WR683 Redaktionsschluss

 

Stefan Schulz ist Journalist, Podcaster und Autor des Buches „Redaktionsschluss – Die Zeit nach der Zeitung„.* Darin diskutiert er das „Ende des Journalismus in der Organisationsform, die wir heute haben“ und ich lasse mir von ihm erklären, was er damit meint.

Darin: „Digitaler Burnout„* – brandeinsNew York Times für € 1,40 im Monat – John Oliver: Last Week Tonight – George Lakoff: Understanding TrumpWalter Winchell

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43 Gedanken zu „WR683 Redaktionsschluss

  1. Greg

    sehr interessante Folge. Gerade die Auswirkungen des digitalen Dauerrausches ist nicht zu verkennen.
    Es ist wirklich spannend zu beobachten in welche Richtung unsere Gesellschaft driftet. Welche Gesellschsft überhaupt?
    Eigentlich ist es geboten, als mündiger und verantwortungsvoller Bürger einen bewussten Umgang mit den Medien zu entwickeln.

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    1. Stefan

      Ich persönlich finde es nicht spannend, sondern beängstigend.

      Meine Ansicht ist es, dass die meisten Menschen mit diesem Dauerrauschen nicht umgehen können und dadurch auch hysterisch um sich schlagen, weil sie nicht mehr in der Lage sind, wichtige Informationen vom Trivialquatsch zu trennen. Zum Beispiel wenn Einzeltaten (egal wie schrecklich sie sein mögen) bis zum Exzess medial aufgebläht und letztlich finanziell bis zum letzten Blutstropfen ausgeschlachtet werden, am Ende dann sogar in neue Gesetze münden, da Politiker sich genau darüber profilieren.
      Das hat in den letzten Jahren massiven Schaden an der Gesellschaft angerichtet und sehr viel regelrecht zerstört. Und wenn Du mit sachlichen Argumenten dagegen hältst, ist deren Basis und Lobby so stark, dass sie Dich in Grund und Boden diffamieren: Gefühle sind die neue Tatsachen.

      Das betrifft übrigens nicht nur Nachrichten, sondern ganz allgemein die Medienwelt, inkl. Fernsehproduktionen, TV-Serien und Pseudo-Dokumentationen. Man braucht sich nur Sendungen wir „Anwalt der Toten – Rechtsmedizinier decken auf“ auf RTL mehrmals ansehen. Man stellt fest, dass da uralte Fälle in Endlosschleife durchgenudelt werden und letzten Endes suggerierr wird, dass solche meist Einzelfälle nahezu ständig passieren würden. Und in jeder Sendung ist mindestens ein Mord (gerne in Kombination mit Missbrauch) an einem Kind mit von der Partie, denn das bringt satte Einschalt- und Empörungsquote. Jeder Vorfall mündet heute in seine eigene TV-Produktion. Die Lizenz zum Geld drucken, je emotionaler, desto profitversprechender.

      Praktisch jedes Maas-Gesetz seit Amtsantritt ist nach rationaler Überlegung nicht nur überflüssig, sondern gefährlich, weil jedes einzelne Gesetz, das durch diesen Mann in die Wege geleitet wurde, die reine Willkür ermöglicht und somit die Stabilität der Gesetzgebung aushebelt. Ich gehe sogar soweit und behaupte, dass jedes einzelne Gesetz nach verfassungsrechtlicher Prüfung verfassungswidrig oder menschenrechtswidrig ist. Aber wo kein Kläger…

      Minderheiten und Randgruppen haben das für sich entdeckt und nutzen das konsequent, sich und ihre Ansichten immer weiter zu verbreiten, egal wie absurd sie bei rationaler Überlegungsweise auch sein mögen.

      Früher gab es eben die Tagesschau und die Tageszeitung, da stand alles Wichtige drin. Für den täglichen Boulevard und Trash gab man sich vielleicht noch die BILD und das wars. Verquerte Meinungen und Ansichten sind gar nicht erst auf eine breite Masse gestossen, sie wurden einfach nur von Wenigen oder gar nicht wahrgenommen. Und das war im Großen und Ganzen auch gut so.

      Heute wird man von 50 TV-Sendern, hunderten Webseiten und sozialen Medien täglich mit sensationsgeilen Nachrichten regelrecht terrorisiert, das Gefühl der permanenten Unsicherheit und permanenten Gefahr wird stets hoch gehalten, obwohl sie real kaum Substanz hat. Wie hoch der Wahrheitsgehalt ist, lässt sich mit zur Verfügung stehenden Mitteln (allen voran Zeit) kaum noch prüfen.

      Mündige und verantwortungsbewusste Bürger kann man heute an einer Hand abzählen, der Rest rennt jeder neuen Hysterie unreflektiert hinterher. Der Gesetzgeber nutzt diese Strukturen schamlos aus, da er einer schweigenden Masse gegenübersteht.

      Und was viel schlimmer ist: Qualitätsjournalismus können sich viele nicht mehr leisten. Die Redaktionen, die Qualität abliefern, müssen sich hinter Paywalls verstecken und hoffen, genug Abonnenten zu finden. Während die Sensationspresse, die eigentlich nichts zu berichten hat und nur Volksverhetzung betreibt, wenn man es genau nimmt, über Werbenetzwerke die dicke Kohle macht und Nutzer von AdBlockern kriminalisiert.

      Wahrheit ist, wer am Lautesten schreit. Und das kann letzten Endes nur in einer Katastrophe münden.

      Ich hoffe, ich behalte oder habe Unrecht.

  2. Tobias

    Habe Stefan das erste mal durch Tilos 33c3 Videos wahrgenommen, aber jetzt das erste Mal länger etwas von ihm angehört. Wahnsinnig spannendes Thema und tolle Denkanstöße mitgenommen. Vielen Dank :).

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    1. Richard

      Du musst unbedingt anfangen den Aufwachen! Podcast zu hören. Wenigstens für ein paar Folgen, da macht Stefan seine Punkte nochmal am Praxisbeispiel klar. Woche für Woche und trotzdem wird es nicht langweilig, alleine das sollte schon zu denken geben 😀

    1. Richard

      Mit der Wahl von Trump haben sich sowohl die New York Times als auch die Washington Post komplett verändert. Und Stefan bezieht sein Lob auf diese Zeit seit der Wahl, das hat er mehrfach in seinem Podcast klar gemacht.

  3. rhino

    Zum Thema Personen im Journalismus. Ich halte es nach wie vor als hohe Kunst des Journalismus eine spannende Geschichte über Personen zu erzählen und gerade damit Sachthemen in die Tiefe gehend und in analytischer Schärfe zu vermitteln. Die Le Monde diplo bietet hierfür eindrucksvolle Beispiele. Nur weil ich Personen weglasse wird etwas nicht besser oder objektiver. Ein objektiver von Personen befreiter Schreibstil dient oft auch nur der Verschleierung und der Distinktion. Über Personen können z:B. historische Zusammenhänge of überhaupt erst nachgezeichnet und transparent gemacht werden. Es kommt natürlich immer auf das Thema an, an das die Darstellung ausgerichtet werden sollte. Personen allein machen selbstverständlich auch noch keinen guten Artikel.

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  4. Marlo

    Hallo Holgi und Stefan,
    also das war ja mal eine interessante Folge. So viele neue Themen und Sichtweisen.
    Bitte macht mehr zusammen!
    Holgi, zieh dir diesen Mann ins Wrintboot, der hats ja wohl mal richtig drauf! 🙂
    Jetzt werd ich erstmal den aufwachen-podcast durchstöbern..
    danke für die Inspirationen!
    Grüße,
    Marlo

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  5. tp1024

    Selten hat mir ein Wrint beitrag derart aus der Seele gesprochen. Just zur gleichen Zeit spielte sich bei mir folgendes ab:
    http://scienceblogs.de/wasgeht/2017/04/05/wie-kam-nordkorea-an-die-bombe-und-was-zeit-online-daraus-machte/

    Ich sollte einen Artikel über das Nordkoreanische Atombombenprogramm an Zeit Online liefern. Der veröffentlichte Text wurde ohne jede Rücksprache so verfremdet und von dem neutralen politischen Standpunkt so weit entfernt, dass ich nur noch meinen Namen streichen lassen konnte und auf mein Honorar verzichtet habe.

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    1. David

      Auf so einen Fall „Keine SIM“ reagieren manche Handys aber sehr allergisch, weil sie das nicht so richtig vorsehen – und nerven dann regelmäßig, zeigen Sondermenüs/Titelzeilen an etc – dann lieber eine Abgelaufene SIM und Flugmodus.

  6. Njorgorg

    Spannende​ Gedanken. Ich hatte bei vielem aber das Gefühl, dass Stefan Schulz seine Szenarien etwas zu sehr auf die Spitze treibt:

    Ist der BND so schlimm wie die Stasi?
    Klar, wenn man das Ausmaß der Überwachung als einziges Kriterium hernimmt, kann man da drüber nachdenken. Dass die Stasi aber in einem ganz anderen Maße das soziale Gefüge der Gesellschaft manipuliert hat, weil die Informationen von normalen Bürgern kamen und so eine massive soziale Kontrolle ausgeübt wurde und dass aus der Überwachung viel häufiger unmittelbare Konsequenzen für Leib und Leben folgten, wird dann ignoriert.

    Sind die Spitzenpolitiker wirklich inhaltlich derart desinteressiert und austauschbar?
    Ich finde, dass es sich da lohnt die erwähnten Interviews von Tilo Jung anzusehen. Da wird einem schnell klar, dass hinter den medial inszenierten Politikern selbst denkende Menschen mit eigenen Überzeugungen stecken, die sehr wohl an der einen oder anderen Stelle einen Unterschied bewirken. Das Problem ist halt, dass sie sich auf vielen Feldern von „Experten“ leiten lassen (müssen?), weil nunmal für einen einzelnen nicht alles überschaubar ist.

    Fallen wir in ein bäuerliches Kommunikationszeitalter zurück?
    Diese Analyse einfach zu übernehmen fand ich recht unreflektiert. Tatsache ist, dass durch das (mobile) Internet deutlich mehr Bekanntschaften mit Menschen und Einblicke in Leben zustande kommen, die ansonsten extrem weit von uns weg wären. Es mag ja sein, dass das gesamtgesellschaftliche Lagerfeuer ziemlich klein geworden ist, aber es ist eben kein Dorflagerfeuer an dessen Stelle getreten, sondern es sind ziemlich viele neue Feuer entstanden, die dezentral Verknüpfungen schaffen. Man nehme die vielen online communities, von denen Menschen oft gleich in mehreren sind, ohne dass es da groß Überschneidungen gibt.

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    1. rhino

      Der erste Punkt kann ich mit Einschränkungen unterschreiben. Allerdings kamen Informationen die zu Berufsverboten in der Bundesrepublik führten auch von normalen Bürgern wie dem Nachbarn. Mit Hilfe der Denunziationen von normalen Bürgern hat der Verfassungsschutz dann auch andere Arbeitgeber jenseits des Staatsdienst unter Druck gesetzt. Kam dann im Prinzip auch einem Berufsverbot gleich.

  7. Nils

    Tolle Sendung. Vielen Dank.
    Eine These zum Thema: Warum ist die Themengewichtung bei den Tagesthemen anders als in einer Zeitung? Die Tagesthemen decken nur die Seiten 1-3 einer Zeitung ab. Dort kann durchaus (stellvertretend) der Terroranteil bei 2/3 liegen. Für mehr ist in 15-30 Minuten auch nicht Zeit. Dazu kommt dann noch etwas Boulevard, Sport und Wetter. Ich sehe deswegen nicht so einen grossen Unterschied zu den Printmedien. Die Tagesthemen sind gewissermassen die ersten Seiten eines Medienproduktes, das auf seinen weiteren Seiten auch den Deutschlandfunk, Phoenix, Panorama, die Talkshows, Unterhaltung, etc. beinhaltet.

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  8. Gunnar

    Zum Thema Smartphone:

    Ich verstehe die Kritik nicht. Ich bekomme durch die Nutzung kein Hochgefühl. Es ist nur meine Medienzentrale. Ich höre Musik, Podcasts, Lese damit, Videos, Informationen usw.

    Aber ein Hochgefühl wie in der Spielhalle?

    Nein …….

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  9. Gunnar

    Ich glaube auch nicht das man seinem Gehirn eine Pause gönnen kann. Es prasseln ständig Dinge auf uns ein. Mit oder ohne Smartphone.

    Ich habe Asperger-Autismus. Da fällt mir das besonders schwer.

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    1. Greg

      Eine Pause von „Fremdbeschallung“ halte ich durchaus für sinnvoll, wenn nicht sogar notwendig!
      Der Mensch muss die Chance bekommen sich eigene Gedanken zu machen und vor allem die Nachrichten zu wichten. Was hat diese Botschaft für eine Relevanz für mich?
      Das gelingt nicht, wenn der Nachrichtenstrom nie aufhört.

      Meine Meinung.

      Einen schönen Tag wünsche ich noch!

    2. holgi Beitragsautor

      Richtig! Journalisten können nur versuchen zu gewichten, was von allgemeinem Interesse ist und dann ein entsprechendes Programm anbieten. Die persönliche Relevanz muss jeder für sich selbst entscheiden können.

  10. Timbo

    Hi, long time listener, first time caller 😉

    Vielen Dank für diese sehr interessante Folge. Bin darüber auf den „Aufwachen“ Podcast gestoßen, den ich jetzt ausprobiere.
    Ich bin etwas hin- und hergerissen: Meiner eigene Mediennutzung besteht hauptsächlich aus Podcasts und etwas ZEIT Online. Ich habe leider keine Zeit für Tages- oder Wochenzeitungen. Trotzdem ist mir die Rolle des journalistischen Korrektivs bewusst und ich würde es gerne bewahren und unterstützen.

    Tolle Arbeit, weiter so! Für solche Folgen werfe ich gerne monatlich etwas in den Hut.
    Cheers
    Tim

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  11. Mina

    Ich muss über das alles erstmal nachdenken.

    Habe aber schon Fragen:
    Wie geht das, dass man einkaufen geht und dabei einen Podcast hört?
    Vor allem hab ich im Aufwachen-Podcast schon häufiger etwas über 3-fache Geschwindigkeit gehört. Ich könnte das nicht aushalten.
    Ich höre Podcasts prinzipiell Zuhause und auch wenn ich nur bügle oder ähnliches, muss ich teilweise Stellen nachhören, weil ich merke, ich war in meinen eigenen Gedanken und hab den Podcast nicht mehr gehört, obwohl der Schall physikalisch bei mir angekommen sein müsste. Am besten kann ich in Pausen oder beim Essen zuhören. Wenn ich nebenbei versuche Mails zu lesen, geht das schon nicht mehr. Beim Bahnfahren kann man gut Podcasts hören, sobald ich gehe brauche ich meine Aufmerksamkeit z.B. für das Einkaufen oder dafür, dass ich über die Straße komme ohne überfahren zu werden. Beim Arbeiten höre ich Musik, weil es die Außenwelt ausmacht und ich mich dann besser konzentrieren kann. Da geht dann nicht jede Musik, sonst kann ich wieder nicht denken, lesen usw.

    Ich fand den Kontrast zwischen euren Sprechweisen sehr heftig. Holgi redet ruhig und Stefan rattert seine Worte total schnell runter. Ich glaube, ich kann nicht mal so schnell lesen, wie Stefan spricht. Kein Wunder, dass er mit einem Buch nur 3 h verbringt, wo ich für sein Buch ewig gebraucht hab.

    Seid ihr irgendwie besonders, dass ihr so viel so schnell in euch aufnehmen könnt beim Lesen, Sprechen, Zuhören? Ich würde das auch gern können.

    Wie Gunnar oben geschrieben hat, stelle ich mir das auch vor, dass sowieso immer Dinge auf uns einprasseln. Ich erkläre mir das so, dass bei mir von innen zu viel kommt, sodass ich durch das Äußere nicht so viel „vertrage“ und deswegen alles ein bisschen drosseln muss, ein wenig langsamer lesen, beim Einkaufen keine Kopfhörer auf haben, benutze das mobile Internet gar nicht usw.
    Da finde ich eure Ausführungen, dass man nicht ständig wechseln sollte, sondern etwas aussuchen und das lieber bewusst und konzentriert machen sollte, sehr sinnvoll um Stress zu reduzieren. Also eine Entscheidung treffen, statt sich einfach treiben zu lassen von twitter oder ähnlichem und sich dann zu wundern wo die Zeit geblieben ist. Größere Ziele an denen man seine Entscheidungen ausrichtet, sind dabei bestimmt hilfreich.

    Zu dem Spielhallenvergleich: Das ist doch eher wie Stöbern und nicht wie Spielen? Wenn ich irgendwo etwas Neues sehe und denke, da könnte etwas interessantes dabei sein, dann schaue ich mir das durch, z.B. ein Buch. Ein Buch hat endlich viele Seiten und einen überschaubaren Zeitaufwand. Das Internet, z.B. Twitter, sind genauso, nur dass dort pro Zeiteinheit viel mehr Information hinzukommen als ich in der Zeiteinheit schaffe durchzustöbern. Es bleibt dadurch immer hoffnungsvoll, dass was cooles kommt, aber gleichzeitig wird man nie zu einem Ende kommen, weil es kein Ende gibt, es geht immer weiter. Da ist dann der Punkt, wo man sich selbst regulieren muss und sagen muss: Hier ist jetzt mein eigenes Ende. Mehr Zeit/Aufmerksamkeit ist es mir nicht wert, weil es mich nicht meinen selbst gewählten Zielen näher bringt.
    Wobei ich mir auch vorstellen kann, dass es Menschen gibt, die da Spielhallengefühle bekommen, besonders wenn man selbst etwas twittert und nicht nur konsumiert. Diese Menschen werden dann extrem gelangweilt und ertragen das nicht, wenn sie mal paar Stunden keinen Zugriff haben. Ich befürchte manchmal auch dazu zu gehören, aber wenn mal wirklich das Internet ausfällt oder ich irgendwo bin, wo ich keine Möglichkeiten habe meine gewohnte Mediennutzung fortzuführen, dann komme ich damit erstaunlich gut klar. Sobald ich wieder die Möglichkeiten habe, freue ich mich die verpassten Podcasts nachzuhören. 🙂 Wobei es wieder in Stress ausarten kann, wenn es mehr tolle Dinge zum Hören gibt, als ich Zeit dafür habe.

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    1. Josh

      Das hört sich an nach schärfen der Eigenverantwortung ,Selbstkritik und vermehrter Aufmerksamkeit Passt das jetzt zu Bauern oder eher nicht ?

  12. mrjerk

    Wahnsinn. Eine wirklich grossartige Folge! Die aktuelle Diskussion über „Fake News“, Digitalisierung und die Krise der traditionellen Medien verbleibt so oft an der Oberfläche, und die meisten Artikel & Features zu dem Thema vermitteln eigentlich nur Offensichtliches.

    Euer Gespräch war der ERSTE Beitrag zu der Debatte, bei dem ich das Gefühl hatte, mal wirklich etwas über die Ursachen und Zusammenhänge dieses „digitalen Umbruchs“ zu verstehen.

    Danke dafür! Daumen hoch!

    Antworten
  13. Josh

    Bäuerliches Mittelalter ! Tut mir leid. Das ist doch Quatsch. Ich kann in genau so gut das Gegenteil behaupten .Menschen öffnen sich der Welt mehr durch den Gebrauch von Smartphones.
    Also bei mir ist das nicht so das ich durch die Gegend gehe und wenn ich jemanden in Not sehe Gefühlsmäßig irgendwie abgeschottet wäre weil ich ein Smartphone besitze. Ich finde ich interessiere mich mehr und aufmerksamer für die gesamte Welt als ich es vorher getan habe.
    Mich stört das es oft ganz schlaue Typen gibt die das alles checken und die andere Gesellschaft ist natürlich zu dumm um so schlaue Gedanken nicht schon selbst mal gehabt zu haben. So einfach funktioniert es aber nun mal auch nicht. Übrigens in der ach so tollen Zeit ohne Smartphones und Internet gerade in der linken Szene war es ja voll angesagt „dummer Bauer zu sein „ Schön abgeschottet in seinem besetzten Haus und alles andere sind Zombies.So sah es aus. Es war viel schlimmer als heute.Alles lüge 🙂 ( Das war für die jüngeren) Ich glaube wir haben einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht was Aufmerksamkeit angeht. Ich bin ungelernt und nicht studiert verpasse aber trotzdem kaum interessante Podcasts und lese regelmäßig Netzpolitik oder ähnlich gestrickte Blogs.
    So einfältig wie man vermuten könnte bin ich gar nicht.

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    1. Greg

      Eine gute Gegenmeinung! Ich sehe auch viele positive Auswirkungen der Entwicklung.
      Vielleicht ist es einfach nicht angebracht, nur eine negative oder positive Bewertung, quasi als Fazit, zu fällen.

      Alles hat zwei Seiten.

    2. mithrandir

      Nun ja, FAZ Kontext hin oder her.
      Ist so ein (Schein-)Freiberufler für die FAZ Fulltime tätig, oder nur ab und zu. Arbeitet er für eine andere Zeitung auch noch?
      Hat er für die 2,5 k eine Verpflichtung eine gewisse Menge Text abzuliefern?

      Außerhalb des Kontextes ist es meiner Meinung nach so, dass es auf die Exklusivität der Arbeit ankommt, was man „verdient“

  14. Max

    „Zweieinhalb? Für ne 40-Stunden-Woche“
    Für einen holgi völlig unglaublich. Für viele normal. Willkommen in der Realität.

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    1. mithrandir

      Hmm, gebt mir mal ein Weltbild. Zweieinhalb (brutto oder netto?) sind unglaublich weil….zu viel, oder zu wenig?
      Ist ernst gemeint.
      Ich kenne Leute, die zweieinhalb brutto haben, aber auch welche mit zweieinhalb netto. Aber auch welche mit 5000 netto.
      Was ist schon normal?

    2. holgi Beitragsautor

      Abgesehen davon, dass ich es ohnehin schon problematisch finde, Menschen nur 2500,- brutto zu zahlen (aber das ist ein anderes Thema), finde ich es geradezu skandalös, wenn ein finanziell üppig ausgestattetes Medienunternehmen diese 2500 brutto an Scheinselbständige zahlt (was sie mittlerweile so nicht mehr machen). Die sind nämlich SV-pflichtig, und ich würde mich wundern, wenn journalistische Expertise oder Ausbildung da nicht Einstellungsvoraussetzung wäre. Der Kontext ist also „FAZ“. In diesem Kontext finde ich das ungehörig. In anderen Kontexten habe ich selbst schon für weniger gearbeitet. Das macht es für die genannte Krankenschwester nicht besser.

    3. Mina

      Ich hab auch nicht so wirklich verstanden, wieso das zu wenig ist, weil ich den Beruf, u den es ging, nicht verstehe. Wer macht den? Wie viele Stunden? Wie viel Verantwortung? Wie viel Ausbildung braucht man? Kann das jeder schnell machen?

      Andererseits haben examinierte Altenpflegerinnen viel Stress, Verantwortung, müssen passend für die Arbeit sein, es kann nicht einfach jeder machen und bekommen auch ihre 2500 € brutto monatlich (die, die ich kenne. vielleicht gibt es auch viel besser bezahlte?). Ich finde es allgemein so schwer einzuschätzen in welcher Branche und Position welches Gehalt „normal“ ist.

      Ich finde es sogar schwer für den eigenen Beruf einzuschätzen. Der eine sagt unter 100 000 im Jahr bewege ich mich erst gar nicht und der andere (z.B. andere Firma, 10 Jahre jünger) macht Freundensprünge, weil er mal wieder „richtig gut verdient“, obwohl dem nur 30 000 im Jahr gezahlt werden.

    4. Mina

      Ok, jetzt bin ich verwirrt. 🙂

      Also geht es um die ganze FAZ als Kontext und gar nicht um einen bestimmten Beruf, den ich sowieso nicht kapiert habe, weil ich mich da nicht auskenne?

    5. Daniel

      Habe seit 6 Jahren 700€ im Monat (600€ Studienkredit/Arbeit 100€ von meinen Eltern). 2500€ Brutto/Netto hört sich für mich nach sehr viel Geld an. Schließe demnächst als Wirtschaftsinformatiker ab und werde ungefähr das als Einstiegsgehalt bekommen und bin froh, dass ich meinen Kredit tilgen kann.

    6. holgi Beitragsautor

      Das ist auch ein akzeptables Einstiegsgehalt. Für ein großes Medienhaus, das dieses Geld brutto an Scheinselbständige zahlt (gezahlt hat), halte ich es aber für unverschämt.

  15. Sasch

    Sehr geiler Podcast. Danke

    Aber wo finde ich jetzt nen guten Nachrichten Podcast? Leider bin ich da nicht wirklich fündig geworden und würde mich über Links freuen.

    Schöne Grüße… Sasch

    Antworten
    1. holgi Beitragsautor

      Das sind letztlich ja auch nur Kommentare, also Meinungen. Ein wirklich nachrichtliches Format kenne ich nicht.

  16. Florian

    Wie ist denn der Name der erwähnten App, die sich dieser Professor (Name ist mir entfallen) die einem das Nutzungsverhalten vom Smartphone aufzeichnet?

    Antworten
    1. Thomas

      Die App heisst „Menthal“ Ballance:
      https://menthal.org/
      Der Professor heisst Alexander Markowetz und das Buch heisst „Digitaler Burnout“.
      Leider gibt es die App nicht fuer iOS. 🙁

    2. Stefan

      Da habe ich zumindest das Glück, dass ich diese App nicht herunterzuladen brauche, da ich nicht wüsste, auf welchem Gerät ich diese App speichern sollte. Aus diesem gesamten Handy- und Smarphone-Zwang bin ich raus. Es gibt eh niemanden mehr, der mich anruft und ewigliches Facebook- oder Twitter-Scrolling langweilt mich nur. Ich bin für diese Art der Sucht wohl nicht empfänglich.
      Von daher bin ich auch von dieser Art „Nachrichtenübermittlung“ verschont und verfalle nicht jeder nächstbesten Hysterie.

      Teilweise sieht man das aber schon auf den Straßen und es ist erschreckend, wie viele Menschen dieser Sucht verfallen sind, ohne es letzten Endes zu merken.

    3. Tarifkenner

      Dass es die App nicht für iOS gibt, ist der dritte Grund, weshalb ich sie nicht herunterladen werde. Der erste ist, dass ich Produkten misstraue, deren Name einen Rechtschreibfehler enthält. Der zweite, dass ich ungern irgendwelchen Professoren Einblick in mein Smartphone-Nutzungsverhalten gebe. Er sagt ja ganz offen, dass er die Daten für „den Diskurs“ auswertet.

  17. Nicht Andere

    WRINT läuft gerade nur im Hintergrund und die volle Aufmerksamkeit ist nicht dem Podcast gewidmet, aber zwei Anmerkungen werde ich trotzdem gerne los:
    1. Das Beispiel, in der Warteschlange an der Kasse beantworte man schnell noch eine Mail und habe dadurch keine Ruhe, finde ich unglücklich: In der Schlange stehen und nichts tun (Buch aus dem Rucksack zu holen, ist in solchen Situationen umständlich) empfinde mindestens ich als sehr viel anstrengender.
    2. Seit Menschen ihre Smartphones haben, helfen sie weniger auf der Straße: Wie genau war diese Studie aufgebaut? Naheliegend ist die Vermutung, dass die Menschen eben mit dem Smartphone schnell Polizei/ Notarzt/ wen auch immer rufen können und deshalb nicht selber helfen müssen.

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