WR690 Netter Podcast, Du Schwein!

 

Darin: iTunes-Bewertungen – Vandalismus – Sasel (aus Studio Braun: Adelstitel) – Die Türkei und die Türken – Gesellschaftsschichten – Fotografie – Nikon F301, F100, Pearl Bastelkamera – Das Wetter

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55 Gedanken zu „WR690 Netter Podcast, Du Schwein!

  1. Faruk

    Lieber Tobias, ich will mich im Folgenden mit deiner Behauptung auseinandersetzen, die Türkei habe einen Diktator gewählt.

    Disclaimer:
    Ich habe das Gesetz zur Änderung der türkischen Verfassung gelesen und werde den Originaltext hier verlinken. Das ermöglicht dir die Möglichkeit, den Türken deines Vertrauens zu fragen ob ich dir einen vom Pferd erzähle, oder nicht.
    Eine Grunsätzliche Information: Es wurde in der Türkei nicht über eine „komplett“ neue Verfassung abgestimmt. Die gegenwärtige Verfassung wurde an verschiedenen Stellen verändert. Eben jene Verfassung habe ich auch verlinkt, vgl. [2].

    (A) Deine Kernbehauptung, der Präsident könne nun per Dekret „alles“ beschließen, ist unter verschiedenen Gesichtspunkten nicht richtig. Die Verfassungskommission hat verschiedene Schranken eingebaut:
    (a) Ein präsidiales Dekret darf a priori die Integrität zweier Bereiche der aktuellen Verfassung nicht tangieren. So steht in [Artikel 9, 1] des verfassungsändernden Gesetzes, dass der Präsident Teil 1 und Teil 2 der aktuellen Türkischen Verfassung per Dekret nicht antasten darf.
    Teil 1 der Verfassung beinhaltet die Grundlagen des Staates: So sind dort folgende Aspekte verankert: Siehe [BIRINCI KISIM, 2]
    – Der türkische Staat ist eine Republik.
    – Achtung der Prinzipien Atatürks (Atatürk als Name steht so drin)
    – Die Sprache ist Türkisch.
    – Die Nationalhymne.
    – Die Ewigkeitsklausel, welche festlegt, dass obige Punkte unveränderlich sind.

    Teil 2 der Türkischen Verfassung verankert die Grund- und Menschenrechte. Insbesondere die individuellen Freiheitsrechte, die Souveränität des Volkes und einige weitere Punkte. [IKINCI KISIM, 2]
    Teil 1 und Teil 2 der türkischen Verfassung lassen sich also in gewisser Weise mit Artikel 1-20 des deutschen Grundgesetzes vergleichen.
    (b) Es gilt nach wie vor das Primat des Parlaments. Insbesondere bedeutet dies, dass ein parlamentarisches Gesetz in der Gesetzeshierarchie über einem präsidialem Dekret rangiert [Artikel 9, 1]. Insbesondere bedeutet dies, kurz gesagt, „Parlamentsgesetz bricht Präsidiales Dekret“, das findet sich in Artikel 9 des Gesetzes. In der Praxis bedeutet das folgende Optionen, die sich dem Parlament bieten.
    – Wenn das Parlament, ein Sachverhalt per Gesetz regelt, so kann ein Präsidiales Dekret zu eben jenem Punkt nicht erlassen werden.
    – Erlässt der Präsident ein Dekret, so kann das Parlament immer noch „nachziehen“. D.h., dass das Parlament kann im Nachhinein ein Gesetz verabschieden, welches das präsidiale Dekret faktisch „neutralisiert“ und eben „annulliert“.
    (c) Das Türkische Verfassungsgericht kann immer und jederzeit ein Parlamentarisches Gesetz oder ein Präsidiales Dekret für Null und Nichtig erklären, vgl. [Artikel 104, 2]. Das ist schon heute der Fall und wurde nicht geändert. Genauer kann das folgendermaßen ablaufen.
    – Im Rahmen einer abstrakten oder konkreten Normenkontrolle: Jedes Verfassungsorgan kann das Verfassungsgericht anrufen und es bitten ein Dekret auf dessen Verfassungskonformität zu überprüfen (abstrakte Normenkontrolle). Genauso kann jedes Türkische Gericht das Verfassungsgericht bitten ein Dekret auf dessen Verfassungskonformität zu überprüfen (konkrete Normenkontrolle).
    – Im Rahmen einer individuellen Beschwerde (vgl. Verfassungsbeschwerde beim BVerfG in Deutschland) kann ein Dekret vom Verfassungsgericht annulliert werden.
    Die von mir aufgeführten Punkte (a), (b) und (c) zeigen, dass der Präsident mitnichten „alles per Dekret beschließen“ kann.

    Dein Vorwurf, der Staatspräsident sei nunmehr ein Diktator kollidiert zudem mit folgendem Punkt, welche auch Teil der Verfassungsänderung sind:
    (d) Der Staatspräsident kann nunmehr ob jeder Straftat (ja, das gilt auch dann, wenn er nur ein Kaugummi klaut) welche im türkischen Strafgesetzbuch aufgeführt ist beim Türkischen Verfassungsgericht angeklagt werden. Dies bedarf eines vorangegangenen Beschlusses der Türkischen Nationalversammlung.
    Dies schwächt die Rolle des Staatspräsidenten verglichen mit dem Status quo: Bisher konnte dieser nur angeklagt werden, wenn der Verdacht des Landesverrates sich erhärtet hat. [Artikel 11, 1]
    Ich habe versucht in Teil (A) zu erklären, weshalb der Staatspräsident nicht „allmächtig“ ist. Eben jene Allmacht ist aber ein Charakteristikum einer Diktatur. Dass diese Allmacht nicht gegeben ist, stellt deinen Vorwurf in Frage, Tobias.
    Ich empfehle auch die Kompetenzen des Türkischen Staatspräsidenten mit denen des Französischen zu vergleichen: Man wird feststellen, dass der französische Präsident deutlich mächtiger ist. Vgl. [4]

    Der restliche Text soll einzelne Punkte ansprechen, welche im Gespräch behauptet oder angeklungen sind.

    (B) Deniz Yücel werden Verbindungen zur Terrororganisation PKK vorgeworfen. Dieser Vorwurf begründet sich eben durch den Umstand, dass Yücel im Jahre 2015 den PKK Führer Cemil Bayik getroffen hat. Selbst der türkische Geheimdienst weiß nicht genau wo sich dieser aufhält. Wie kam Yücel an diese Informationen? Siehe [3].

    (C) Zu den Wahlkampfauftritten Türkischer Politiker in Deutschland: Der Hauptvorwurf den ich diesbezüglich Deutschland mache ist nicht die Tatsache, dass sie Erdogan nahen Politikern den Auftritt verweigerte. Das ist deren Recht als souveränes Land. Das als Ausland in Frage zu stellen, würde bedeuten, die territoriale Integrität der Bundesrepublik in Frage zu stellen. Was imho viel problematischer war und ist, ist der Umstand, dass Auftritte der Gegner Erdogans institutionell und finanziell durch parteinahe Stiftungen gefördert und unterstützt wurden. Deutschland hat sich damit eindeutig positioniert und m.E. durch Parteinahme für eine der beiden Seiten in unzulässiger Weise in den Wahlkampf in den Türkei eingegriffen.
    Deutschland muss sich also den Vorwurf, es habe mit zweierlei Maß gemessen, gefallen lassen. Wenn Deutschland sämtliche Wahlkampfauftritte rigoros unterbunden hätte, hätte ich kein Problem mit den Vorgängen der vergangenen Monate. Alleine in meiner näheren Umgebung fanden mindestens 17 Veranstaltungen der „NEIN“ Lagers statt.

    Quellen:
    [1] Das Gesetz zur Änderung der türkischen Verfassung:
    https://indigodergisi.com/wp-content/uploads/2016/12/yeni-anayasa-degisikligi-teklifi-21-madde-tam-metni.pdf

    [2] Die Verfassung der türkischen Republik
    https://www.tbmm.gov.tr/anayasa/anayasa82.htm

    [3] Yücel Artikel.
    https://www.welt.de/politik/ausland/article145529312/Ja-es-gab-interne-Hinrichtungen.html

    [4] Link zur französischen Verfassung.
    http://www.verfassungen.eu/f/

    Antworten
    1. Tarifkenner

      @Faruk zu (A)

      In einem wichtigen Punkt gebe ich Dir Recht. Eine präsidiales Regierungssystem ist zunächst einmal nicht weniger demokratisch als ein parlamentarisches. Viel zu viele Medien und Politiker in Deutschland haben die wirklich unterkomplexe Gleichung „Pro Verfassungsreferendum = Contra Demokratie“ aufgestellt.
      Andererseits: Es ist ja schon ziemlich deutlich, dass Erdogan Grundrechte wie die Pressefreiheit, die essentiell für die Demokratie sind, dramatisch abbaut. Auch rechtsstaatliche Grundsätze wie die Unabhängigkeit der Richter werden geschleift, wenn hunderte Richter einfach so entlassen werden. Von daher ist auch der Verweis auf die Kontrollbefugnisse des Verfassungsgerichts nicht so besonders beruhigend, weil die Richterschaft ja auf Regierungskonformität hin selektiert wird.
      Wenn nun aber der starke Mann eines immer weniger demokratischen parlamentarischen Regierungssystems die Umgestaltung in ein Präsidialsystem betreibt, ist die Sorge, dass dies dem weiteren Abbau der Demokratie dienen soll, schon irgendwie naheliegend.

    2. ein anderer Florian

      Die „Verfassung der Türkei“ 😉 erlaubt es jetzt schon, mit 2 000 000 nicht rechtmäßig abgestempelte Wahlzettel bei einem Verfassungsreferendum zur Änderung der Verfassung der Türkei eine Mehrheit von 1 200 000 zu gewinnen.

      PS: Vielleicht hätte der MIT nicht die Islamistem in Syrien mit Waffen versorgen sollten und sich besser die Terroristen ausforschen sollen.
      PPS: Wahrscheinlich war es dem MIT zu viel arbeit, die zehntausende oder hunderttausende Terroristen, ODER EINFACH ALLE, DIE EINE ANDERE MEINUNG HABEN, in der Türkei zu verhaften.

    3. Faruk

      @Tarifkenner
      Der von dir angesprochene Vorgang ist eine durch die Exekutive des Staates initiierte Maßnahme. Insbesondere ist das eher eine Frage politischer als juristischer Natur.
      Ich habe versucht Tobias die verfassungsrechtlichen Schranken zu erläutern, welche in die als Teil der Verfassungsänderung implementiert worden sind.

      Dein Beitrag geht insofern am eigentlichen Thema vorbei, was nicht heißen soll, dass ich dir in allen Punkten widerspreche. Ich behaupte nicht, dass alle, die den Journalistenausweis haben per se unschuldig sind. Es gibt nämlich etliche Beispiele, wo Journalisten strafrechtlich relevanter Handlungen überführt worden sind.
      Das bedeutet aber nicht, dass ich behaupte, dass alle Inhaftieren mit einem Journalistenausweis schuldig sind. So würde auch ich gerne wissen, was dem Journalisten Ahmet Şık zum Vorwurf gemacht wird.
      Diese Fragen müssen und sollen gestellt werden. Und da ich türkisches Fernsehen regelmäßig verfolge, weiß ich, dass diese oft und regelmäßig zur Prime Time gestellt werden.
      Beispiele bin ich gerne bereit aufzulisten, wenn denn Interesse daran besteht.

    4. Tarifkenner

      @Faruk zu (A)
      Ich weiß jetzt nicht genau, was Du mit dem „von dir [Tarifkenner] angesprochene Vorgang “ meinst: Abbau der Grundrechte, insbesondere Pressefreiheit oder aber Entlassung von hunderten von Richtern?
      Beides ist m.E. gleichermaßen als politisches wie auch als juristisches Problem zu bewerten. Speziell zur richterlichen Unabhängigkeit: Jede verfassungsrechtliche Garantie ist ohne ein rechtsstaatliches Justizsystem mit richterlicher Unabhängigkeit nichts wert. Man möge mal in die Verfassung der DDR schauen, da waren auch Pressefreiheit und freie Gründung von Parteien garantiert.

    5. Faruk

      @ Tarifkenner
      Ich beziehe mich auf alle Punkte, die du angesprochen hast.
      Ich möchte noch abschließend eine wichtige Anmerkung anbringen, die hilft, die gegenwärtige Situation besser einzuordnen:
      Du hast in deinem ersten Beitrag angemerkt, dass der Staatspräsident im aktuellen parlamentarischen Regierungssystem Kompetenzen besitzt bzw. ausübt, die im neuen präsidialem System ausgebaut werden würden. Dieser Vergleich hinkt an einer entscheidenden Stelle:
      Gegenwärtig ist die Türkei im Ausnahmezustand, was dem Staatspräsidenten Kompetenzen verleiht, die jener selbst im späteren präsidialem System nicht innehat. So gelten die von mir unter (A) aufgeführten Kontrollmechanismen im gegenwärtigen Ausnahmezustand nicht.
      Insofern ist der Vergleich nicht zulässig.

      @ ein anderer Florian
      Die von dir aufgeführten Behauptungen sind von keiner unabhängigen Stelle seriös belegt. Der Fall „ungestempelter Stimmzettel“ ist so einfach, wie er von dir dargestellt wurde nicht.
      Ich entnehme aber deinem Duktus, dass du an einer aufrichtigen Diskussion nicht interessiert bist, weshalb ich auf den Rest deines Beitrages nicht mehr eingehen werden.

      Das ist mein letzter Beitrag, da ich merke, dass das Thema für eine Diskussion in diesem Rahmen zu umfassend und zu komplex ist.

      Beste Grüße,
      Faruk.

  2. Toby

    Ein „Vorteil“ daran, dass ich eine analoge Nikon anschaffen möchte, der mir gerade erst auffällt: ich hab endlich wieder einen Grund, Objektive zu kaufen 😉

    Antworten
  3. agschaid

    Ich hab die Folge noch nicht mal fertig gehört aber euch das gleich mal wissen lassen:
    Ich gönne euch die hunderten von tausenden Euro die ihr geschenkt bekommt von ganzem Herzen!

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  4. Sebastian

    In Bergheim bzw. Quadrath-Ichendorf wurde mir auch schon mehrfach der Roller geklaut. Das eine mal wurde er in die Erft geworfen, ein anderes mal am Waldweg eines nahegelegenen Neubaugebiets gefunden.

    Beides mal Totalschaden 🙁 kann Holgis Frust sehr gut nachvollziehen.

    Antworten
  5. Donngal

    Ich verstehe nicht wie es dazu kommen kann nur unter „seinesgleichen“ zu sein. Ich habe seit ich denken kann Kontakte zu fast allen Schichten gehabt.

    Ich war immer Mitglied in diversen Vereinen meiner Kleinstadt, ob es jetzt Sportverein, Schützenverein oder Musikverein war, und dort habe ich immer Bekannte aus allen Schichten gehabt. Auch mein Freundeskreis setzte sich bisher aus Menschen diverser Schichten zusammen. Die ganz krassen Ausreisser nach oben oder unten bleiben aus, aber es waren immer auch Akademiker und Arbeiter vertreten. Ich habe darin nie ein Problem gesehen und merke den Unterschied im allgemeinen Umgang auch nicht so.

    Das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich auch als Angestellter ein Verhalten wie der Archetypische Arbeiter an den Tag legen kann wenn mir danach ist. Ich kann meine ganze eingebildete Intelektualität über Bord werfen und statt elitärem Craft-Bier normales Plörre Bier saufen und über Furz-Witze lachen. Das Niveau senken kann ich immer.

    Antworten
    1. holgi Artikelautor

      Klar kann ich mein Niveau senken, aber die erwähnte Interaktion ist inmer nur mal punktuell und, mit Ausnahme meiner Nachbarschaft, nichtmal ansatzweise nachhaltig. Ich kann also immer schön raus, wenn ich mal unkomfortabel finde. Ich lebe – vermutlich berufsbedingt, denn fruher war das anders – in einer seltsamen Art Bildungsblase.

  6. CK

    Zum Thema Verhalten der Türken in der Türkei: Ich habe über viele Reisen dahin eigentlich auch nur gute Erfahrungen gemacht, sei es auf dem platten Land oder in den Touristenhochburgen.

    Wie ein Freund in der Türkei schon in den 80ern sagte: „Was denkt ihr denn, wer auswandert? Die, die sich hier grundlegend nicht mehr wohl fühlen“. Das dürfte einiges an unterschiedlichem Verhalten erklären.

    Antworten
    1. holgi Artikelautor

      Interessant auch, was ich dort über Deutschtürken als Touristen gehört habe. Das mag ich aber nicht öffentlich wiedergeben. Beliebt sind sie nicht.

  7. Sabine

    Meine Güte. Ihr merkt ja schon selbst, wie merkwürdig eure Selbstwahrnehmung ist. „Schichten, Klassen, wir, die, oben, unten, Schmuddelkinder“ – mir wird gerade ein wenig schlecht. Ihr bemüht euch ja, euch von Kategorisierung fern zu halten, gleichzeitig merkt man euch die genau die sehr an. Besonders Holger. Und zur Krönung noch ein wenig „Neger“ sagen…is ja so lustig. So redet also die Oberschicht…redet doch lieber noch ein wenig über eure neuen Kameras…

    Antworten
    1. holgi Artikelautor

      Die „Neger“-Kritik nehme ich an. Der Rest ist dein Geschmack und für den bin ich nicht verantwortlich.

    2. Toby

      Das mit dem Wort „Neger“ war ja ich… als Überspitzung der Situation, dass es in den USA offenbar ein großes Rassismus-Problem in der Polizei gibt. Zugegeben grenzwertig, aber eigentlich ist doch gerade das eine Frage des Stils. Ich will mich ja nicht mit Böhmermann vergleichen, aber sein Erdogan-Gedicht war doch etwas heftiger als mein „Neger“. Ist nicht gerade das dann Geschmackssache?

    3. Donngal

      Ich finde das war in dem Kontext klar zu erkennen, dass die diffamierende Bezeichnung gewählt wurde, weil es die Bezeichung ist die mutmasslich rassistische Cops in den USA wählen würden. Ich finde nicht, dass du dir das Wort damit zu Eigen gemacht hast.

      Man könnte jetzt eventuell noch argumentieren dass bereits das Verwenden des Wortes, egal in welchem Kontext, problematisch ist. Das wäre dann noch mal eine gesonderte Diskussion.

    4. Greg

      Wo hier gerade von „Neger“ die Rede ist:

      Ich habe vor ein paar Wochen vor einem Bäcker einen Werbeaufsteller auf dem Gehweg gesehen.
      Es wurden tatsächlich „Negerkußbrötchen“ angeboten.

      Ich war ziemlich verdutzt. Ziemlich retro, oder?

    5. Stefan

      Ich mag dieses Klischeedenken ebenfalls nicht, werde aber eigentlich täglich daran erinnert, dass Klischees dann leider doch wieder zutreffend sind. Vielleicht liegt es auch an selektiver Wahrnehmung. Ich lebe hier in einem wachsenden Problemviertel, hier gibt es häufig Gewalt, betrunkene pöbelnde und nachts gröhlende Menschen, Hunde, die ihre Fäkalien überall verteilen und deren Halter es nicht für nötig halten, das irgendwie wegzumachen. Menschen, die Müll auch vor den Augen vieler anderer Menschen auf die Straße werfen, weil sie wissen (nächster Fakt), dass sie niemand dafür anpöbeln wird, das sozusagen toleriert wird.

      Dabei unterscheide ich nicht zwischen Deutschen, Langzeitintegrierten oder Flüchtlingen, die erst seit Kurzem hier sind. Da geben sich alle nicht viel. Das Eigentum anderer wird auch des Öfteren nicht geachtet. Entweder werden als Wut Fahrräder umgetreten, aber auch schon mal Autos beschädigt und dann Unfallflucht begangen, Büsche und Anpflanzungen zerstört oder auch mal Mülltonnen angezündet. Wir hatten auch schon brennende Kinderwägen im Hausflur in der Vergangenheit.
      Die Frequenz, in denen die Polizei in mehrfacher Fahrzeugstärke hier im Einsatz ist, steigt gefühlt stetig an und vor einiger Zeit klopfte die Polizei an der Tür, ob man etwas mitbekommen habe, weil im Haus irgendwelche Nazis versucht haben, die Türe einer Wohnung einzutreten, in denen Flüchtlinge untergebracht sind.
      Die Verrohung erlebt man auch bei Nachbarn. Laute Musik, Bohren zu allen Uhrzeiten, an Feiertagen etc. Türen donnern, lautstarke Unterhaltungen auch im Hausflur. Ständig sind die Wände und der Fahrstuhl vollgeschmiert. Kinder schreien und toben, dass man denkt, jetzt wird eines umgebracht, ohne dass die Eltern irgendwann einschreiten. Nun sollen Kinder natürlich spielen dürfen und auch dabei lauter sein, das steht völlig außer Frage. Aber das ist kein Spielen mehr.

      Rabiate Straßenverkehrsteilnehmer erlebt man hier auch ständig. Jugendliche Fahrradfahrer, die auf dem Gehweg mit hohem Tempo um die Kurve heizen und dann aggressiv reagieren, wenn man sie darauf hinweist. Autofahrer die extra aufs Gas treten, wenn man weit vor ihnen die Straße überquert…

      Ich vermute, die Situation hier wird sich in den kommenden Jahren noch viel weiter verschärfen. Ich schreibe nicht aus einer Krisenregion, sondern aus einem Berliner Oststadtteil. Ich würde auch gerne hier weg, aber wo keine Mittel, da kein Umzug.

      Langer Text: Ich kann die Ausführungen von Holgi da schon verstehen. Mit Sozialromantik kann bei mir jedenfalls keiner mehr landen.

    6. holgi Artikelautor

      Weia, ich hatte angenommen, dass es in Berlin eher besser als schlimmer wird. So ähnlich war es in den 90ern bei mir gegenüber im Rollberg (ich hab damal im Schillerkiez gewohnt und das war auch schon ziemlich räusig) Welcher Bezirk ist denn das?

    7. Norti

      Na ich weiss ja nicht… ich hab zwar auch oft das Gefühl, dass alles immer lauter und anstrengender wird hier (F’hain), aber wenn ich dann genauer nachdenke und rausrechne, dass ich a) älter und spiessiger werde und b) die Menschendichte um einiges zugenommen hat, komme ich immer zu dem Schluss, dass sich die letzten 15 Jahre nicht wirklich so viel geändert hat. Das grösste Problem ist eben die zunehmende Verdichtung in der Innenstadt – wo mehr Menschen sind, ist eben auch mehr los – und da gehts mir wie dem Vorposter: würde gern wegziehn, geht aber nicht. 🙁

    8. Andreas

      Zum Thema erdogan und Türkei: Ende April wurde eine Deutschtürkin wegen Terrorverdachts von den türkischen Behörden verhaftet. Sie hat aber nur die deutsche Staatsangehörigkeit. So viel dazu, dass nur Deutschtürken mit beiden Pässen verhaftet werden können.

      Quelle: http://www.tagesschau.de/ausland/verhaftung-tuerkei-101.html

      Am 18. mai kam es im Rahmen des Erdogan Besuchs in Washington D.C. zu Tumulten zwischen Erdogan-Anhängern, Erdogans Bodyquards und AKP Gegnern/Kurden vor der türkischen Botschaft. Es wird vermutet, dass Erdogan den Befehl für die Prügelei seinen Sicherheitsbeamten gegeben hat. Dabei wurden mehr als ein Dutzend Demonstranten verletzt. Die Metropolitan Police konnte die prügelnden Bodyguards nur mit Schlägen davon abhalten, noch mehr Menschen zu verletzen. Verhaftet wurden die Botschaft-Angehörigen natürlich nicht aufgrund diplomatischer Immunität. Ein „schönes“ Video gibt es hier: https://www.bellingcat.com/news/americas/2017/05/18/online-campaign-identify-erdogans-bodyguards-following-assault/

      Quelle: https://www.welt.de/politik/ausland/article164727253/Erdogan-beobachtet-Pruegelei-in-Washington.html

      Soviel zu Holgis Einwand, dass Ausländer bzw. nicht Türken keine Konsequenzen zu befürchten haben, wenn sie Erdogan kritisieren.

    9. Helena

      @Andreas: Bei all der Scheisse die hier (in der Türkei) passiert, ist es nochmal ein Unterschied, ob man als Journalist die Regierung in Publikationen kritisiert, oder einfach als Tourist / Resident hier lebt und seine politische Meinung kundtut. Nicht dass ich diese Unterscheidung richtig finde, aber sie findet statt. Wer wüsste das nicht besser als ich, denn ich halte mit meiner Meinung wenig hintern Berg und diskutiere auch schon mal mit Regierungstreuen, Regierungsvertretern, AK Parteimitgliedern mit recht unterschiedlichem Erfolg.
      Selbstverständlich kann man als Ausländer in jedem Land verhaftet werden, warum auch nicht? Der Punkt ist nur, dass es reichlich sinnlos wäre in einer Tourismusregion, die jedes Jahr Millionen Touristen hat und auch dringend braucht, alle einzusperren. Wenn man den Tourismus loswerden will, macht man die Hotels zu. Dann kommen auch keine kritischen Köpfe mehr. Aber das Gegenteil ist ja der Fall, die Regierung will den Tourismus aus einfachen wirtschaftlichen Gründen. Daher ist es wie in jedem repressiven Regime auch hier so, dass man unterscheiden muss zwischen Personen mit öffentlichem Einfluss, die eine Regierung weghaben will, oder einfachen Leuten.

  8. Bruno

    Der Holgi hätte mal zum Bund gemusst 🙂 Nein, ist Spaß.

    Mit Menschen aus vielen Milieus zusammengelebt zu haben ist ein positiver Aspekt den ich vom Wehrdienst mitgenommen habe. Selbst komme ich aus einer Akademikerfamilie und habe über Vereinsleben Kontakt in eine breitere Mittelschicht. Beim Bund hatten wir vom ‚abgehängtesten Prekariat‘ (Antrag auf Zeitsoldat abgelehnt, weil kann auch für Militär zu wenig) bis zum Millionärssohn (Wohlstandsverwahrlosung ist echt übel) alles dabei. Die Meisten waren aber einfach nette Menschen mit denen man gut klar gekommen ist.

    Zum Referendum in der Türkei hätte ich gerne noch Kontakt zu den Deutschen mit türkischen Wurzeln, die ich beim Bund kennengelernt habe, um eine Einordnung zu bekommen. Die türkischen Arbeitskollegen im Büro reden nur unter vier Augen und haben Angst vor dem langen Arm.

    Ich wünsche dir Holgi aber natürlich jetzt schon einen schönen ‚Bildungs-Urlaub‘.

    Antworten
    1. greg

      Bei mir hilft immer die Vorstellung, ich hätte bei Monopoly eine Ereigniskarte gezogen und muss nun ausführen was auf der Karte steht. Das kann eine spontan notwendige Reparatur sein, oder ein Bußgeldbescheid.

      Das klappt gut. Hat was spielerisches.

  9. Mokkel

    Bei der 5 Kilo Nahrungsmittel und 4,5 Liter Getränke Nummer habe ich auch erst mal ungläubig gestaunt. Zum Glück habe ich einen Hotelmanager aus Antalya an der Hand, der meinte:

    Ja die 4,5 Liter kommen hin. Gründe sind die Hitze und die „ich Saufe mich voll“ Mentalität, einiger Gäste.
    Nein 5 Kilo Essen, sind übertrieben. Nach seiner Erfahrung, essen die Europäer zwar 4 bis 5 Mal am Tag (Also Frühstück, Mittag, Nachmittags Kaffee, mal was zwischendurch und Abends), aber immer nur kleine Portionen. Russische Gäste auch mal größere Portionen.

    Holgi, kann es sein dass die Personen mit der du gesprochen hast dir den komplett Verbrauch genannt hat? Z.B. wenn ich Wassermelonen habe, zählt dann die Schale auch zu den 5 Kilo oder wirklich nur der essbare Teil. Dazu kommt, dass in den Hotels viele Lebensmittel weggeworfen werden. Die Gäste essen leider nicht immer alles, was sie sich auf den Teller legen und Reste vom Vortag will auch niemand.

    Antworten
    1. Helena

      Da kann ich evtl. etwas eingreifen. Ja ich denke die genannte Essensmenge beinhaltet Tellerrückläufer aber keinen Rüstabfall, ist aber, je nach Gästestruktur sehr unterschiedlich. Europäische Gäste sind hier wesentlich beliebter als Gäste aus Süden oder Osten, da die Tellerrückläufer zum Teil um Faktor 3-4 höher sind.
      Rüstabfall = Schalen und was man halt so wegschnippelt
      Tellerrückläufer = Alles was ein Gast angefasst, zum Tisch geschleppt, aber nicht gegessen hat.

      Die Verwertung von Essen, das am Büfett übrig bleibt ist aber hervorragend gelöst, da fällt wirklich sehr wenig Abfall an. Auch dank diverser Beratungsprogramme (Unilever hat ein sehr gutes) werden Büfetts schon in die Richtung geplant und aufgebaut um Abfall zu vermeiden.

      Sonnige Grüße aus Antalya 🙂

  10. Gunnar

    Hallo
    Ist der Link für das Kalenderabo zu den Livesendungen noch aktuell? Möchte doch keine Livesendung verpassen.

    Antworten
  11. Sabine

    @holger: äh..ja. für meinen geschmack bist nicht verantwortlich. aber vielleicht interessiert dich ja auch eine nicht-positive wahrnehmung – ich dachte, hier geht es auch um kommunikation.

    @tobias: der vergleich mit einer kunstaktion von böhmermann hinkt schon etwas, oder? 😉

    insgesamt find ich es sehr schade, dass gerade von holgers seite so oft so krass kategorisierende und zugleich aggressiv aufgeladene blaffereien über menschen kommen. das war früher auch schonmal so schlimm, hatte aber den eindruck, es wäre mal besser geworden. letztlich empfinde ich das als primitiv und niveaulos. sorry, heftige kritik. wer öffentlich aber heftig redet, kann gegenwind hoffentlich ab.

    Antworten
    1. Andreas

      Ich kann dich da gut verstehen.
      Die Idee,das „Präkariat“ im 14tägigen all inclusive zu studieren klingt schon stark nach „Tiere vor der Kamera“.
      Ich fand Holger und Tobi mit ihren „Schichten-Berührungen“ in dieser Folge auch irgendwie befremdlich.

      Vielleicht habe ich es auch nur falsch verstanden.

      Gruß
      Andreas

    2. holgi Artikelautor

      Genau das ist halt nicht. Den Zoobesuch kann ich ja jeden Tag haben und habe den auch. Dazu muss ich nämlich bloß mal rausgehen und bleibe dabei teilnehmender Beobachter, der dich zurückzieht, sobald er sich einbildet, genug mitbekommen zu haben. Mit anderen Milieus tatsächlich zu interagieren, ist eine ganz andere Sache. Wie ich schon anderswo schrieb: Ich bewege mich berufsbedingt in einer diesbezüglich sehr homogenen Blase (Medienproduktion – gut daran zu erkennen, dass Wohnungsnot in der Berichterstattung sehr oft ein Problem von hoch Gebildeten, gerne Akademikern, mit wenig Geld, aber nur selten von normalen Arbeitnehmern in Normalberufen zu sein scheint).

      Mein Problem mit dem Begriff „Schicht“ ist, dass der immer schnell auf Einkommensverhältnisse angewendet wird (so hatte ich das damals auch noch gelernt – mag sein, dass das mittlerweile anders verstanden wird, aber ich komme da nicht raus). Ich finde aber, dass das nicht funktioniert, und bin fast sicher, dass in einem einem solchen Hotel nicht bloß Menschen mit wenig Geld absteigen, sondern eher Menschen mit anderen Konsum-Prioritäten als in meinem Milieu. Aber woher soll ich das wissen, wenn ich nicht wenigstens mal nachfrage? Und wie kann ich besser nachfragen, als indem ich mich zum Teilnehmer und nicht nur zum teilnehmenden Beobachter mache? Schließlich habe nicht vor, das als Recherche zu begreifen, sondern als Erfahrung.

    3. andreas

      Dieser Themenkomplex wäre vielleicht sogar ein wünschenswerter Extra Feed bei wrint.
      „Wrint Schichtenunterricht“ oder so…^^

      nix für ungut und danke für deine Atwort.

      Gruß
      Andreas

  12. Marius

    Re: Boshafte Zigarettenausdrücker
    Ich hab die gleiche Diskrepanz zwischen der Freundin (aus Berlin) und mir (aus Norddeutschland) – sie sieht Ignoranz oder mangelnde Sorgfalt auch als Boshaftigkeit, ich eher als… naja Ignoranz und Nachlässigkeit.
    Für sie wäre der Mofasattel-Vandalismus auch schon mutwillig, ich sehe das auch eher als „Scheiße aber nicht gezielt“.

    …ist vielleicht so eine Ost-West-, Positiv-Negativ-, Stadt-Land-Sache

    Antworten
  13. Sebastian

    Wie kommt man denn als Single-Haushalt mit 1.100 kWh/a aus? Hast du auch die Warmwasserversorgung über Strom? Ich bin ebenfalls ein Single-Haushalt, in normalen Maße zu Hause, und mache in der Regel auch das Licht aus, wenn ich einen Raum verlasse 😉 Trotzdem komme ich immer so auf ca. 2.000 kWh/a.

    Antworten
    1. holgi Artikelautor

      Ich habe bis 2015 sogar unter 1000kwh im Jahr verbraucht. Keine Ahnung, wie ich das mache – trotz Warmwasser per Strom.

    2. Wulf

      Kann ich nur zustimmen: Singlehaushalt mit Warmwasser über Strom, ca 900kwh/annum. Vormieter hatte das doppelte verbraucht. Meine Maßnahmen: Den elektronischen geregelten Durchlauferhitzer direkt auf die Duschtemperatur eingestellt und Wassersparbrause, Warmwasser-Untertischgerät per „Thermo-Stopp“ nur bei Bedarf einschalten und A+++ Kühlschrank. „Licht aus“ spielt insbesondere mit Energiesparleuchten dabei eine völlig untergeordnete Rolle.

  14. Christian

    Zwecks Filmentwicklung inkl. Scanservice kann man mal auch über Anbieter wie das Mein Film Lab aus Hürtgenwald oder das Carmencita Film Lab aus Spanien nachdenken. Besonders wenn man Filme hat, von denen man eine bessere Qualität wünscht. Kostet zwar alles ein bisschen mehr, aber die bieten verschiedene Scangrößen, bzw. lassen bei der Entwicklung mit sich reden, Push / Pull usw.

    Antworten
  15. Heinz Wille

    @Toby
    Hamburg bietet Dir gute Möglichkeiten um die SW-Filme genau für deinen Zweck, zum Vergrößern
    in der Dunkelkammer, entwickeln zu lassen. Bei https://www.open-eyes-hamburg.de oder bei
    Oliver Rolf im Platinum http://oliverrolf.de kannst Du die Filme genau nach eigenen Vorgaben Entwickeln lassen. Um mal ein wenig Dunkelkammerluft zu Schnuppern, kannst Du mal bei Kira im Butzlab http://www.butzlab.com oder auch bei Oliver Rolf vorbei schauen…
    Für die Arbeit in der Dunkelkammer benötigst Du dann ehr ausgeglichene Negative, die Dunkelkammer bietet ausreichend Spielraum für die eigene Interpretation der Aufnahme.
    VG Heinz

    Antworten
  16. Benninger

    Lieber Tobi, lieber Holger,
    einfach mal vielen Dank für diese wieder mal schöne Sendung. Informativ und zum Meinungsbilden geeignet.
    Macht bitte weiter!

    Antworten
    1. holgi Artikelautor

      Die Agfa Parat I – weil Blende und Zeit manuell einzustellen sind. Alle anderen haben Selenzellen und komische Automatiken, bei denen ich nicht kapiere, was rauskommt, weil ich nicht weiß, ob sie überhaupt noch richtig funktionieren.

      Allerdings hatte ich auch erst vier in der Hand (inklusive der Diana Mini).

  17. Stephan

    Hallo Holgi, Hallo Tobi, Vielen Dank für Eure Sendung.

    @Tobi
    Beim Thema Vergrößerung in der Abstellkammer würde ich noch einwerfen, dass das Format der Abzüge auch eine große Rolle spielt. Wenn Du nur 20x30cm große Abzüge machen möchtest (sind das egentlich schon „Vergrößerungen“:)), bekommst Du die benötigten 3 Schalen für Papierentwickler, Stoppbad und Fixierbad noch auf einer kleinen Fläche unter. Bei Abzügen bis 50x70cm brauchst Du aber schon wesentlich mehr Platz und der für das Vergrößerungsgerät kommt ja auch noch dazu. Ein Wasseranschluss ist zwar nicht zwingend nötig, verkürzt aber die Wässerungszeit erheblich. Wenn Du das Vergrößern wie oben angeboten erst einmal testen kannst, würde ich Dir und Deinen Töchtern diesen Weg empfehlen. Denn einen Vergrößerer, die Chemie und das ganze Zubehör für wenige Abzüge zu kaufen und die restliche Zeit alles nur herumstehen zu haben, wäre es mir nicht wert.
    Analoge Nikon: Ob es eine FM2 oder eine F100 sein soll, war auch für mich vor langer Zeit eine schwere Entscheidung. Deshalb hatte ich dann bis zum Einstieg in digitale Zeitalter auch beide:). Die FM2 ist eine sehr schöne kleine Kamera und noch dazu ein Handschmeichler. Wenn Du den Hebel für den Filmtransport spannst und er sanft und geschmeidig den Film weiterzieht, ist das schon den Kauf der Kamera wert. Moderne Objektive mit der Bezeichnung „G“ oder „Dx“ kannst Du wegen dem fehlenden Blendenring nur bei Offenblende benutzen und „DX“ zeichnet auch nicht den ganzen Bildkreis des Kleinbildformates aus. Wenn Du es mit der FM2 oder FM2N (kürzere Verschlusszeit) versuchen möchtest, dann würde ich mir an Deiner Stelle noch ein oder sogar 2 manuelle Objektive dazukaufen, denn sie erhöhen den Spaßfaktor noch einmal erheblich. Sollte Dir die manuelle Einstellung der Kamera zu umständlich sein, würde ich wie Holgi auch, die FE2 mit Zeitautomatik empfehlen.
    Die F100 war meine Hauptkamera und ich habe sie heute noch im Schrank stehen. Sie sieht eigentlich aus wie fast jede moderne Nikon und fühlt sich auch so an. Liegt satt in der Hand und bis auf „DX“ Objektive und die ganz neuen mit elektronischer Blende, kannst Du alle Autofokusobjektive und viele manuelle Objektive nutzen. Die Umgewöhnung von Deiner 7000er-Reihe wird nicht schwer fallen, denn die Blende kannst Du über ein Rad am Kameragehäuse verstellen und auch mit AF, Belichtungsreihen, Programmautomatik usw. ist sie immer noch auf einem guten Stand. Wahrscheinlich wirst Du nachdem Du ein Bild gemacht hast, auf das Rückseitendisplay schauen, um es zu kontrollieren – nur ist da halt keines;). Apropos Rückseite: Die Verriegelung der Rückwand bricht 20 Jahre nach Herstellung gerne weg und dann brauchst Du eine neue Rückwand. Und „DX“ Objektive funktionieren auch nur mit dem eingeschränkten Bildkreis.
    Fazit: Komfortabel arbeitest Du mit der F100, konzentriert und „anders“ mit der FM2.
    Viele Grüße, Stephan

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  18. Gunnar

    Zwei Fragen: Welche Gründe gibt es heute noch analog zu fotografieren?

    Und Holger: Wie lernst du Fotografieren? Welche Vorgehensweise gibt es da? Welche Begriffe muss man kennen?

    Vielen Dank!

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    1. Mithrandir

      Ich antworte jetzt mal als einer, der das auch nicht versteht:
      Versuche nicht es zu verstehen. Es ist ein Hobby, wie viele andere, bei denen man den Sinn nur hat, wenn man es möchte. Warum sammeln Leute Briefmarken, Münzen usw.
      Ich verstehe auch nicht, wie man die kostbare Urlaubszeit mit Fotografieren verbringen kann. Wenn ich die Menschen sehe, die extra ein Stativ, eine hochteure Kamera zum Eifelturm bringen, dann eine halbe Stunde rum machen, bis alles so ist, wie sie es wollen, um dann ein Foto zu machen, dass es schon hundertfach im Internet gibt.
      Ja, das ist ketzerisch. Fotos von bekannten Plätzen, ohne Personen die ich kenne, finde ich im Internet. Am Ende sieht niemand ob ich das Foto gemacht habe oder nicht.
      Wenn ich oder meine Familie drauf ist, ist es eine schöne Erinnerung und vielleicht auch so was wie ein Beweis, dass ich da war.
      Es gab mal im einen alten Blog eine Sammlung von Reegeln, wie man Fotos ausmistet. Darunter auch: „Ist auf dem Foto keine Person, die du persönlich kennst oder ein ganz außergewöhnliches Motiv , schmeiß es weg. Außer elvis ist irgendwo zu sehen“.
      Wenn meine Frau jetzt Fotos macht ohne dass die Familie drauf ist, frage ich immer „Oh, fotografierst du wieder Elvis?“
      Nix für ungut, jedem Tierchen sein Pläsierchen. Wenn andere Spaß haben an der „Blauen Stunde“ ist doch OK, so lange ich nicht damit belästigt werde. Die Mitarbeiter bei den Fotoherstellern usw. haben auch Kinder, die satt werden wollen.
      Genervt hat mich zum Beispiel vor kurzem ein Typ in London, der gefühlte 10 Minuten (tatsächlich waren es wahrscheinlich nur 2) die Horse Guards so fotografierte, dass niemand anders die Möglichkeit hatte das typische Erinnerungsfoto mit Kids zu machen.
      Aber der Frust war nach 5 Minuten auch schon wieder weg 🙂
      Für Otto Normalknipser reicht mittlerweile ein aktuelles Smartphone um Fotos hinzubekommen, für die man früher teure Kameras brauchte.

    2. Gunnar

      Ich wollte es ja nicht in Frage stellen.
      Möchte nur auch das Fotografieren lernen. Und dazu gehört für mich auch die Handlungsweisen und das Warum und Wieso man etwas in der Fotografie macht zu verstehen.

  19. Anja

    Jetzt muss ich leider noch meinen Kommentar zum All Inklusive Urlaub abgeben.
    Ich habe das 2x gebucht: 1x nach meinem Vordiplom und 1x nach meinem Diplom.
    Nach der ganzen Lernerei wollte ich nur den ganzen Tag in der Sonne liegen, evtl. zwischendurch etwas im Wasser plantschen und mir ansonsten Null Gedanken machen.
    Habe mich deshalb leicht angegriffen gefühlt, als du in der Sendung über die AI Urlauber hergezogen hast 😉

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    1. holgi Artikelautor

      Huch! Das sollte kein Herziehen sein. Allenfalls über meine Alltagsignoranz.

  20. Görge

    Holgi und Tobi, ihr habt ganz kurz angerissen, dass die Auslandstürken (also die Türken, die in D Leben), sich bei der Wahl/Abstimmung enthalten hätten sollen. Ist das wirklich eure Meinung oder nur dem Umstand geschuldet, dass diese Gruppe die Abstimmung deutlich in eine Richtung beeinflusst hat?
    Ich bin seit 14 Jahren Auslandsdeutscher und verfolge trotzdem das Geschehen „zu Hause“ (D) recht genau. Ebenso ist mir auch die Bundestagswahl wichtig, da mich Teile der Gesetze direkt betreffen bzw. zukünftig betreffen, sollte ich mal zurückkehren.
    Würdet ihr mir und anderen Auslandsdeutschen ebenso von einer Beteiligung an der Wahl abraten bzw. uns davon ausschließen wollen?

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    1. Helena

      Ich denke es ist nochmal ein Unterschied, ob man – wie ich auch – in einem Land den Großteil seines Lebens gelebt hat, die Sprache die Muttersprache ist und man sich für ein paar Jahre im Ausland aufhält. Mein Wahlrecht würde ich mir auch sehr ungern nehmen lassen.
      Aber ob man das Wahlrecht eines Landes braucht, in dem man nie gelebt hat, in dem vielleicht schon die Eltern nicht gelebt haben, dessen Sprache man nur rudimentär spricht, braucht, ist denke ich schon eine berechtigte Frage. 🙂

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