapitalismuskritische Herrschaftsfragen zentralisiert betont sehen wollen. So fängt hier gerade die ernste Diskussion an: ja könnten die das denn überhaupt von ihrem Konzept her…

  4. Sebastian

    Die Geschichte das Hähnchenteile nach Afrika geschifft werden fand ich spannend und erschreckend. Mir war es nur bekannt das EU Bauern ihre zu viel produzierte und EU bezuschusste Milch als Milchpulver nach Afrika schicken und so natürlich ebenfalls den dortigen Milchmarkt zum erliegen bringen.
    Danke für diese (mir) noch unbekannte Information.

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    1. Dr. ISO

      Hi Andreas,
      leider ohne den Podcast ganz durchgehört zu haben wg. mangelnder Zeit, kurzer Eindruck zu dem Thema, dass Lebensmittel um die halbe Welt geschifft/transportiert werden zur Weiterverarbeitung.

      Das ist eine Milchmädchenrechnung, und geht am eigentlichen Punkt/Problem vorbei: auch das biologisch und tierfreundlichst gewonnene Fleisch ist umweltschädlich und asozial. Allein der Wasserverbrauch ist um Faktor 80-100 größer, als bei Gemüse, von der Gülle, die auch beim glücklichen Biorind anfällt, mal ganz abgesehen.

      Fleisch ist immer Luxus, denn es gibt keine umweltverträgliche Fleischproduktion. Man kann und muss natürlich weniger konsumieren, und halt nur einmal im Jahr, oder viertel Jahr, Fleisch essen…da wäre die Welt schon mal gerettet. Aber das wird nicht passieren, denn es gibt noch zuviele Menschen, die Genuss vor Verantwortung stellen. So, ausgerantet 😉

  5. heiko

    Schöne Sendung, wieder mal äußerst informativ! Was ich mir nicht gemerkt habe, ist der Burgerladen gegenüber der Biofleischerei. Wo ist der noch mal und wie heißt der? Ich muss da mal vorsprechen, wenn ich Berlin wieder einen Besuch abstatte.

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  6. Richard

    Na das hat Hendrick gut gemacht… ich hatte ja schon erwartet, als Holgi auf so einer Fooddings (ironisch gemeint) war, den Wurstsack dort trifft und so was ueber Slow Food rauskommt. Molto contento! War dieses Jahr zum ersten Mal auf Salone/Terra Madre nur Tourist und deswegen mal eher dem Bier/Wein zugeneigt als den Vortraegen…

    P.S.: Gut das der Gentechnikdiskurs kurz gehalten wurde, so was haette das ganze Gespraech zerteilen koennen, obwohl klar: Ceterum censeo Monsanto esse delendam.

    @Gutezeit Politische Macht verliert ja meistens gegen oekonomische, ansonsten wuerde die Million Mitglieder + unzaehlige Sympathisanten der grossen deutschen Umweltschutzverbaende wohl jede Schlacht gegen Grossprojekte gewinnen. Das Slow Food Prinzip des „Small (Slow) is beautiful“, basiert ja gerade auf dem Aufbau einer oekonomischen Gegenmacht… „tante piccole economie fanno grande economia“ (meine deutsche Uebersetzung war haesslich, kann Google genausogut). Die Salonkommunisten haben Schumacher gelesen und wollen jetzt ihr Shangri-La durch Marktwirtschaft erreichen.

    P.S. Diese Sicht ist sehr mitteleuropaeisch und jeder extra- bzw. osteuropaeische Slow Foodler stimmt mir natuerlich nicht zu.

    @DR. Iso Also Fleisch das aus Gruenland gewonnen wird, ist kein Luxusprodukt, sondern in vielen Teilen dieses Planeten noch ein unverzichtbares Grundnahrungsmittel… das wir Fleisch aus Getreide und Leguminosen erzeugen macht es aber gleichzeitig zum Billig- und zum Luxusprodukt. Flaechen die vorher die eigenen Tiere ernaehrt haben, die somit biologische Vielfalt erhalten haben, werden jetzt gegen die Vernunft mit Mais und Soja bepflanzt, damit Fleisch bei uns billig ist, aber in diesen Gegenden vom besonderen aber vorhandenen Produkt zum Luxusprodukt geworden ist.

    P.S.: Der Schweinefleischdiskurs ist natuerlich ein anderer

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    1. Gutezeit

      „Das Slow Food Prinzip des “Small (Slow) is beautiful”, basiert ja gerade auf dem Aufbau einer oekonomischen Gegenmacht…“
      Nein, hier lässt Du aber das Wesentliche aus als Erklärung und behauptest eine ökonmomische Gegenmacht zum Bestehenden und jenem grundlegenden Problem wovon ich schrieb. Es ist eben keine Vereinigung, wie nicht nur der Name schon andeuten will, die das Maßgebliche behandelt oder anders gesagt, kein Prinzip pflegt was primär die bestehenden Verhältnisse angreift. Weil sich ihre Kritik und Reparaturarbeiten im gesellschaftlichen Verständnis zur Veränderung an die Konsumtion wendet , man setzt eben auch nicht dort bei der Produktion an.
      Natürlich gilt es dort aber als eingeschloßenes Prinzip, als unbehandelt vorausgesetzte Basis, dass dieses gesellschafltiche Ganze grundlegend das falsche Ganze für ihr Vorhaben ist, aber dies wird gerade nicht angegangen.

      Diesen innenwohnenden Fehler, den sehe ich natürlich auch in der Vorstellung der Konsumentenmacht (auf die der Unternehmer ja letztlich angewiesen ist, und somit diese Macht auch gerne lanciert ) begründet. Selbst bei „Fair-Trade“ soll dann kraft dieser Macht der Konsument letztlich wirken – durch ein, zwei Euro mehr die man freiwillig drauflegt für das Kilo und um dem Handel endlich zu beweisen, wie ein fairer Entgelt wirklich aussieht. Solche Konsumenten, entgehen dann aber der Tatsache, daß der Kaufpreis im gesegneten „freien Spiel von Marktkräften“ mit gerechten Verhältnismäßigkeiten nicht vereinbar ist. Was der Verkäufer will, ist einen hohen Preis erzielen, keinen fairen. Genauso unbedeutend der Käufer, der am geringen statt gerechten Preis interessiert ist. Die Durchsetzung in diesem Kräftemessens, gewinnt der, der am längeren Hebel sitzt (so kommen die Verluste zustande oder es werden die Gewinne erzielt).
      Der Kaufpreise ist nicht dazu da, eine Balance herbeizuführen, der die gegensätzlichen Einflussbereiche der beiden Marktteilnehmer versöhnt und jedem seinen Erfolg vermittelt.

      Derweil man nur irgendwelche Stellräder innerhalb des Bestehenden verstellt wie, Grüne, SPD, Piraten Teile der Linkspartei, und soweit immer wieder in die Landkommune oder in die Existenzform privatistischer Auflehnung ausgewichen wird, bleibt alles wie es ist.
      Eine umfassende Kritik hat die Slow-Bewegung leider nicht zubieten, darum ging es mir nur. Die Unterschiede sind graduell, mehr nicht. Innerhalb des Systems bleibt innerhalb des Systems.
      Man kommt nicht darum herum, darüber zu streiten.

      Die guten Vorhaben sehe ich ja auch wirklich als gute an, auch was werter DR. ISO schrieb. Dort scheint die Diagnose erst mal nur auf ökologische Probleme anzuspielen, worauf folgend aber bestimmt viele, dann gewiss auch eine sozialere Weltgerechtigkeit mit einhergehen sehen.
      Es ist bestimmt richtig, um eine ausreichende Nahrungsversorgung für alle Menschen zu gewährleisten, müsste wohl global betrachtet die Tierhaltung eingeschrängt oder wenigstens nicht erhöht werden. Und auch letzterer Punkt würde, gerechte Verteilung vorausgesetzt, weniger Fleischkonsum für die meisten Mitteleuropäer bedeuten.

      Aber weil sinnvolle Ressourcennutzung und gerechte Verteilung im kapitalistischen Ernstfall sowieso nicht interessieren, sind das weitgehend theoretische, spekulative Debatten und nicht weniger eine Kostenaufstellung, gleich ob sie von der ökonomischen, ökologischen oder ethischen Seite ausgeht. die am eigentlichen Problem vorbeigehen.

    2. Dr. ISO

      @Richard:
      1. das mit dem Grundnahrungsmittel musst du mir erklären.
      Und ich erkläre nochmal was ich unter Luxus verstehe: ein Produkt, das viele Ressourcen verschlingt ist für mich Luxus. Ob ich jetzt Bio-Genfrei-Öko-Fairtrade-happy-pig Fleisch in der Schickeria in München esse, oder der Neger TM in Botswana – das Fleisch verschlingt immer gleich viel Wasser und Energie. Dass die Realitäten verschoben sind, weil wir es uns leisten können den energieaufwändigen Teil auszusourcen ist ja genau der Punkt.
      2. Ihr erzeugt Fleisch aus heimischen Pflanzen? Supi, bei mir kommt Fleisch immer aus Tieren, die wachsen müssen, deren Scheiße irgendwohin muss, usw.
      Die Tatsache, dass das Futter „heimisch“ ist, ändert nichts an Punkt 1. Und Ackerfläche brauche ich trotzdem, um die Viecher zu füttern.
      3. Ich glaube wir haben aneinander vorbei geredet. Und ich glaube, dass Euer Ansatz das Grundproblem nicht lösen wird. Zumal eine Fleischproduktion, rein aus auf deutscher Fläche angebauten Pflanzen, nicht funktionieren wird! Wieviel Fläche braucht man, um allen Deutschen mindestens 1x im Monat ein Fleischgericht zu garantieren? Wohl mehr als zur Zeit zur verfügung steht, nehme ich an. Oder will man Kühe durch Naturschutzgebiete treiben?

    3. Richard

      Sorry für die späten Antworten

      @Gutezeit Deine Kritik ist berechtigt, die Degrowth, Slow, Small etc. Bewegungen sind immer noch in der als „natürlicher Lebenszustand“ betrachteten modernen Ökonomie gefangen.

      @Dr. Iso: Wenn man anstreben will, dass sich Menschen möglichst lokal und saisonal ernähren und man auf hohen Energieeinsatz verzichten möchte, dann heißt das für Bevölkerungen, die keine 6monatige Vegetationsphase ohne Frost und/oder nicht die Böden für Acker-/Gemüsebau haben, dass sie sich auf tierische Produkte verlegen müssen. Pflanzenfresser können eben einfach für uns nicht verwertbares Rauhfutter in für uns aufnehmbare Form verwandeln. Beispiele hierfür: Der Käse der Alpen, die Herden der Nomaden in der Sahelzone, Yaks im Himalaya und die Rinderherden der argentinischen Pampas/des amerikanischen Westens. Alles tierische Produktion, die nicht in Konkurrenz zur pflanzlichen Nahrungsmittelerzeugung des Menschen steht. Natürlich heißt das, dass das durch Ackerland gesegnete (der Natur über Jahrtausende hinweg abgerungene und fruchtbar erhaltene) Europa, weniger Fleisch produzieren würde und es hier zu einem Luxusprodukt wird. Aber auch hier gibt es genug Trocken-/Nasswiesen, Heiden, Steilhänge etc. um den Sonntagsbraten für jeden Europäer zu erzeugen zu und wenn wir Schweine und Geflügel wieder Kleinteiliger halten, dann dürfen die auch wieder den guten Abfall statt Mastfutter fressen, dann gibts auch noch den Schweinsbraten im Wirtshaus (dann eben nicht mehr für unter 10 Euro) und die Martinigans.

  7. Dr. ISO

    Gutezeit hat es eloquenter ausgedrückt, als ich es je könnte.
    Ich kann dem nur zustimmen. Das Problem liegt im System. Und das bisschen Fairtrade und Bio-Getue ändert nicht das System. Noch schlimmer: die Bio-Bewegung ist mittlerweile auch Mainstream und auch wie alles andere, auf Profit gebürstet. Zur Not muss halt der Staat mitzahlen, damit der Profit schnell genug kommt. Also, same shit, different label.

    Weniger fressen, weniger wegschmeißen wäre die Lösung. Aber es wäre ja kein Fortschritt, bei uns zu sparen und dem Schwarzen in Afrika alles zu schenken, das er sich gefälligst selbst erarbeiten soll – so wie wir *sarkasm off*.

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    1. ponder

      1. In der Landwirtschaft gibt es den Begriff vom absoluten Grünland. Das sind Flächen, die ackerbaulich nicht bewirtschaftet werden können – z.B. wegen geringer Bodenqualität, extremer Hanglage oder auch der Höhenlage. D.h. das sind Flächen, die nur durch den Wiederkäuer produktiv gemacht werden können, da die Wiederkäuer das auf dieser Fläche wachsende Gras dank des Pansens und die in ihm vorhandenen Mikroorganismen verdauen können. Die Cellulose, ein Polysaccharid, wird durch die Mikroorganismen aufgespalten und es entstehen die sog. flüchtigen Fettsäuren. Aus diesen wiederum bauen die Mirkoorganismen Proteine auf (also sich selbst in dem sie sich vermehren) die dann vom Wiederkäuer im Labmagen verdaut werden. Eine Kuh verdaut am Tag ca. 5-7 Kilogramm Bakterien. Alle Wiederkäuer sind aus diesem Grund nicht auf die Zufuhr von Protein (z.B aus Soja, Erbse, Ackerbohne, …) angewiesen.
      Also ja, Wiederkäuer können ausschließlich aus heimischen Pflanzen ernährt werden, für die nicht einmal Ackerfläche verwendet werden muss.

      2. Dann zum Thema „Die Scheiße muss irgendwo hin“ – Jap. Die Scheiße ernährt die Pflanzen. Mit jeder Ernte trägt man Nährstoffe vom Acker. Wenn man nicht düngt, dann entzieht man dem Boden Nährstoffe ohne welche nachzuführen und der Boden verliert an Fruchtbarkeit. Zum Düngen hast du jetzt verschiedene Möglichkeiten. Du kannst Leguminosen anbauen, die durch die Symbiose mit Knöllchenbakterien in der Lage sind Luftstickstoff zu fixieren. Im ökologischen Landbau wird daher in der Fruchfolge mit Klee-Gras-Luzerne-Mischungen gearbeitet, die die Bodenfruchtbarkeit zu einem Teil wiederherstellen und durch die 2 Jährige Anbaupause den Humusaufbau fördern, aber auch mit Ackerbohne, Phazelia, Erbsen (sehr wenig! Anbau stark zurück gegangen!). Kleegras kann vom Menschen nicht gegessen werden – aber vom Wiederkäuer! Der Kot des Wiederkäuers ist dann die zweite Option zur Düngung, der kommt dann wieder auf den Acker und man hat nochmal einen Nährstoffeintrag in das System.
      Die Alternative dazu währe die Fixierung von Luftstickstoff durch das Haber-Bosch-Verfahren (Ammoniaksynthese). Aus dem Ammoniak werden dann die Kunstdünger hergestellt, die in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden und im ökologischen Landbau nicht gestattet sind. Das Haber-Bosch-Verfahren ist extrem Energieaufwendig (da reiner Wasserstoff erzeugt werden muss), sodass 1,4% des Weltenergieverbrauches auf das Haber-Bosch Verfahren entfallen.

      3. „Soll man Kühe ins Naturschutzgebiet treiben“
      Ja! Also nicht Kühe, aber Schafe zum Beispiel. Ich kenne mehrere Naturschutzgebiete die nur auf Grund des extensiven Abhütens mit Schafen erhalten werden können. In der Region in der ich zur Zeit lebe ist das ein Kalkmagerrasen. Der Rasen stellt nicht die Klimaxvegetation in diesem Gebiet dar, das wäre der Wald. Gäbe es keine Beweidung würde sich an dieser Stelle ein Wald entwickeln und die ökologischen Nischen für die vielen geschützten Arten, die auf diesem Kalkmagerrasen wachsen, würden zerstört werden.

      4. „dem Schwarzen in Afrika alles Schenken“
      Nein, das wäre kein guter Weg. Das machen wir ja zur Zeit und zerstören damit die lokale Landwirtschaft, sodass ein Abhängigkeitsverhältnis entsteht.

      5. Der Staat zahlt bei Bio mit
      Der Biolandbau führt zu geringeren sog. externen Kosten. Das ist zum Beispiel der Ausstoß von Treibhausgasen oder die Reduzierung von Biodiversität. Die Gemeinschaft leidet unter diesen Effekten, aber der Verursacher wird dafür nicht zur Kasse gebeten. Jetzt produziert der Biolandbau weniger externe Kosten und wird dafür vom Staat durch höhere Flächenprämien „belohnt“.

      6. Gülle beim Biorind
      Gülle ist ein Kot-Urin-gemisch, auch Flüssigmist genannt, dass in der Konventionellen Haltung auf Spaltenboden entsteht. Im Biolandbau sind Vollspaltenböden nicht zulässig – es darf maximal ein Teil des Stalls aus Spaltenboden bestehen. Der Rest muss mit natürlichem Material gestreut sein. Das ist jedenfalls EU-Bio – wie es bei den einzelnen Anbauverbänden aussieht weiß ich nicht. Damit ist das Gülle-Aufkommen wesentlich geringer als im konventionellem Landbau und auch hier gilt: Die Gülle an sich ist nicht das Problem – sie ernährt die Pflanzen! Das Problem sind die Riesenmengen pro Fläche, die aber im Biolandbau gemäß Richtlinie nicht anfallen können, da hier der Viehbesatz begrenzt ist – 170kg Stickstoff pro Hektar und Jahr, was ungefähr 2 Kühen entspricht die meist nicht von diesem einen Hektar ernährt werden können. Das fehlen von flüssigen Düngern im Ökolandbau geht sogar so weit, dass ca. 50% der Biolandwirte ihr Getreide während der Vegetation gar nicht mehr düngen und auch zum Beispiel der Maisanbau, der stark auf schnell verfügbare Stickstoffdünger angewiesen ist, im Biolandbau kaum bis keine Bedeutung hat.

      Das ändert natürlich alles nichts an dem Problem des übermäßigen Fleischkonsums der auf Kosten anderer Länder geht. Da hast du natürlich vollkommen recht. Aber eine rein vegane Landwirtschaft halte ich für sehr gewagt, da:
      1. Absolutes Grünland nur durch Wiederkäuer produktiv gemacht werden kann.
      2. Der mehrjährige Futterbau mit Klee-Gras-Luzerne-Gemengen, der die Bodenfruchtbarkeit erhält, nur durch den Wiederkäuer produktiv gemacht werden kann
      3. Alleinige Gründüngung ohne den Mist führt zu einer negativen Humusbilanz und damit langfristig zu einer verschlechterung der Bodenfruchtbarkeit. Mittel, die dem entgegen wirken und die auf rein pflanzlicher Basis sind (Kompost, Biogasgülle) produzieren selbst allerdings keine Lebensmittel.

      Wenn ich vom „produktiv machen“ spreche dann meine ich damit die Erzeugung von Lebensmitteln.

  8. Simon

    Wow! Ich bin weggeblasen! Super spannend, inspirierend und einfach toll. Der Hendrick hat es echt drauf mit seiner Einstellung zu motivieren. Am liebsten würde ich jetzt sofort zu einem Bauern fahren und leckere Sachen kaufen. Die Realität ist leider, dass die Sachen verderben würden, weil ich am Ende doch nicht koche … naja egal. War auf jeden Fall eine super spannende Sendung und ich hoffe ihr macht in dieser Richtung noch mehr. Freue mich drauf! 🙂

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  9. Alter Bolschewik

    Die blauen Kartoffeln, die Holgi meint, heißen Vitelotte oder Trüffelkartoffeln. Hier im Südwesten gibt es sie vom Lindenbrunnenhof in Forchheim. Die Binders vom Lindenbrunnenhof wären im übrigen auch 1a Gesprächspartner für einen Podcast, falls Holgi mal wieder so weit im Süden weilt.
    Disclaimer: Ich bin mit Binders weder verwandt noch verschwägert, aber ich kaufe ihre Kartoffeln hier auf dem Wochenmarkt; die geilste ihrer rund 40 Kartoffelsorten ist übrigens die papa creole – kleine, runde, maximal kastaniengroße Dinger, die man roh, mit Schale in Butter anbraten kann und dann die besten Bratkartoffeln der Welt bekommt.

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  10. silwol

    Herzlichen Dank für die Ausführungen, Hendrik. Ich stimme ziemlich gut mit den von dir vorgeführten Ansichten überein. Bei mir in der Nähe (Oberösterreich) gibt es auch zwei CSA-Projekte. In Sattledt die Gemüsefreude und eines ein paar Kilometer weiter in Voitsdorf Sauwohl-Patenschaft und Gemeinschaftsgarten Eden, wo ich auch aktiv dabei bin. Ich bin erst vor ca. einem dreiviertel Jahr auf diesen Themenkomplex gestoßen, als ich durch eine Doku über Saatgut angefixt wurde. Habe mittlerweile auch einen eigenen Hausgarten und eine Sammlung an Samenfestem Saatgut angelegt. Ich genieße es richtig, Gemüse direkt aus dem Garten zu naschen, oder mit den frischen Gemüsesorten und Kräutern aus dem Garten zu kochen.
    Habe auch ein paar regionale Bauern, von denen ich mir gute Produkte hole, teilweise ab Hof, teilweise am Bauernmarkt.
    Insbesondere im Herbst verdirbt allerdings immer wieder etwas, weil es schwierig ist so viel zu verarbeiten. Im Winter werde ich dafür wahrscheinlich trotzdem einiges dazu kaufen müssen, aber es wird sich in Grenzen halten.
    Allgemein scheint mir in letzter Zeit die Awareness und auch die Akzeptanz für dieses Thema zu steigen (vorausgesetzt meine Filter-Bubble täuscht mich nicht zu stark).

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  11. phan

    Tolles Gespräch. Ein paar Fragen blieben jedoch unbeantwortet.

    Skalierbarkeit:
    Hendrik erwähnte in der Bio-Landwirtschaft werden mehr Lebensmittel aussortiert als in der herkömmlichen. Wäre mit Bio-LW eine Versorgung im jetzigen Umfang möglich? Wie würden sich Lebensmittelpreise entwickeln?

    Transparenz:
    Die Bio/Slow-Food Branche ist offensichtlich sehr gut durch Vereine und Konferenzen vernetzt. Warum schafft sie es nicht ein eigenes Bio-Labelsystem zu entwickeln?

    Mündige Bürger vs. Werbung:
    Warum blieb das unkommentiert von jemandem, der Werbung für Lebensmittelhersteller und Landwirte betreibt?

    Distinktionsgewinn:
    Guter Punkt von Holgi. Hat die Bio/Slow-Food Branche auch untere Einkommenschichten als Zielgruppe oder werden hier gezielt Lebensmittel als Semi-Luxusgüter vermarktet?

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    1. ponder

      1. Skalierbarkeit
      Ich weiß nicht ob das so stimmt. In meiner Agrarmarktlehre-Vorlesung habe ich gelernt, dass das von den Erntemengen abhängig ist. Gute Ernte = Viel aussortieren, schlechte Ernte = wenig aussortieren.

      2. Distinktionsgewinn
      Da bin ich mir auch nicht sicher. Biogemüse ist – saisonal gekauft – nicht wesentlich teurer als konventionelles Gemüse. Biofleisch dagegen um einiges. Mit der Umstellung der Produktion muss auch eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten einher gehen, dann ist das durchaus auch für geringere Einkommen möglich. Ich bin selbst CSA mitglied und zahle für einen Anteil, der für 2 Personen gut reicht, im Moment 73€. In Göttingen gibt es einen CSA Anteil, der laut Angaben des Vereins, für 2-3 Personen reicht für IIRC 52€. Also das kann schon passen, wenn man halt nicht jeden Tag ein Schnitzel essen möchte.

  12. Sebastian

    Das Projekt an dem Hendrik teilnimmt mit der Patenschaft des Bauernhofs, wie war der Name von diesem?

    Gibts es dafür eine Plattform wo man diese findet?

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  13. Dennis

    Eine wunderbare Sendung, man merkt Hendrik seine Begeisterung für die Dinge die er tut und sich stark macht an.
    Leider redet er dadurch teilweise unheimlich schnell und Holgi passt sich diesem Redeschwall an.
    Sollte es (und ich hoffe das) zu einer weiteren Folge kommen gib ihm doch bitte einen kleinen Wink hin und wieder ein wenig auf die Bremse zu treten. Ich glaube Hendrik hat noch viel zu erzählen und das muss raus.
    Für mich hatte die Sendung zur Folge das ich mich auf jeden Fall in meiner Stadt mal umsehen werde wie Slowfood hier organisiert ist und mir das mal ansehen.

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  14. Cedric

    An dieser Stelle eine kleine Bitte an Holgi: kannst du bei solchen Sendungen kurz einleiten, was das Thema ist? Also nicht nur sagen, dass ihr über Slowfood sprecht, sondern auch kurz erklären, was Slowfood ist (bzw. den Gesprächspartner erklären lassen). Wenn ich die Podcasts am PC oder im Zug höre kann ich kurz selbst googlen/in die Shownotes gucken, auf dem Fahrrad oder im Auto ist das schwieriger.
    Wobei ich vom Begriff „Slowfood“ noch eine ungefähre Vorstellung hatte und anhand der Erzählungen über den Slowfood-Kongress dann auch relativ schnell herausgefunden haben, was damit genau gemeint ist. Bei dem Ferngespräch über Velomobile vor ein paar Monaten hat es deutlich länger gedauert, bis ich wusste, worüber ihr da redet. Aber vielleicht liegt das auch einfach an mir, das möchte ich gar nicht ausschließen.

    Ansonsten interessante Sendung, danke!

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  15. ponder

    Ich habe 2 Inhaltliche Dinge anzumerken.

    1. Die Lebensdauer bei einem normalen Mastschwein beläuft sich auf etwa 6 Monate. 3 Monate Ferkel, dann kauf durch den Mäster und dann nocheinmal 3 Monate Mast und nicht 3 Monate Gesamtlebenszeit.

    2. Hühner: Bei den Legehennen stimmt es mit den männlichen Kücken. Das Problem hier ist die Futterverwertung. Die Tiere sind so stark auf die Produktion von Eiern gezüchtet, dass sie das Futter kaum für den Fleischaufbau verwenden. D.h. ein Legerassen-Hahn muss mit wesentlich mehr Futter gefüttert werden als ein Mast-Hahn um auf das gleiche Gewicht zu kommen. Es hat mal jemand ausgerechnet, dass ein Ei ich glaube um die 4 Cent teurer werden muss um dafür dann auch den Bruder der Legehenne aufziehen zu können. Das waren die Leute der Bruderhahn-Initiative http://www.bruderhahn.de
    Bei den Mast-Rassen ist das Geschlecht allerdings egal. In den ca. 30 Tagen Mastzeitraum nehmen beide Geschlechter gleich schnell zu und es kommt nicht zum Schreddern von weiblichen Kücken in der Mast.

    Und zum Ende noch ein Fun-Fact zu Masthühnern: Die großen Brüste kommen durch das Einkreuzen von Asiatischen Kampfhahnrassen.

    Danke für diesen tollen Podcast. Hat sehr viel Spaß gemacht 🙂

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  16. Klaus

    Kann Holgi nicht mal generell die Benutzung des Wortes SPANNEND (für alles und jedes) verbieten?
    Es gibt doch reichlich andere Adjektive, um Begeisterung auszudrücken.

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