WR430 Politik in Großbritannien

 

wrint_2014_zumthema_200Am Donnerstag, dem 7. Mai 2015 sind Wahlen in Großbritannien und ich habe das Glück, dass Tobias Kliem nicht nur Dozent an der Canterbury Christ Church University ist, sondern sich auch angeboten hat, ein wenig über das politische System Großbritanniens zu erzählen (nachdem Tim und ich neulich so mit gesunden Halbwissen geglänzt hatten).

(Ich war zum Aufnahmezeitunpunkt stark erkältet. Bitte entschuldigt meinen Zustand)

24 Gedanken zu „WR430 Politik in Großbritannien

  1. Florian Riess

    Ich hätte es persönlich sehr interessant gefunden wenn Holgi hier ein dreier Gespräch mit Tim Pritlove und dem Herrn Kliem gemacht hätte zu dem Thema .

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    1. Florian Riess

      1: Alles wird besser mit Pritlove.
      2: Weil Er sicherlich einen anderen Blick rein gebracht hätte.

    1. Silvan

      Und wenn man diese Zeremonie betrachtet, erklärt das ja dann auch irgendwie Monty Python.

    1. Tobi

      Gute Beispiele – danke! Die PM Questions sind schon recht witzig, allerdings muss man auch sehen, dass vieles davon von Spindoktoren und Gagschreibern vorbereitet ist. Es ist auch sehr stark auf den typischen 3 Sekunden Nachrichtenschnipsel hin ausgelegt.

  2. tp1024

    Meine Lieblingsstory vom Tod Magret Thatchers war, dass eine Woche später das meistverkaufte Lied in den UK Charts „Ding Dong the Witch is Dead“ aus „The Wizard of Oz“ war:
    https://www.youtube.com/watch?v=PHQLQ1Rc_Js

    Die saftigsten Teile der Lyrics:

    Mayor:
    As Mayor of the Munchkin City, In the County of the Land of Oz, I welcome you most regally. But we’ve got to verify it legally, to see if she Is morally, ethic’lly, spiritually, physically, positively, absolutely, undeniably and reliably Dead.

    Coroner:
    As Coroner I must aver, I thoroughly examined her. And she’s not only merely dead, she’s really most sincerely dead.

    Mayor:
    Then this is a day of Independence For all the Munchkins and their descendants

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  3. Klaus

    Das deutsche Wahlsystem ist das personalisierte Verhältniswahlrecht. Mehrheitswahlrecht mit der Erststimme und Verhältniswahl mit der Zweitstimme.

    Gab es dazu nicht schon einen Politikunterricht?

    Ansonsten: Du solltest dich nicht vorher in der Beschreibung für Sachen entschuldigen, die man in der Folge gar nicht hört. War topp!

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  4. Samuel von Graffenried

    Kleiner Hinweis
    Auch die Schweiz hat eine Partei (SVP) die mit dem Ausstieg aus der EMRK (Europäische Menschenrecht Konvention) politisiert um Kriminelle Ausländer loszuwerden(Umsetzungsinitiatiative) ….und das ist eine knapp 30 % partei

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    1. Tobi

      Stimmt. Allerdings ist die SNP (trotz ihres erschreckenden Erfolges) immer noch eine Rechtsaußenpartei. Die Konservativen in UK sehen sich selbst als Partei der Mitte – gerade unter Cameron („compassionate conservatism“).

    2. Sämu

      Hey Tobi
      Da Schweizer Politik nicht unter einen tollen Podcast über GB gehört und ich kein Politologe bin halte ich mich kurz. Mir fiel nur das erstaunen von Holger und Dir über das breit negativ konnotierte „Menschenrechte“ in England auf und wollte darauf hinweisen, dass es in der Schweiz ähnlich verhält.. Siehe die letzten Initiativen die von der SVP angezettelt wurden an
      Da wir Keine Repräsentative Demokratie sind sondern eine Direkte, sind wohl die Resultate der Volksentscheide viel wichtiger..
      Was die SVP angeht, Richtig Sie Sind am rechten Rand zu treffen aber waren ursprünglich nur die Konservativen.

      Herzlichen Dank noch mal für den Podcast.

  5. blub

    Es gibt tatsächlich eine Komission die feststellen kann das die Königin nicht mehr zurechnungsfähig ist und dann kommt eben der nächste in der Thronfolge dran.

    Ich weis nicht auswendig wie der Rat heißt, das ganze ist ja auch etwas unübersichlich…

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    1. Tobi

      Interessant – die Kini Ludwig II Lösung… Ich habe da nichts zu gefunden, kann aber durchaus sein, dass da eine Klausel z.B. im Act of Settlement ist. Die Flexibilität der Britischen Verfassung macht es aber ohnehin nicht allzu schwierig, mit solchen Extremfällen irgendwie klarzukommen.

      Weitaus schwieriger ist die Frage, was unterhalb der Schwelle von nicht mehr vorhandener Zurechnungsfähigkeit passiert. Zum Beispiel kann das ein Problem werden wenn Charles seiner Mutter nachfolgt – im Gegensatz zu ihr hatte er nie Probleme damit, seine Meinung zu sagen, und es kann durchaus sein, dass er mal ein Gesetz nicht unterschreibt, weil er es im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte für falsch hält. Sehr schön dazu übrigens die zweite Staffel des orignal „House of Cards“ (http://www.bbc.co.uk/programmes/articles/1F1TT8ng10xQn3fTrdgy2RM/house-of-cards-trilogy).

  6. Eule

    Im Unterhaus wird immer nur der Speaker angesprochen um die Debatten sachlicher zu halten. Es ist halt schwieriger, jemanden zu beleidigen, wenn man eigentlich gerade mit einer ehrwürdigen Amtsperson nur über diesen Jemand redet. (So ähnlich wie bei streitenden Geschwistern die zur Mama laufen; die werden ihr auch eher sagen, dass der Bruder was blödes gemacht hat und nicht dass er ein stinkender Arschpopel ist.)

    So eine Regelung ist in Parlamenten nicht ungewöhnlich. Der Senat des US-Bundesstaates Minnesota hat beispielsweise letzten Monat erst die Regelung bekräftigt, dass Senatoren sich dort bei ihren Reden ausschliesslich an die Senatspräsidentin zu richten haben (Auszug aus dem Regelwerk: „When a member is speaking, no one may stand between the member speaking and the President. All remarks during debate shall be addressed to the President.“).

    In deutschen Parlamenten wird das etwas weniger strikt gehandhabt, aber auch dort richten die Abgeordneten ihre Reden formal an die amtierenden Präsidenten (obwohl die ihren Platz in den meisten Fällen baulich im Rücken des Rednerpultes haben) und werden zur Ordnung gerufen, wenn sie während ihrer Rede mal mehr als eine Handvoll Worte mit einem zwischenrufenden Parlamentsmitglied austauschen.

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    1. Tobi

      Interessant ist da allerdings der Gegensatz. In Deutschland sind die Reden im Vergleich relativ unformal, und der parlametarische Gegner wird durchaus mit Namen angesprochen, in Großbritannien wird aber sehr viel öfter dazwischengerufen, und das „Order, order!“ ist schon fast Folklore bei den PM Questions.

  7. Lars

    Eine wirklich äußerst interessante Folge, Tobias Ausführungen hätte ich gerne noch länger gelauscht. Endlich mal jemand, der dieses „Der Engländer hat doch gar keine Verfassung!!1einsdrölf“-Geschwafel entzaubert. Ich habe mich damit bisher leider nur so ganz am Rande beschäftigt, fand es aber faszinierend, was für Facetten und zahlreiche Stilblüten, die jemandem, der mit dem bundesrepublikanischen System aufgewachsen ist, zum Teil ja komplett kontraintuitiv, bzw. geradezu archaisch erscheinen. Hat auf jeden Fall Lust gemacht, da mal etwas weiter zu graben! Und vielleicht springt da ja eine Art britischer Politikunterricht bei raus? 😀 Tobias hat mich auch sehr an Markus Kompa erinnert von der Sprechweise und Wortwahl her, was ich zusätzlich sympathisch fand.

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  8. Tilman

    Wirklich eine tolle Folge, danke an Holgi und vor allem natürlich an Tobias Kliem 🙂
    Allerdings hätte ich mir gegen Ende noch die Frage von Holgi gewünscht, was den alles richtig toll ist an UK. Denn gerade gegen Ende wurden doch sehr viele Schattenseiten herausgekehrt, da wäre es IMHO nett gewesen, die Folge etwas fröhlicher/positiver zu Ende zu bringen. Nichts desto trotz: super interessant zum zuhören 🙂

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    1. Tobi

      Einige positive Seiten haben wir ja am Anfang genannt, und insgesamt hoffe ich, dass es nicht allzu negativ rübergekommen ist – auch wenn die Wahl einiges negatives hochgeholt hat… Vielen Dank für das Feedback!

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